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Schuster: Führungen in KZ-Gedenkstätten auch auf arabisch | BR24

© Frank Hoermann, Sven Simon/dpa

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, fordert in KZ-Gedenkstätten auch Führungen in arabischer Sprache anzubieten.

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    Schuster: Führungen in KZ-Gedenkstätten auch auf arabisch

    Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat sich dafür ausgesprochen, in ehemaligen KZs auch arabische Führungen anzubieten. Zudem fordert er einen härteren Umgang mit Islamisten und warnte vor den Auswirkungen des Rechtspopulismus.

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    Wenn es nach dem Willen von Josef Schuster geht, sollen in KZ-Gedenkstätten auch Führungen in arabischer Sprache angeboten werden. Der "Welt am Sonntag" sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, in der bayerischen Gedenkstätte Flossenbürg gebe es bereits entsprechende Überlegungen. "Dies sollte auf alle KZ-Gedenkstätten ausgeweitet werden," so Schuster. Verpflichtende Besuche von Schulklassen in Gedenkstätten für NS-Opfer seien wichtig, soweit diese didaktisch vor- und nachbereitet würden.

    Es geht um mehr als die Bekämpfung von Judenfeindlichkeit

    Zugleich sprach sich der Präsident für einen härteren Umgang mit Islamisten aus. Es gehe bei islamistisch motiviertem Antisemitismus nicht allein um die Bekämpfung von Judenfeindlichkeit, erklärte der Würzburger. "Hier geht es darum, dass alle Menschen, die nach Deutschland kommen, hier nach unseren Werten leben, also die Gleichberechtigung von Mann und Frau anerkennen, sich gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus wenden, den Rechtsstaat anerkennen und die Vielfalt sexueller Orientierungen akzeptieren," betonte er.

    Dieses Wertesystem zu vermitteln sei grundlegend bei allen Maßnahmen zur Integration: "Wer diese Normen nicht akzeptiert und dadurch straffällig wird, der hat in diesem Land nichts zu suchen und muss wieder gehen", so Schuster. "Nach meinem Empfinden hat er mit einer solchen Straftat das Aufenthaltsrecht in diesem Land verwirkt."

    Schuster warnt vor Koalition mit AfD

    Trotz der gehäuften Fälle islamistisch motivierter Attacken sieht Schuster "im rechtsextremistisch, rechtspopulistischen Antisemitismus die größte Gefahr für dieses Land und die Juden". Anhand vieler Untersuchungen sei bekannt, dass jeder fünfte Deutsche antijüdische Ressentiments hege. Es handele sich um einen Antijudaismus, der seit Jahrhunderten weitergegeben werde. "Es bedeutet nicht unbedingt, dass derjenige, der diese Vorurteile hat, rechtsextrem ist", sagte Schuster. "Dennoch begreife ich diesen tradierten Antisemitismus als eine der Vorstufen zum Rechtspopulismus."

    Zwei Wochen vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland mahnt der Zentralrat der Juden vor einer Regierung mit Hilfe der AfD. "Ich warne alle Parteien dringend davor, eine Koalition mit der AfD zu schließen", sagte er. Auch eine Minderheitsregierung unter Tolerierung der Partei würde bedeuten, dass zum politischen Überleben "immer auch nach rechts" geschielt werden müsste. Am 1. September wählen die Bürger in Brandenburg und in Sachsen einen neuen Landtag. Umfragen sagen für die AfD Ergebnisse über 20 Prozent voraus.

    Kein Aufruf zur Auswanderung im Falle einer Duldung

    Im Falle einer Duldung würde Schuster die Juden in Deutschland nicht zur Auswanderung aufrufen: "Man müsste abwägen, was schlimmer wäre: eine Tolerierung oder die Nichtregierbarkeit bei der Aussicht, dass Neuwahlen vielleicht ein noch problematischeres Ergebnis brächten", so Schuster.

    Er betonte, die AfD sei "viel enger mit dem Rechtsextremismus verwoben", als sie es nach außen darstelle: "Sie schürt Ängste und fördert ein Klima der Ausgrenzung von Minderheiten." Die AfD verbinde Anschläge islamistisch motivierter Täter mit populistischer Propaganda, "um generell gegen Minderheiten zu hetzen". Damit schüre sie ein Klima, das sich letztlich auch gegen Juden richte.

    Schuster: "Es wird nicht gemäßigter, eher schlimmer"

    "Teile der AfD entwickeln sich nach meinem Eindruck immer mehr ins Völkische hinein," so Schuster. "Man muss nur die Debatten innerhalb der AfD verfolgen, dann ist zu befürchten: Es wird nicht gemäßigter, eher schlimmer werden." Bei einigen Teilen der AfD - etwa dem rechtsnationalen "Flügel" um den umstrittenen Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke - frage er sich, ob diese den Boden des Grundgesetzes schon verlassen hätten. "Es ist ja kein Zufall, dass der Verfassungsschutz bestimmte Parteigliederungen zum Verdachtsfall und die Partei insgesamt zum Prüffall erklärt hat."