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Schuster warnt vor neuer Antisemitismus-Welle in Deutschland | BR24

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Josef Schuster

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    Schuster warnt vor neuer Antisemitismus-Welle in Deutschland

    Erstmals seit dem Holocaust sind in Berlin drei orthodoxe Rabbiner ordiniert worden. Die Stimmung war verhalten: Josef Schuster, Präsident des Zentralrats, fürchtet einen neuen Antisemitismus, der sich "mit beängstigender Geschwindigkeit" ausbreite.

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    Eigentlich war es eine Feierstunde - die erste Ordinationsfeier für orthodoxe Rabbiner in Berlin. Die drei Absolventen des 2009 wiedergegründeten orthodoxen Rabbinerseminars der Hauptstadt sind in jüdischen Gemeinden in Berlin, Basel und Magdeburg tätig; aktuell studieren neun weitere angehende Rabbiner an der Einrichtung, deren 1938 von den Nazis geschlossener Vorgänger wichtigste Ausbildungsstätte orthodoxer Rabbiner in Westeuropa war.

    Die Gästeliste war lang - neben Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und dem Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, auch Außenminister Heiko Maas und andere Politprominenz. Doch die Stimmung unter den Gästen war verhalten.

    Militanter Antisemitismus: ein Angriff auf die Grundrechte

    Schuster beklagte, dass es im zurückliegenden Jahr in Deutschland nicht einfacher geworden sei, Jüdischsein selbstbewusst zu leben und rief die nicht-jüdische Mehrheitsgesellschaft dazu auf, gegen die neu aufflammende Judenfeindschaft aktiv zu werden. In Deutschland gehörten Religionsfreiheit und persönliche Freiheit zu den Grundrechten, sagte Schuster. Freiheit bedeute, Kippa und Davidstern offen tragen zu können, ohne angepöbelt, angestarrt oder geschlagen zu werden.

    "So vehement wie lange nicht muss die jüdische Gemeinschaft derzeit für diese Grundrechte kämpfen." Josef Schuster

    43 antisemitische Straftaten von Januar bis Juni - allein in Bayern

    Zuletzt hatte ein rechtsextremer Angriff auf ein jüdisches Restaurant in Chemnitz für Schlagzeilen gesorgt. Das meiste aber passiert unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle. Für das erste Halbjahr 2018 registrierte die Polizei 401 antisemitische Straftaten in Deutschland. Die meisten der überwiegend rechtsextrem motivierten Delikte ereigneten sich in Berlin, Bayern liegt mit 43 auf Platz 2.

    Die Bundesregierung plant inzwischen ein neues Meldesystem, das Vergehen gegen Juden erfassen soll. Auch der Freistaat richtet eine neue Meldestelle ein.

    Maas nimmt die deutsche Gesellschaft in die Pflicht

    Bundesaußenminister Maas sprach beim Festakt von einem Vertrauensvorschuss für Rechtsstaat und Demokratie, dass in Berlin als Ort, an dem Deportation und Vernichtung der Juden geplant wurden, heute wieder die größte jüdische Gemeinde Deutschlands lebe und Rabbiner ausgebildet und ordiniert würden. Die ordinierten Rabbiner und Kantoren würden in ihren Gemeinden mit dazu beitragen, dass Deutschland nach wie vor ein lebenswerter Ort für Juden sei. "Lassen wir sie nicht allein", so Maas' Appell.

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