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Thomas Spickhofen, ARD-Korrespondent in London

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"Sausage-War": Wurstkrieg zwischen Großbritannien und der EU

Nach dem Brexit hatte Großbritannien versprochen, die Ausfuhr von Lebensmitteln nach Nordirland zu kontrollieren. Doch die Briten halten sich nicht daran. Sie finden die EU zu "penibel" und sprechen von einem "Würstchenkrieg".

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Von
  • Regina Wallner
  • Thomas Spickhofen
  • B5 aktuell

Britische Blätter schreiben von einem drohenden "Sausage War", einem Würstchenkrieg. Konkret geht es um die Kontrolle von Hackfleisch, das vom britischen Kernland nach Nordirland eingeführt wird. Weil Nordirland im Prinzip weiter zum EU-Binnenmarkt gehört, muss das Fleisch ab Juli bei der Einfuhr kontrolliert werden. Dazu ist Großbritannien seit seinem Austritt aus dem Binnenmarkt Ende Januar verpflichtet.

"Die EU möchte das Vereinigte Königreich bestrafen und nutzt Nordirland als Spielball." Edwin Poots, Chef der nordirischen Regierungspartei DUP

Britische Regierung hat Kontrollen kurzfristig ausgesetzt

Die Kontrollen sollten stufenweise eingeführt werden. Allerdings hat die britische Regierung kurzfristig und einseitig einen Teil davon ausgesetzt. Die britische Seite findet, dass sich die EU übertrieben bürokratisch und penibel verhält. In London verweist man darauf, dass beide Seiten im Nordirland-Protokoll des Austrittsvertrages von 2019 versprochen haben, den Warenfluss nach Nordirland nach bestem Bemühen sicherzustellen.

Ab 1. Juli müssten auch Hackfleisch und Würstchen kontrolliert werden. Der britische Agrarminister George Eustice sieht das skeptisch. Seiner Meinung sei es unmöglich, sich daran zu halten. Dabei gehe es nicht um den zusätzlichen Papierkram, sondern dass die EU ein regelrechtes Exportverbot von Fleisch verhängt habe, so Eustice.

"Den Verkauf von Würstchen, die in Großbritannien produziert wurden, in Nordirland zu verbieten - das ist doch völliger Quatsch." George Eustice, Britischer Agrarminister

EU will ihren Binnenmarkt schützen

Die EU pocht darauf, dass Großbritannien die zugesagten Kontrollen aufbaut. Sie will damit ihren EU-Binnenmarkt vor Einfuhren schützen, die nicht ihren Qualitätsstandards entspricht.

Britischen Medienberichten zufolge umfasst die Problemliste der zuständigen gemeinsamen Arbeitsgruppe zur Zeit 30 Themen. Von der Mehrwertsteuer auf Gebrauchtwagen über Haustiertransporte bis hin zu Lebensmitteleinfuhren. Nur in zwei dieser 30 Punkte habe es zuletzt Fortschritte gegeben, heißt es aus den britischen Medien.

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