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Schäuble im BR-Interview: Corona als Stresstest für Demokratie | BR24

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Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble nennt die Corona-Krise einen Stresstest für die Demokratie. Man brauche Geduld, um da durchzukommen. Im B5-Interview der Woche verrät er außerdem, wie er in Videokonferenzen vorgeht.

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Schäuble im BR-Interview: Corona als Stresstest für Demokratie

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble nennt die Corona-Krise einen Stresstest für die Demokratie. Man brauche Geduld, um da durchzukommen. Im B5-Interview der Woche verrät er außerdem, wie er in Videokonferenzen vorgeht.

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Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) ist froh, dass endlich wieder Sitzungswoche ist. Die parlamentarische Pause in Berlin war zwar nicht dem Coronavirus geschuldet, sondern den Osterferien. Aber durch die zusätzlichen Kontaktbeschränkungen habe auch er sich darauf gefreut, im Bundestag wieder unter Menschen zu sein, sagt Schäuble im B5-Interview der Woche.

Parlament funktioniert – trotz und wegen Corona

Die Pandemie verlangt auch dem Deutschen Bundestag viel ab. Gesetze im Eilverfahren beraten, Milliardenhilfen beschließen und Abstand halten – eine solche Zeit hat auch Wolfgang Schäuble noch nicht erlebt. Er ist seit 1972 Mitglied des Deutschen Bundestags und weiß daher, wovon er spricht.

Die Corona-Krise sei ein "gewisser Stresstest für die Demokratie", sagt Schäuble. Aber im Gegensatz zu anderen Ländern "zeigen wir, dass wir es gut können". Die Debatte im Parlament sei wichtig. Keine Videokonferenz ersetze die Auseinandersetzung und den Streit, der nötig sei.

Die Fraktionssitzung der Union habe in der vergangenen Woche digital stattgefunden. "Das geht auch", sagt Schäuble, "wobei mir eine richtige Fraktionssitzung doch noch lieber ist". Bei Videokonferenzen schalte er in der Regel die Kamera ab, weil er, so der Parlamentspräsident mit einem Lächeln, "den anderen meinen Anblick auch gar nicht zumuten will".

Lockerungen sind komplizierter als alles dicht zu machen

Wolfgang Schäuble verspricht, dass alle Beschränkungen für die Bürger aufgehoben würden, sobald es die Situation zulasse. Das Parlament überprüfe die Maßnahmen der Regierung regelmäßig. Aber, das gibt der Bundestagspräsident offen zu, "der Weg der Lockerungen ist fast komplizierter als der erste Weg, alles dichtzumachen".

Dies sei für die Politik ein schwieriger Abwägungsprozess. Man könne nicht ein Jahr lang wirtschaftlich alles herunterfahren. Die Menschen brauchen Geduld, sagt Schäuble. Rücksicht zu nehmen bedeutet für den 77-jährigen Christen auch, demütig zu sein. Er hoffe persönlich, bald wieder einen Gottesdienst besuchen zu können. Die Krise zeige doch, dass die menschliche Fähigkeit begrenzt sei.

Nach Corona könnte die Gesellschaft menschlicher sein

Die Deutschen seien in allem, was sie glauben zu können, gefährdet, sagt Schäuble. In wenigen Tagen jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum fünfundsiebzigsten Mal. Schäuble mahnt, Deutschland habe mit dem Holocaust den Abgrund erreicht. Die Gesellschaft war am Tiefpunkt angelangt, weil die Menschlichkeit fehlte. Wenn die Erfahrung einer Krise helfen könne, die eigenen Gefährdungen zu erkennen, "dann stärkt das die Demut, und es macht uns am Ende menschlicher und die Gesellschaft stärker".

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