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Schweinepest-Fall in Brandenburg treibt Bauern landesweit um | BR24

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Behörden bereiten sich auf Schweinepest vor

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Schweinepest-Fall in Brandenburg treibt Bauern landesweit um

Lange haben die Bauern schon damit gerechnet, jetzt wurde mit dem ersten bestätigten Fall afrikanischer Schweinepest in Brandenburg aus Sorge Realität. Damit gilt Deutschland nicht mehr als seuchenfrei. Das bedroht auch die bayerischen Bauern.

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Von
  • BR24 Redaktion

Seit gestern, als Landwirtschaftsministerin Klöckner den ersten Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) in Deutschland bestätigte, ist die Sorge groß – sowohl um das landesweite Schweinewohl – schließlich droht aus präventiven Gründen eine weiträumige Massenschlachtung – als auch um die wirtschaftlichen Folgen, denn Deutschland exportiert massenhaft Schweinefleisch.

Schweinehalter warnen vor wirtschaftlichen Folgen

"Ein ASP-infiziertes Wildschwein in Deutschland hat grundsätzlich Folgen für alle Schweinebauern in ganz Deutschland", sagte der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands, Torsten Staack, dem BR. Wie stark die wirtschaftlichen Folgen ausfielen, hänge maßgeblich davon ab, inwieweit wichtige Märkte geöffnet bleiben würden. Wie sich das Exportland China verhalte, habe großen Einfluss auf die deutschen Schweinehalter. "Wenn die jetzt sagen, wir nehmen das jetzt nicht mehr ab, dann kommt es an der Stelle zu einem Mengenstau. Das heißt, diese Mengen müssen dann woanders hingehen und das sorgt natürlich dann für Preisdruck, den die Landwirte dann sehr, sehr schnell zu spüren bekommen, mit existenzielle Folgen", sagt Staack.

Seit dem Jahr 2000 hat sich der Export von Fleisch- und Milchprodukten nach China verdreißigfacht. Deutsches Schweinefleisch erfreut sich dort großer Beliebtheit – besonders Innereien, Köpfe und Schwänze sind gefragt. Das Exportgeschäft verlief in den vergangenen Jahren sogar so gut, dass deutsche Betriebe wieder anfingen mehr Schweine zu züchten. Jetzt droht diesem Exportzweig ein großer Schaden. Südkorea hat die Einfuhr von Schweinefleisch aus Deutschland bereits verboten. Noch ist offen wie sich China verhalten wird.

Folgen für Schweinezüchter in Bayern

Die Schweinezüchter landesweit fordern nun, den Fokus auf die Eindämmung der Schweinepest zu legen. Es müsse alles dafür getan werden, dass sich die Schweinepest nicht weiter ausweitet, sagte Geschäftsführer Torsten Staack vom Verband der Schweinehalter. Die Interessengemeinschaft vertritt nach eigenen Angaben deutschlandweit rund 11.000 Mitglieder. Und auch der Geschäftsführer des Bauernverbands Günzburg, Matthias Letzing, ist alarmiert. Wegen der Schweinepest hätten sich bereits viele Landwirte bei ihm gemeldet. Sie seien in Sorge, ihre Tiere vielleicht bald nicht mehr auf dem heimischen Markt verkaufen oder auch exportieren zu können.

Wird die Schweinepest in einem Betrieb festgestellt, so wird der Hof gesperrt und alle Schweine müssen gekeult werden. Die Tierseuchenkasse trägt die direkten Verluste, allerdings keine Ausfälle, die dem Landwirt in der Folge entstehen. Erst nach rund 40 Tagen darf der Hof seinen Betrieb wiederaufnehmen. Für ein solches Szenario gibt es zwar eine Ertragsschaden-Versicherung, aber nur noch wenige Landwirte werden in diese aufgenommen, sagt Letzing.

Präventionsmaßnahmen in Bayern

Stallungen einzuzäunen sei eine gute, aber keine billige Alternative, so der Geschäftsführer weiter, weil die Zäune sehr stabil sein müssten. Er fordert die Bürger auf, tote Wildschweine, die sie etwa bei einem Spaziergang im Wald entdecken, zu melden.

Das Landratsamt Günzburg stellt derzeit ein Bergungsteam unter Federführung der Jägerschaft zusammen, das verendete Tiere schnellstmöglich aufspüren und mit einem neu angeschafften Kühltransporter abtransportieren soll. "Wir prüfen zudem die Zäune entlang der Autobahn A8", sagt Franz Schmid, Leiter des Fachbereichs Veterinärwesen im Landratsamt. Wildschweine sollen daran gehindert werden, im Müll nach Nahrung zu suchen und sich etwa durch mitgebrachtes Fleisch aus Osteuropa zu infizieren.

Im Landratsamt Aichach-Friedberg sieht man der aktuellen Bedrohung durch die Schweinepest gelassen entgegen. Man habe sich bereits seit einiger Zeit vorbereitet, die notwendigen Maßnahmen seien bereits getroffen worden. Das Material sei beschafft, die Mitarbeiter geschult, sagt Landrat Klaus Metzger.

Mehr Schweine jagen

Das Landratsamt Günzburg setzt im Kampf gegen die afrikanische Schweinepest auch auf die Bejagung des Schwarzwildes, um eine Ansteckung von Schwein zu Schwein zu reduzieren. Die Übertragung erfolgt entweder direkt von Tier zu Tier oder indirekt beispielsweise über kontaminierte Gegenstände. Man sollte eigentlich Jäger aus anderen Regionen anheuern, um "Schutzschneisen" zu errichten, sagt Letzing. Diese Methode habe in Tschechien und Polen gute Erfolge gezeigt.

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Sie kursiert schon länger in Polen, nun ist auch Deutschland betroffen: In Brandenburg ist bei einem Wildschweinkadaver die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen worden. Was hat es mit dieser Krankheit auf sich?