BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Matthias Balk

Die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat heute Leitlinien zur SARS-CoV-2-Prävention vorgestellt, sollten die Schulen wieder geöffnet werden. Die Schulschließungen an sich werden bewusst nicht in dem Papier behandelt.

106
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Schulen öffnen, aber wie? Das empfehlen Experten

Die Infektionszahlen sinken, die Rufe nach Lockerungen werden lauter, vor allem an den Schulen. Wie das gelingen könnte, haben Wissenschaftler - auch aus Bayern - erarbeitet. Bundesbildungsministerin Karliczek hat die Empfehlungen heute vorgestellt.

106
Per Mail sharen
Von
  • Björn Dake

Für Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) ist das Ziel klar: "Wir wollen alle möglichst viel Präsenzunterricht bei möglichst großer Sicherheit." Dafür hat sie am Mittag in Berlin Leitlinien vorgestellt. Sie sollen nach den Worten der CDU-Politikerin Unsicherheiten vor Ort beseitigen. Denn häufig müssten die Verantwortlichen vor Ort auf eigene Faust entscheiden.

Mehr als 50 Fachleute haben die Empfehlungen entwickelt – unter Führung der Professorin Eva Rehfuess. Sie leitet den Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie betont bei der Vorstellung der Leitlinien, dass die Empfehlungen nur im Paket wirken und regional angepasst werden müssen.

Die Mediziner und die Vertreter von Behörden, Lehrern, Schülern und Eltern stützen sich auf etwa 40 internationale wissenschaftliche Studien zur Corona-Gefahr an Schulen.

Kleinere Klassen, Masken, Lüften

Die Fachleute geben insgesamt neun Empfehlungen ab:

  1. Kohorten: Klassen und Jahrgänge sollen je nach Infektionsgeschehen in feste Gruppen eingeteilt und getrennt unterrichtet werden. Zuerst sollten Grundschüler zum Präsenzunterricht zurück.
  2. Masken: je nach Infektionsgeschehen Alltagsmasken, OP-Masken oder FFP2, Ausnahmen in Grundschulen bei mäßigem Infektionsgeschehen
  3. Schulbus: mehr Busse und Bahnen; medizinische Masken bei hohem Infektionsgeschehen
  4. Musikunterricht: ohne Singen und Blasinstrumente
  5. Sport: im Freien; in der Halle mit Abstand, Hygiene und Lüften – aber ohne Maske.
  6. Krankheitssymptome: kein Präsenzunterricht bei Fieber, trockenem Husten, Bauchschmerzen, gestörtem Geruchs- oder Geschmackssinn; eine laufende Nase, gelegentlicher Husten oder Halskratzen gehören nicht dazu (wenn keine akute Atemwegsinfektion) .
  7. Verdachtsfälle: bei direktem Kontakt 14 Tage Quarantäne; Kontaktpersonen der zweiten Kategorie ohne Symptome sollen weiter am Präsenzunterricht teilnehmen; bei einem Corona-Fall in der Klasse sollen nur direkte Sitznachbarn in Quarantäne (wenn Masken getragen und Abstände eingehalten wurden).
  8. Lüften: Querlüften in den Pausen und alle 20 Minuten für 3 bis 5 Minuten.
  9. Luftreiniger: Mobile Geräte werden als Ergänzung empfohlen.

Kein Zeitpunkt für Schulöffnungen

Wann welche Maßnahmen greifen sollen, sagen die Fachleute nicht. Sie knüpfen ihre Empfehlungen nicht an konkrete Inzidenzzahlen, sondern sprechen etwas allgemeiner von geringem, mäßigen, hohen und sehr hohen Infektionsgeschehen. Einen Zeitpunkt für Schulöffnung nennen die Fachleute nicht. Bildungsministerin Karliczek betont: "Ich denke, es gibt Einigkeit, dass jetzt nicht die Zeit für leichtfertige Lockerungen ist."

Bundesweite Umsetzung fraglich

Wirklich neu sind diese Empfehlungen nicht. Viele Schulen setzen sie zumindest zum Teil schon um. Neu wäre aber, wenn sich alle Schulen in ganz Deutschland je nach Infektionsgeschehen an die Empfehlungen halten würden.

Das Wort "Empfehlungen" sagt es aber schon: Die Leitlinien sind für die Schulen nicht verbindlich. Bundesbildungsministerin Karliczek kann auch keinen direkten Einfluss nehmen. Ihr bleibt aus Berlin nur der Appell: "Wenn Schulen geöffnet werden, sollten die Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle insgesamt noch konsequenter ausfallen als in der Vergangenheit. Je konsequenter die Maßnahmen umgesetzt werden, desto mehr Schule wird möglich sein."

Länder legen eigene Stufenpläne vor

Die Länder haben sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie es im Lockdown weitergehen soll. Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Thüringen haben schon eigene Stufenpläne vorgelegt. In Bayern forderte heute Landtagspräsidentin Ilse Aigner von der CSU in einem Zeitungsinterview ein Szenario, welche Lockerungen bei bestimmten Inzidenzwerten möglich sind.

Bund und Länder werden übermorgen beraten, wie es mit dem Lockdown weiter geht. Das Thema Schule sorgt dabei traditionell für die intensivsten Diskussionen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!