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Schuppenflechte: Neue Hoffnung für Patienten mit Psoriasis | BR24

© pa/dpa/Arno Burgi

Psoriasis ist mittlerweile gut behandelbar

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    Schuppenflechte: Neue Hoffnung für Patienten mit Psoriasis

    Die Schuppenflechte gehört zu den häufigsten dermatologischen Erkrankungen weltweit. Hierzulande leiden über zwei Millionen Menschen daran. Bei jedem dritten Patienten sind auch Sehnen und Gelenke betroffen. Inzwischen ist Psoriasis gut behandelbar.

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    Von
    • Julia Richter

    Bei der Psoriasis handelt es sich um eine chronisch entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung, die nicht heilbar, aber heutzutage gut behandelbar ist. Die genaue Ursache ist nicht bekannt, man weiß, dass es eine genetische Prädisposition gibt und dass die Lebensumstände eine Rolle spielen, etwa Ernährung oder Stress.

    Zellen der Haut teilen sich etwa acht Mal schneller als bei Gesunden

    Typisch sind glänzende, silbrig weiße Schuppen, die sich auf stark durchbluteten und geröteten Hautstellen bilden – daher der umgangssprachliche Name "Schuppenflechte". Ursache ist eine Verhornungsstörung der Haut, sie führt dazu, dass sich die Zellen viel schneller teilen als bei gesunden Menschen. Betroffene Regionen sind vor allem: Ellenbogen, Knie, die Kopfhaut, die Pofalte. Aber auch Hände und Füße sowie die Gelenke können betroffen sein.

    Heute weiß man, dass die Schuppenflechte nicht nur eine Haut-, sondern eine Autoimmunerkrankung ist. Das heißt: Die Immunabwehr funktioniert nicht mehr richtig. Spezifische Abwehrzellen richten sich nicht gegen Eindringlinge, sondern gegen den eigenen Körper. Es kommt zu einer Entzündungsreaktion. Dadurch werden die Hautzellen circa achtmal schneller gebildet als bei Gesunden. Die Folge: erhabene, silbrig- schuppende Hautpartien.

    Psoriasis belastet die Psyche

    Das nagt am Selbstbewusstsein: Die Krankheit macht vielen Patienten nicht nur körperlich zu schaffen, sie belastet auch die Psyche. In einem kurzen T-Shirt oder einer kurzen Hose vor die Tür gehen, kostet viele Betroffene Überwindung - genauso wie Besuche im Schwimmbad.

    Psoriasis-Arthritis - chronische Gelenkentzündung

    Doch häufig betrifft die Autoimmunerkrankung nicht nur die Haut, etwa 30 Prozent der Schuppenflechte-Patienten erkranken zusätzlich an einer Psoriasis-Arthritis, das heißt die Entzündung geht auf Gelenke, Sehnen und Bänder über.

    Schuppenflechte kann weitere Krankheiten auslösen

    Die typischen Plaques sind ein relativ sicheres Anzeichen, in der Regel erfolgt die Diagnose per Blick. Im Zweifel werden Gewebeprobe entnommen. Schlägt die Psoriasis auf die Gelenke, kann eine Diagnose schwieriger sein, vor allem, wenn man auf der Haut noch keine Anzeichen sieht. Hier können die Messung des Rheumafaktors, Entzündungswerte im Blut oder der Harnsäurespiegel Aufschluss geben. Aber auch bildgebende Verfahren helfen, die Diagnose zu sichern.

    Am bayerischen Psoriasis-Zentrum an der LMU ist man auf schwere Fälle spezialisiert: Die Krankheit ist inzwischen gut behandelbar:

    "Das ist auch deswegen so wichtig, weil Psoriasis eine Reihe von Begleiterkrankungen erzeugen kann. Durch die chronische, lang bestehende Entzündung kommt es vermehrt zu Herz-Kreislauferkrankungen, zu Diabetes Mellitus und den entsprechenden Folgeerscheinungen." Dr. Jörg C. Prinz, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU Klinikum München

    Spezielle Antikörper bremsen das gestörte Immunsystem aus

    Patienten mit mittelschwerer und schwerer Psoriasis haben oft viele Therapieoptionen ausprobiert: Kortisoncreme, Vitamin D, Vitamin-A-Abkömmlinge, Medikamente, die das Zellwachstum hemmen, und solche, die das Immunsystem unterdrücken. Wenn nichts dauerhaft anschlägt, bekommen dies Patienten sogenannte Biologika. Es handelt sich um Antikörper, die das gestörte Immunsystem gezielt ausbremsen: Alle drei Monate müssen sie gespritzt werden.

    "Die Biologika greifen in die Entzündungskette der Psoriasis Vulgaris ein. Die früheren Biologicals waren so, dass sie eine relativ breite Wirkung erzielt haben, die neueren Präparate sind viel spezifischer in der Bindung von ganz speziellen Entzündungsbotenstoffen, die für die Psoriasis eine Rolle spielen, und deswegen noch einmal wirksamer und möglicherweise noch einmal sicherer." Dr. Jörg C. Prinz, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU Klinikum München

    Die Biologika sind meist gut verträglich - aber auch sie können Nebenwirkungen verursachen, etwa die Infektanfälligkeit erhöhen. Und die Behandlung ist teuer: Bis zu 20.000 Euro kann sie pro Jahr kosten.

    "Neben den Biologika gibt es noch die konventionellen Psoriasis-Medikamente, dazu gehören Fumarsäureester, Methotrexat, Ciclosporin und das Vitamin-A-Präparat Acitretin", so Dermatologe Prinz. "Die sind allerdings in der Breite nicht so wirksam wie die Biologika, und sie können individuell gerade in der Langzeittherapie durchaus Nebenwirkungen hervorrufen, die man vermeiden möchte."

    Auch weniger Stress und gesunde Ernährung können helfen

    Bei leichteren Fällen kann auch eine Lebensstiländerung helfen – etwa Stress zu reduzieren und die Ernährung umzustellen. Empfohlen wird eine glutenfreie, entzündungshemmende Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst. Tabu sind: Brot, Kuchen und Nudeln!

    Neueste Studien belegen, dass Patienten von so einer Ernährungsumstellung tatsächlich profitieren können:

    "Unsere Ergebnisse zeigen, dass möglicherweise Proteine, also Eiweißstoffe aus dem Weizen, eine Psoriasis verschlechtern oder sogar auslösen können. Dies gilt auch für die Psoriasis-Arthritis. Deswegen empfehlen wir unseren Patienten, mal für zwei bis drei, oder vier Monate eine streng weizenfreie Diät einzuhalten, um festzustellen, ob das nicht ihren Krankheitsverlauf positiv beeinflusst." Dr. Jörg C. Prinz, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU Klinikum München

    Bei einem akuten Schub hilft auch eine spezielle Foto-Therapie mit UVB-Licht. Das unterdrückt die Entzündung und hemmt die Schuppenbildung. Wichtig ist zudem eine konsequente Pflege mit einer rückfettenden Creme, die die Spannungsherde auf der Haut lindert.

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