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Schweinepest: Dänemarks grenzwertiger Zaun | BR24

© BR/Peer-Axel Kroeske

Jetzt ist er fertig: ein 70 Kilometer langer, 1,50 Meter hoher Zaun entlang der deutsch-dänischen Grenze. Offiziell will Dänemark Wildschweine aussperren. Der Zaun ist voller Widersprüche. Richtet er sich auch gegen Migranten?

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Schweinepest: Dänemarks grenzwertiger Zaun

Jetzt ist er fertig: 70 Kilometer lang, 1,50 Meter hoch verläuft ein Gitter entlang der dänisch-deutschen Grenze. Dänemark will so von der afrikanischen Schweinepest infizierte Wildschweine aussperren. Kritiker sehen den Zaun dagegen als Politikum.

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Auf seinem Hof zehn Kilometer nördlich der Grenze betreibt Claus Jörgensen eine Ferkelzucht. Er hält 2000 Muttersauen, die pro Jahr etwa 70 000 Ferkel werfen. Die Jungtiere werden exportiert.

Dänemark exportiert besonders viel Schweinefleisch

Für Schweinehalter Jörgensen käme die afrikanische Schweinepest in Dänemark einem wirtschaftlichen Gau gleich, auch wenn seine Tiere gar nicht infiziert wären, denn, "das würde bedeuten, dass ich meine Ferkel nicht verkaufen kann."

Große Zucht- oder Mastbetriebe sind in Dänemark häufig, denn das kleine skandinavische Land ist einer der weltweit wichtigsten Produzenten und Exporteure von Schweinefleisch. Gerade wegen der afrikanischen Schweinepest! Denn seit chinesische Mastbetriebe infiziert wurden, wird in Asien viel Fleisch in Europa gekauft. Bietet der Zaun aber tatsächlich einen effektiven Schutz gegen die Schweinepest?

Der Zaun bietet keinen vollen Schutz

Im südlichen Nachbarland Deutschland gibt es bislang keine Fälle von Schweinepest, dafür in Polen und Belgien. Der Zaun wurde per Gesetz von der dänischen Regierung als Präventionsmaßnahme beschlossen. Experten beklagen allerdings, dass der Zaun im Ernstfall Wildschweine nicht wirklich abhalten würde. Erstens hat er zwischendurch Lücken, zweitens könnten die Tiere auch schwimmend auf dem Wasserweg nach Dänemark kommen.

Flensburg protestierte offiziell gegen den Zaun

Die Grenzgemeinden auf deutscher Seite konnten bei der Entscheidung für den Bau des Zauns nicht mitreden. Dementsprechend negativ wird er im Umland gesehen. Eine besonders heftige Gegnerin des Zauns ist die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange. Die 43-Jährige kann von ihrem Büro im 10. Stock über die Flensburger Förde, einen Seitenarm der Ostsee, bis nach Dänemark schauen. Sie wertet die Maßnahme als einen empfindlichen Einschnitt. :

"Ein Zaun, der uns sichtbar voneinander trennt." Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg

Der offizielle Protest der Stadt Flensburg gegen den Zaun stieß in Dänemark allerdings auf taube Ohren.

Soll der Zaun auch Flüchtlinge abhalten?

Der Marsch von Flüchtlingen im Spätsommer 2015 auf der Autobahn durch Deutschland Richtung Norden alarmierte die dänische Politik. Seit August 2016 werden die drei großen Grenzübergänge bei Flensburg dauerhaft überwacht. Treibende Kraft ist die rechtsgerichtete Dänische Volkspartei, die bis Mitte des Jahres stärkste Kraft in der Grenzregion war. Kritiker des Zauns mutmaßen, dass er auch deshalb gebaut wurde, um Flüchtlinge und Migranten in Zukunft fernzuhalten. Thomas Andresen ist Bürgermeister von Apenrade und vertritt damit eine Region so groß wie ein deutscher Landkreis.

Rechtsgerichtete Politiker wollten zusätzlich Stacheldraht

Er gehört der bürgerlichen Partei Venstre an, die den Landwirten nahesteht. Andresen ist pro Zaun eingestellt, weil er weiß, dass im Falle der Schweinepest in seiner Kommune 4000 Arbeitsplätze verloren gehen. Aber auch er gibt zu:

"Es gibt rechtsorientierte Politiker, die gesagt haben: Oh, wunderbar. Mach nochmal Stacheldraht drauf und einen Meter höher." Thomas Andresen ist Bürgermeister von Apenrade, Dänemark