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Schulen sollen wohl geschlossen bleiben - Öffnung in Stufen | BR24

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Die meisten Schüler in Deutschland werden auch nach den Weihnachtsferien wohl daheim lernen müssen. Die Kultusminister der Länder beschlossen zwar einen Stufenplan zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs, verwiesen aber auf die noch hohen Corona-Zahlen.

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Schulen sollen wohl geschlossen bleiben - Öffnung in Stufen

Die meisten Schüler in Deutschland werden auch nach den Weihnachtsferien wohl daheim lernen müssen. Die Kultusminister der Länder beschlossen zwar einen Stufenplan zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs, verwiesen aber auf die noch hohen Corona-Zahlen.

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Von
  • Petr Jerabek
  • Vera Cornette

Die Entscheidung über das weitere Vorgehen an den Schulen nach den Weihnachtsferien sollen nach dem Willen der Kultusminister die Bundesländer selbst treffen. Sollte es die Corona-Lage in einzelnen Ländern zulassen, sei die Rückkehr der Schülerinnen und Schüler aus dem momentan praktizierten Distanzunterricht in Stufen möglich, heißt es in einem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK).

Zugleich verweisen die Minister aber auf die nach wie vor hohen Sieben-Tage-Inzidenzwerte und die "nicht sichere Einschätzung des Infektionsgeschehens" nach Weihnachten und Silvester. Daher müssten die im Dezember beschlossenen Maßnahmen - also Distanzunterricht oder die Aufhebung der Präsenzpflicht - unter Umständen "in Deutschland oder in einzelnen Ländern" fortgeführt werden.

Dass ältere Schüler (ab Klasse 7) weiterhin zuhause lernen sollen, scheint zwischen den Ministern unstrittig zu sein. Doch auch bei jüngeren Schülern wird es wohl überwiegend beim Distanzunterricht bleiben.

Am Dienstag wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CSU) und die Ministerpräsidenten der Länder über eine Verlängerung des Lockdowns über den 10. Januar hinaus und das weitere Vorgehen an Schulen beraten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte bereits am Sonntag gefordert, es dürfe "keine überstürzte Öffnung von Schulen und Kitas" geben.

"Grundschüler als erstes wieder in die Schule"

Die neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz und brandenburgische Bildungsministerin, Britta Ernst (SPD), betonte nach den Beratungen mit ihren Ressortkollegen die große pädagogische Bedeutung des Präsenzunterrichts für Schüler. "Wenn sich in den Ländern Spielräume für Lockerungen ergeben, sollen die Grundschülerinnen und Grundschüler bzw. die unteren Jahrgänge als erstes wieder die Schule besuchen können", forderte sie.

Die KMK warnt in ihrem Beschluss, dass ausgesetzte Präsenzpflicht beziehungsweise der Distanzunterricht in den Schulen über einen längeren Zeitraum "nicht ohne negative Folgen für die Bildungsbiographien und die soziale Teilhabe der Kinder und Jugendlichen" bleibe. Die Kultusminister "betonen daher die Bedeutung einer schnellen Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts an den Schulen in Abwägung mit Fragen des Gesundheitsschutzes".

Stufenplan der Minister

Die Rückkehr der Kinder und Jugendlichen an die Schulen soll laut KMK-Beschluss in drei Stufen erfolgen: In der ersten Stufe sollen zunächst nur die Jahrgangsstufen eins bis sechs Präsenzunterricht erhalten, während ältere Schüler im Distanzunterricht bleiben. In der zweiten Stufe sollen die Klassen ab Jahrgangsstufe 7 geteilt und im Wechsel in der Schule und daheim unterrichtet werden. Und erst in einer dritten Stufe soll es wieder für alle Schülerinnen und Schüler Präsenzunterricht geben.

Ausnahmen fordern die Kultusminister weiterhin für die Abschlussklassen, in Anlehnung an den Bund-Länder-Beschluss von Mitte Dezember. "Für die Abschlussklassen sollen mit Blick auf die Abschlüsse und Prüfungen weiterhin Ausnahmen vom Distanzunterricht möglich sein", betonte Ernst.

Bundesschülerkonferenz kritisiert Minister

Der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, zeigte sich enttäuscht über den Beschluss. Die Kultusminister seien mal wieder nicht in der Lage gewesen, klare zielführende Aussagen zu treffen, bemängelte er. "Der Frage, wie wir tatsächlich nächste Woche den Schulbetrieb aufnehmen, wurde konsequent aus dem Weg gegangen." Ungeklärt bleibe auch, wie mit Abschlussprüfungen umzugehen sei. "Das ist besonders für die Prüflinge eine weitere Geduldsprobe die nicht zu enden scheint."

Er hätte sich einen klaren Fahrplan gewünscht, betonte Schramm. Aber der KMK-Beschluss gebe nicht im geringsten einen klaren Kurs an. "Man hätte sich heute auch mit den dringenden Fragen beschäftigen müssen, wie man die Bildungsgerechtigkeit auch in dieser Zeit sicherstellt." Zu viele Schüler blieben derzeit auf der Strecke.

Kanzleramtschef warnt vor schneller Schul-Öffnung

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) warnte vor einer schnellen Wiederöffnung der Schulen. Auch in Schulen sei das Corona-Virus verbreitet worden, sagt er nach Informationen der Agentur Reuters aus Teilnehmerkreisen in der Sondersitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Man müsse sich fragen, ob es nicht vor allem durch die Schulen eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus gegeben habe.

Der Landesverband Bayern der Arbeiterwohlfahrt forderte dagegen, die Politik müsse mit "Verstand und Mut" Entscheidungen zur Rückkehr zum Schulunterricht treffen. AWO-Landeschef Thomas Beyer warnte, ein unbefristeter Total-Lockdown der Schulen sei "bildungspolitisch fatal, sozialpolitisch ungerecht und familienpolitisch eine nicht mehr zu schulternde unverhältnismäßige Zusatzbelastung".

Piazolo: Planungssicherheit für Schulen

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) bekräftigte im BR-Interview seine Position eines "vorsichtigen Weges": Es werde Distanzunterricht mit verschiedenen Tools, darunter auch Mebis, geben. Piazolo zeigte sich zuversichtlich, dass der Distanzunterricht besser funktionieren werde als vor den Weihnachtsferien.

Darüberhinaus sprach sich Piazolo für einheitliche Regelungen für ganz Bayern aus, statt je nach Inzidenz-Werte der Landkreise zu verfahren: "Der ständige Wechsel bringt Unruhe in die Schullandschaft. Es ist wichtig, gerade in den Schulen eine gewisse Planungssicherheit zu haben, und nicht von Woche zu Woche umzusteuern."

Grüne fordern Fahrplan für das restliche Schuljahr

Die bayerische Grünen-Landtagsfraktion fordert indessen verlässliche Vorgaben und einen "Fahrplan für das restliche Corona-Schuljahr". Die bildungspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, Gabriele Triebel, betonte, die Übertritts- und Prüfungsbedingungen müssten jetzt definiert und kommuniziert werden.

Eine belastbare Öffnungsstrategie für die Schulen mahnte FDP-Bildungspolitiker Matthias Fischbach an. Er forderte, dass sich sich Bayern an epidemiologischen Richtwerten und unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten orientiere.

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Wie geht es in Bayerns Schulen nach dem 10. Januar weiter? Bayerns Kultusminister Michael Piazolo kann sich beim Thema Schulöffnung einen bayerischen Sonderweg vorstellen.

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