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© pa / dpa / Wolfram Steinberg

Ein junger Mann und eine junge Frau auf einem Motorroller

In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen laufen zwar schon seit 2013 Modellversuche zum Moped-Fahren ab 15 Jahren. Diese waren bisher aber bis Ende April 2020 befristet.

Modell-Länder ziehen positive Bilanz

Die Modell-Länder zogen eine positive Bilanz dieser Tests: "Wir haben bisher sehr gute Erfahrungen mit dem Führerschein mit 15 gemacht", sagte etwa Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD). Das Angebot sei von einer "überraschend großen Zahl" Jugendlicher angenommen worden und gerade auf dem Land bedeute der Moped-Führerschein für Jugendliche ein Mehr an Mobilität.

Höhere Gefahr von Unfällen bei Jugendlichen?

Verkehrsverbände wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat warnten allerdings, die Gefahr von Unfällen könne steigen, wenn das Mindestalter gesenkt werde. Man finde es "nicht gut, dass das Mindestalter für einen Moped-Führerschein gesenkt wird", sagte eine Sprecherin des Rates. Es gebe da "Anfängerrisiken", zudem hätten Jugendliche ein schlechteres Reaktionsvermögen. Eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen zum Führerschein mit 15 habe gezeigt, dass sich die Unfallzahlen verdoppelt hätten.

Führerschein ab 15 - Mobilität oder Risiko?

Auch die Deutsche Verkehrswacht sieht Probleme. Ein Sprecher sagte, Jugendliche seien im Straßenverkehr "durch fehlende Erfahrung und einer höheren Risikofreude besonders gefährdet". Bei einer flächendeckenden Einführung des Moped-Führerscheins ab 15 müsse man "äußerst kritisch" abwägen, ob die verbesserte Mobilität in einem vernünftigen Verhältnis zu den Risiken stehe.

Der ADAC will keinen "Flickenteppich"

Der ADAC hat diese Abwägung wohl schon getroffen. Eine Sprecherin des Verkehrsclubs sagte, mit der neuen Gesetzeslage lasse sich die Mobilität für Jugendliche auf dem Land erhöhen, man begrüße die Maßnahme daher. Allerdings wäre es wünschenswert, eine bundeseinheitliche Regelung zu finden, um einen "unübersichtlichen Flickenteppich" zu verhindern.

Der Bund überlässt den Ländern die Entscheidung

Ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte zu den Bedenken gegen den Kabinettsbeschluss, die Verkehrssicherheit müsse natürlich oberste Priorität haben. Es sei nun aber an den Ländern, zu bewerten, welche Auswirkungen die neue Regelung habe.

Bayern zeigt sich aufgeschlossen

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte heute gegenüber dem BR, dass der Freistaat wegen der möglichen Unfallgefahr nicht an den Modellversuchen zum Mopedfahren ab 15 teilgenommen habe. Nun sei man gegenüber dem Projekt aber prinzipiell aufgeschlossen: "Wir schauen uns jetzt an, was jetzt da in anderen Bundesländern die Erfahrungen sind", so Herrmann.