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Schüler bewerten Lehrer - Aufregung um neue App | BR24

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Lehrer-App in Österreich

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Schüler bewerten Lehrer - Aufregung um neue App

Begleitet von Kritik ist in Deutschland und Österreich eine App zur Bewertung von Lehrern online gegangen. Auf "Lernsieg" können Schüler die Leistung ihrer Lehrer ähnlich wie bei anderen Bewertungsportalen mit bis zu fünf Sternen beurteilen.

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Kein Lehrerbashing, kein Mobbing, keine Beschimpfungen, sagt Benjamin Hadrigan, der die Idee zu einer Bewertungs-App für Lehrer hatte. Die erste Sicherheitsmaßnahme, die man getroffen habe: keine Kommentarfunktion.

"Wir etablieren damit eine Feedback-Kultur und Schülerinnen und Schülern bekommen so eine Stimme", sagt der 17 Jahre alte Ideengeber Benjamin Hadrigan. Die App heißt genauso wie das Buch Hadrigans, mit dem der Schüler bereits im Frühjahr bildungspolitisch für Aufsehen gesorgt hatte. In dem Buch spricht er über die Vorteile des Lernens auf Social-Media-Plattformen.

Bewertung nach österreichischem Notensystem

Mit der App solle alles in geordneten Bahnen verlaufen, sagt Hadrian dem ARD-Studio Wien. Jede Schülerin und jeder Schüler könne nur das jeweilige Lehrpersonal an der eigenen Schule bewerten, mit einer Bewertungsfunktion mit Sternen entsprechend der österreichischen Notenskala: fünf Sterne für sehr gut, ein Stern für nicht genügend. "Wir wollen den Durchschnitt zeigen. Selbst wenn ein Schüler einmal eine schlechtere Benotung geben sollte, die nicht gerechtfertigt ist, wird es das Gesamtbild nicht so verändern, dass der Lehrer auf einmal eine schlechte Benotung haben wird", erklärt Hadrigan, der am Montag volljährig wird.

Anmelden könne sich jeder per SMS-Verifizierung. Dabei werde jeder User anhand der Telefonnummer verifiziert. Als Kategorien gibt es unter anderem Fairness, Respekt, Motivationsfähigkeit, Geduld und Pünktlichkeit. In Österreich sorgte bereits die Ankündigung des von einer Medienagentur hoch professionell vorbereiteten Starts der "Lernsieg"-App für ein lebhaftes Echo. Die Gewerkschaft der Pflichtschullehrer will nach eigenen Angaben alle rechtlichen Schritte ausschöpfen, um gegen die App vorzugehen. Es gebe mit Blick auf den Datenschutz und den Schutz der Persönlichkeitsrechte Bedenken. Die Entwickler sehen sich aber gut gerüstet.

"Grundsätzlich haben wir schon im Vorfeld gewusst, dass es ein sehr heikles Thema wird. Daher verwenden wir ausschließlich jene Daten, die öffentlich zugänglich sind. Das heißt, wir haben ein Research-Team, die nichts anderes machen als die Webseiten der Schulen zu recherchieren und entsprechende Lehrernamen dort zu eruieren." Michael Rosenzweig-Steiner, App-Entwickler

Bayerischer Kultusminister kritisiert "Lernsieg"

Das sei nicht der richtige Weg, meint dagegen der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Mit Sternen Lehrerinnen und Lehrer zu bewerten, schaffe Misstrauen. Damit werde keine positive Wirkung erzielt.

"Eine solche Bewertung ist eben nicht förderlich für Vertrauen, sondern es ist besser, man sucht das Gespräch. Es gibt immer auch Möglichkeiten hier gemeinsam voranzukommen. Eine App, die öffentlich gestellt wird, wo Zensuren öffentlich verteilt werden, die halte ich nicht für gut." Michael Piazolo, bayerischer Kultusminister

Wer die App finanziert, die derzeit kostenlos herunterzuladen ist, sagt App-Erfinder Michael Hadrigan nicht. Er sei sehr dankbar, dass es Privatinvestoren gebe. Darunter befinde sich auch ein prominenter Investor, mit dem er ausgemacht habe, diesen nicht zu nennen. Jetzt befinde man sich erst einmal in einer Testphase und wisse nicht, ob und wie die App angenommen werde.