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Schmerzmediziner warnen: Millionen Patienten warten auf Hilfe | BR24

© picture-alliance/dpa

Es existieren deutschlandweit zu wenig Schmerzmediziner, um den Versorgungsbedarf zu decken.

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Schmerzmediziner warnen: Millionen Patienten warten auf Hilfe

3,4 Millionen Menschen leiden laut Verband der Schmerztherapeuten (BVSD) in Deutschland an chronischen Schmerzen. Besonders problematisch: Zwischen den ersten Symptomen und einer qualifizierten Behandlung liegen durchschnittlich vier Jahre.

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Dagmar Böhme aus Gröbenzell bei München hat einen jahrelangen Leidensweg hinter sich. Nach einer Rheuma-Diagnose und ungezählten Folge-Operationen konnte sie sich vor Schmerzen kaum noch bewegen. Ein Spaziergang: undenkbar. "Ich bin keine 50 Meter allein gekommen", sagt sie.

Zu wenig Schmerzmediziner für Versorgungsbedarf

Sie gehört zu den 3,4 Millionen Menschen, die unter starken chronischen Schmerzen leiden. Eine alarmierend hohe Zahl, die gerade vom BVSD - dem Verband der Schmerztherapeuten - im "Weißbuch Schmerzmedizin 2019" veröffentlicht wurde. Und: Es existieren deutschlandweit zu wenige Schmerzmediziner, um den Versorgungsbedarf zu decken: Nur etwa 350.000 Patienten mit schweren chronischen Schmerzen können derzeit pro Quartal versorgt werden.

Jahrelanges Irren durchs Gesundheitssystem

Besonders problematisch für die Betroffenen: Zwischen den ersten Symptomen und dem Beginn von qualifizierten schmerzmedizinischen Maßnahmen liegen im Bundesdurchschnitt vier Jahre. In Bayern sind es dreieinhalb Jahre. Eine lange Zeit, in der an ein normales Leben nicht zu denken ist. Auch Dagmar Böhme wird von einem Arzt zum anderen geschickt, soll Morphine und Opiate nehmen. Sie möchte einen Termin bei einem Schmerztherapeuten und wird immer wieder abgewiesen: In sechs bis zwölf Monaten gäbe es wieder Termine.

Drängendes Nachwuchsproblem

Das Nachwuchsproblem wirkt sich auf die schmerzmedizinische Versorgung in besonderem Maße aus. In fünf Jahren stünden 54 Prozent der heute tätigen Schmerzmediziner vor dem Ruhestand, warnt der BVSD-Vorsitzende Prof. Dr. Dr. Joachim Nadstawek.

Bundesgesundheitsministerium räumt Handlungsbedarf ein

Im Schmerzzentrum der Helios Klinik in Dachau hat Dagmar Böhme schließlich einen Termin bekommen. Ihr Schmerztherapeut Bernhard Arnold kämpft seit Jahren dafür, dass sich die Situation von Schmerzpatienten endlich bessert. Er weiß: Schmerzpatienten brauchen viel Zeit und sehr viel Zuwendung - das kostet Geld.

Das Bundesgesundheitsministerium erklärt auf Anfrage, dass es künftig eine höhere Zahl von Arztpraxen geben soll, die auf Schmerzmedizin oder Palliativmedizin spezialisiert sind. Dagmar Böhme hatte übrigens Glück im Unglück. Sie hat schließlich eine Schmerztherapie bekommen. Für viele andere geht die Suche aber weiter.