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Urteil: Cathy Hummels macht keine Schleichwerbung | BR24

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Klage gegen Cathy Hummels wegen Schleichwerbung abgewiesen

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Urteil: Cathy Hummels macht keine Schleichwerbung

Cathy Hummels macht keine Schleichwerbung – das hat das Münchner Landgericht entschieden. Die Begründung: Ihr Instagram-Account habe einen für jeden ersichtlichen kommerziellen Zweck. Influencer dürften genauso wie Printmedien auf Produkte hinweisen.

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Die Vorsitzende Richterin Monika Rhein am Landgericht München I begründete ihr Urteil damit, dass der Instagram-Account der Ehefrau von FC-Bayern-Spieler Mats Hummels eindeutig als kommerziell zu erkennen sei. Bei 485.000 Followern sei klar ersichtlich, dass es sich nicht um eine Kommunikation unter Freunden handeln könne.

Hummels' Instagram-Account eindeutig kommerziell

Weiter führte sie aus, dass die Beklagte einen verifizierten Account habe und dieser auch öffentlich sei. Würde sich Hummels auf der Plattform nur mit Freunden unterhalten, hätte sie den Account auch nicht-öffentlich machen können.

Werbemaschinerie mit gleichen Rechten wie Printmedien

So ist laut Richterin insgesamt klar, dass es sich bei dem Profil um eine Werbemaschinerie handle. Man könne, sagte die Richterin, Influencer wie Cathy Hummels nicht anders behandeln als Printmedien, die auf ihren Online-Seiten ebenfalls Verlinkungen zu Firmen vornehmen.

Der klagende "Verband sozialer Wettbewerb" hatte Hummels vorgeworfen, auf ihrem Account Links zu von ihr getragenen Kleidungsstücken zu setzen, in 15 Fällen ohne den Zusatz "bezahlte Partnerschaft" zu verwenden. Nach Angaben von Hummels habe es aber in 14 dieser Fälle keine Gegenleistungen der Kleidungsfirmen gegeben. Noch ist unklar, ob der Verband sozialer Wettbewerb gegen das erstinstanzliche Urteil vorgehen wird. Cathy Hummels und die Kläger waren beim Urteil nicht anwesend.

💡 Was macht ein Influencer?

Influencer sind Leute, denen viele Menschen in sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Instagram folgen und die hohes Ansehen bei diesen genießen. Dadurch können sie diese Follower beeinflussen (englisch "to influence"), wenn sie beispielsweise über bestimmte Marken oder Produkte berichten.

Kehrtwende möglich

Die Vorsitzende Richterin hatte bereits in der Verhandlung im Februar deutlich gemacht, dass sie das Berufsbild von Influencern zwar nicht besonders respektiere, Postings und Verlinkungen ohne Gegenleistung jedoch nicht illegal seien. Die Landgerichte in Berlin und Osnabrück hatten zuvor Werbung ohne entsprechende Kennzeichnung in Social-Media-Kanälen noch als illegal bewertet.

Mehrere Werbeverträge mit Modefirmen

Hummels hat Werbeverträge mit mehreren Modefirmen. Diese Beiträge kennzeichnet die frühere Moderatorin dementsprechend als "bezahlte Partnerschaft". Der Verein hatte sie wegen 15 Postings verklagt, bei denen dieser Hinweis fehlte. Im Juli hatte Hummels in einem dieser Fälle eine Abmahnung akzeptiert, in den übrigen Fällen aber wollte sie die Sache bis zum Ende ausfechten.

Die Vorsitzende Richterin hatte auch durchblicken lassen, dass sie Zweifel an der Argumentation der Kläger hat. In traditionellen Medien seien Hinweise auf Produkte erlaubt, und den Followern sei klar, dass es sich bei Hummels' Instagram-Account um keine private, sondern eine kommerzielle Aktivität handle.

"Dass Frau Hummels – bei aller Liebe – nicht mit 465.000 Menschen auf der Welt befreundet sein kann, ist ziemlich klar." Die Vorsitzende Richterin Monika Rhein

Rechtslage weiterhin unsicher

Doch auch nach dem Münchner Urteil bleibt die Rechtslage ungeklärt: Denn parallele Klagen gegen die Influencer-Kolleginnen Pamela Reif vor dem Landgericht Karlsruhe und Vreni Frost vor dem Landgericht Berlin hat der Verband Sozialer Wettbewerb gewonnen. Eine obergerichtliche Entscheidung gibt es bisher nicht. Das Verfahren stößt keineswegs nur in der Instagram-Gemeinde auf Interesse. Denn der Prozess berührt die Frage, ob Prominente überhaupt Produkte oder Dienstleistungen aus freien Stücken empfehlen dürfen, ohne dabei Abmahnungen zu riskieren.