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Homeschooling (Symbolbild).

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    Schulen und Corona: So sieht es in Nachbarländern aus

    Wegen Corona bleiben die Schulen in Bayern und anderen Regionen Deutschlands vorerst geschlossen. Wie ist das Homeschooling in anderen europäischen Ländern geregelt? Wir schauen nach Österreich, in die Schweiz, nach Tschechien und Frankreich.

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    Von
    • Karin Straka
    • Dietrich Karl Mäurer
    • Kilian Kirchgeßner
    • Marcel Wagner

    Fernunterricht in Österreich seit 7. Januar

    Seit dem Ende der Weihnachtsferien am 7. Januar sind die Schulen in Österreich im Fernunterricht. Nur in Sonderschulen gibt es Präsenzunterricht. Die Oberstufen haben schon seit Anfang November 2020 durchgängig Fernunterricht. Hier können die Schülerinnen und Schüler allerdings für Prüfungen und Tests oder für die Vorbereitung darauf klassen- bzw. tageweise in die Schule geholt werden. Auch Abschlussprüfungen finden statt.

    Für Kinder im Pflichtschulalter gibt es ein Betreuungsangebot an den Schulen. Diese Möglichkeit wird sehr unterschiedlich genutzt, die Entscheidung liegt bei den Eltern. Im Durchschnitt wurden laut Bildungsministerium etwa 14 Prozent der Schülerinnen und Schüler in der jetzigen Phase dafür angemeldet.

    Österreich steckt zur Zeit im dritten Lockdown, der am 24. Januar enden soll. Der Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler soll frühestens am 18. Januar wieder starten. Das hängt allerdings von den Infektionszahlen ab. Der österreichische Bildungsminister Heinz Faßmann hätte die Schulen grundsätzlich lieber offen gelassen, musste sich jedoch fügen. Unter anderem Bundeskanzler Sebastian Kurz wollte die Schülerinnen und Schüler in den Fernunterricht schicken.

    Wie es weitergeht, wird in den nächsten Tagen entschieden. Auch in Österreich gibt es Diskussionen über die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung. Mehrere Schulen haben Schreiben angeblicher Elternvertreter bekommen, in denen Lehrer und Lehrerinnen aufgefordert werden, sich der Maskenpflicht in den Schulen zu widersetzen.

    Karin Straka, Wien

    Keine einheitliche Regelung in der Schweiz

    Was angesichts der Corona-Pandemie in Schweizer Schulen passiert, das entscheidet nicht die Regierung in Bern, sondern die mit den deutschen Bundesländern vergleichbaren einzelnen Kantone. So erklärt sich ein Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen. Einzelne Regionen haben den Schulstart nach dem Jahreswechsel um ein paar Tage verschoben. Im Kanton Sankt Gallen begann das Jahr für Mittel- und Berufsschulen mit zwei Wochen Fernunterricht. Generell ist man sich einig, dass der Unterricht stattfinden soll. Auch die Corona-Taskforce der Schweizer Regierung sieht keinen Grund, die Klassenzimmer zu sperren. Es gelte abzuwägen zwischen dem Recht auf Bildung und der Frage, wie stark Kinder zur Ausbreitung der Epidemie beitragen. Generell sei die Situation zu überwachen. Gegebenenfalls müsse man auf die Entwicklung reagieren.

    Während des ersten Lockdowns im letzten Frühjahr stellten einige Schulen Nachholbedarf bei der technischen Ausstattung fest. Inzwischen wurde aufgerüstet. Laut dem 2020 veröffentlichten Schulbarometer der Pädagogischen Hochschule Zug sind die Bildungseinrichtungen der Eidgenossenschaft technisch besser ausgestattet als Schulen in Österreich und Deutschland. Auch nutzen sie digitale Lernplattformen besser.

    Dietrich Karl Mäurer, Zürich

    Präsenzunterricht in Tschechien nur für die Kleinen

    Anfang Januar konnten in Tschechien lediglich die Schüler der ersten und zweiten Klassen zum Präsenzunterricht zurückkehren, für alle anderen gibt es aktuell Online-Unterricht - bis mindestens zum 22. Januar. Geöffnet haben indes die Kindergärten. Das Bildungsministerium hat inzwischen allen Schulen empfohlen, bei den Zeugnissen auf Noten zu verzichten und die Schüler nur mit einer verbalen Einschätzung zu bewerten. Damit zumindest in den Abschlussklassen mündliche und schriftliche Prüfungen stattfinden können, gibt es inzwischen Ausnahmeregelungen, die strengen Auflagen unterliegen.

    Schon im Herbst hatte es weitreichende Schulschließungen gegeben: Nachdem zum 1. September das Schuljahr zunächst normal begonnen hatte, waren alle Schulen ab dem 14. Oktober geschlossen. Ab dem 18. November konnten die ersten und zweiten Klassen wieder zur Schule gehen, kurz danach dann die Abschlussklassen und schließlich alle Schüler. Eine nennenswerte Protestfraktion dagegen gibt es nicht. Tschechien hat gewaltige Neuinfektions-Zahlen.

    Kilian Kirchgeßner, Prag

    Klare Linie in Frankreich

    In Frankreich verfolgt die Regierung eine klare Linie, die da heißt: Kindergärten und Schulen sollen zum Wohl der Kinder und deren Bildung möglichst komplett geöffnet bleiben. Aktuell findet nur in einem Teil der Oberstufenklassen Wechselunterricht statt. Alle anderen Stufen haben vollen Präsenzunterricht - mit klaren Hygiene- und Abstandsregeln, inklusive häufigem Lüften und Händedesinfizieren. Aber auch da gilt: Kann der Abstand nicht garantiert werden, hat der Unterricht Vorrang.

    Diese Strategie verfolgt Frankreich schon seit dem Sommer und hat sie auch durchgehalten, als die Infektionszahlen Anfang November auf fast 50.000 am Tag stiegen. Ein harter Lockdown hat die Neuinfektionen schließlich innerhalb von vier Wochen auf rund 10.000 am Tag gesenkt, was gezeigt hat, dass die vollständig geöffneten Schulen keine Pandemietreiber waren.

    Weil in Frankreich das sogenannte "Homeschooling" erlaubt ist, verfügt das Land schon länger über eine zentrale digitale Bildungsplattform, die im Frühjahr, als die Schulen geschlossen waren, für digitalen Unterricht genutzt wurde.

    Marcel Wagner, Paris

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