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Bildrechte: Jean-Christophe Bott/Keystone/dpa

Skifahrer im Skigebiets Verbier in den Schweizer Alpen.

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    Schweiz: Engländer sind weg, der Streit ist da

    Die unerlaubte Abreise der unter Corona-Quarantäne stehenden englischen Skitouristen entwickelt sich zu einem Politikum. Der Schweizer Kanton Wallis und das Bundesamt für Gesundheit streiten sich über den Umgang mit dem Fall.

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    Von
    • Thomas Wagner
    • BR24 Redaktion

    Dreh- und Angelpunkt für den Streit um die "geflüchteten" englischen Touristen ist die sogenannte "rückwirkende Quarantäne". Diese hatte das Schweizer Bundesamt für Gesundheit für britische Skitouristen angeordnet, weil in Großbritannien Fälle eines aggressiveren, mutierten Corona-Virus bekanntgeworden waren.

    Hunderte von Briten flohen aus der Schweiz

    Alle ab dem 14. Dezember angereisten Briten hätten der Anordnung zufolge zehn Tage nach Ankunftsdatum nicht mehr ihre Hotelzimmer verlassen dürfen. Tatsächlich aber verließen hunderte Briten Hals über Kopf nicht nur die Hotelzimmer, sondern gleich auch noch die Schweiz – unter Missachtung der Quarantäne-Auflagen.

    Quarantäne auf 20 Quadratmetern - mit Kindern

    Man verstehe die Wut der betroffenen Briten als Folge der rückwirkenden Quarantäne, sagt nun nach Schweizer Medienberichten ein Sprecher der bei Briten beliebten Wintersportgemeinde Bagnes, zu der der Wintersportort Verbier gehört. Familien mit kleinen Kindern über Tage hinweg in einem 20 Quadratmeter großen Hotelzimmer festzusetzen, sei unzumutbar.

    "Passagierdaten kamen zu spät"

    Der Walliser Regierungspräsident Christoph Darbellay kritisierte, das Schweizer Bundesamt für Gesundheit habe die Liste mit Passagierdaten britischer Skitouristen viel zu spät an die Behörden vor Ort geschickt.

    "Ich denke, es wurde alles unternommen, was in so einer Situation möglich ist. Und wenn ich von Nachverfolgung lese, dann klingt das wie eine Film-Satire mit Louis de Funès, in der eine Art Gestapo den Leuten nachstellt – das entspricht nicht der Realität."

    Weg ist weg

    Das Bundesamt für Gesundheit wiederum betont, die Kantone hätten die Quarantäne besser durchsetzen müssen. Derweil sind die mehreren hundert britischen Skitouristen längst über alle Berge. Ob sie jemals wieder zum Winterurlaub in die Westschweiz zurückkehren, sei ungewiss, so ein Sprecher der Walliser Gemeinde Bagnes. Man müsse um den guten Ruf der Region vor allem bei den wichtigen britischen Gästen fürchten – auch in den kommenden Jahren, wenn Corona längst vorbei sein wird.

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