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Immer wieder verschmutzt ein Algenteppich das türkische Marmarameer. Durch die Erderwärmung vermehren sich die Algen schneller. Hinzu kommt ungefiltertes Abwasser. Umweltschützer sind besorgt.

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Schleimplage am Marmarameer: Experten fordern rasches Handeln

Der Anblick ist erschreckend und eklig zugleich: Vor der türkischen Millionenmetropole Istanbul treibt ein zäher Teppich aus graugrünem Schleim. Baden und Fischen ist unmöglich. Dass dringend gehandelt werden muss, hat nun auch die Politik erkannt.

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Von
  • Christian Buttkereit
  • Ines Schneider

Eine dickflüssige Grütze wabert an der Wasseroberfläche und lädt so gar nicht zum Baden ein: Das türkische Marmarameer ist von einer durch Algen ausgelösten Schleimplage befallen. Das Meer stehe unter hohem Stress, sagt Bayram Öztürk, Biologe bei der Türkischen Stiftung für Meeresforschung und Professor an der Universität Istanbul. Der Höhepunkt sei trotzdem "noch nicht erreicht". Er und weitere Experten fordern rasches Eingreifen der Politik.

Abwasser und Temperatur - Das Problem ist menschengemacht

Der Schleim ist Ausscheidungsprodukt mancher Algen und treibt an der Meeresoberfläche, aber auch darunter. Die Algen vermehren sich zum Beispiel durch höhere Temperaturen, sagt Ekin Akoglu, Meeresbiologe an der türkischen Odtü-Universität. Begünstigt würde die Schleimbildung aber auch durch unbehandeltes Abwasser, das direkt ins Meer abgelassen wird. Die Küste des Binnenmeeres ist dicht besiedelt. An ihr liegen neben der 16-Millionen-Metropole Istanbul etwa Großstädte wie Bursa.

Auch im nordägäischen Meer und im westlichen Schwarzen Meer breite sich der Schleim aus, sagt Öztürk. Er warne schon seit den Achtzigerjahren vor dem Meeresschleim. Bewirkt habe das bisher nichts.

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Ein Mann liegt auf einem Kanu, das am Ufer von Caddebostan im Wasser durch eine schleimigen Substanz schwimmt

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Die Luftaufnahme zeigt das Bostanci-Ufer, an dem mehrere Boote anliegen, die vom schleimigen Meeresrotz umgeben sind.

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Ein Arbeiter saugt Meeresschleim ab

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Mit Barrieren versuchen Arbeiter die Ausbreitung des Meeresschleims einzudämmen

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Eine riesige Masse Meeresschleim schwimmt auf dem Meer am Caddebostan-Ufer.

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Eine dicke Schicht von Meeresschleim bedeckt das Marmarameer am Fischerhafen von Kartal, auf der asiatischen Seite Istanbuls.

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Meeresschleim schwimmt auf dem Meer am Caddebostan-Ufer

Baden und Fischen: Beides ist unmöglich

Durch den Schleim fällt nicht nur das Baden aus. Fischer können ihre Netze nicht auswerfen, weil die entweder kaputt gehen oder zumindest stark verschmutzt und unbrauchbar werden. Negative Folgen habe der Schleim vor allem für Organismen, die auf dem Meeresboden leben - wie etwa Muscheln, deren Wachstum verlangsamt wird, wenn sie unter einer Schleimschicht liegen, so Akoglu.

Das Meer erstickt, Korallen sterben ab

Auch weiche Korallen könnten von Schleim bedeckt nicht ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen, nämlich das Wasser zu filtern. Auf lange Sicht sei besonders der negative Einfluss auf das Zooplankton, von dem sich viele Fische ernähren, fatal. Nimmt dessen Menge ab, würden auch die Fischpopulationen weniger. Öztürk warnt sogar vor einem Massensterben der Meereslebewesen.

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Meeresschleim: Die Plage im Marmarameer ist menschengemacht - und könnte fatale Konsequenzen haben.

Die Regierung will Meeresrotz absaugen

Auch der Regierung ist das Problem mit dem Schleim bewusst. Ein "Aktionsplan" wurde angekündigt. Absaugmaschinen, die auf Booten installiert sind, sollen helfen. Davon hält Öztürk allerdings wenig. Kurzfristig könne man den Schleim zwar mechanisch entfernen, sagt Akoglu.

Experte: Mehr als nur Symptombekämpfung nötig

Auf lange Sicht brauche es neben einer globalen Klimapolitik, die dem Temperaturanstieg entgegen wirke, eine bessere Verarbeitung von Abwasser in der Türkei. Öztürk fordert zudem ausgewiesene Schutzzonen, durch die sich das Meer und seine Bewohner erholen könnten sowie mehr Forschung, um dem Problem auf den Grund zu gehen.

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