Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Saudi-Arabien: Anstandskatalog für Touristen | BR24

© REUTERS/Ahmed Yosri

Vorstellung des neuen Touristenvisum in Diriyah, einem Stadtbezirk von Riad und Weltkulturerbe

6
Per Mail sharen
Teilen

    Saudi-Arabien: Anstandskatalog für Touristen

    Nach der Ankündigung, sich mehr für Touristen zu öffnen, hat Saudi-Arabien Verhaltensregeln erlassen: Vordrängeln ist demnach ebenso verboten wie unanständige Kleidung und die Zurschaustellung gegenseitiger Zuneigung.

    6
    Per Mail sharen
    Teilen

    Saudi-Arabien will künftig mehr internationale Touristen anziehen - allerdings müssen diese bei einem Besuch mit hohen Geldstrafen rechnen, sollten sie sich nicht an Regeln zum Verhalten in der Öffentlichkeit halten. Nach dem Start eines neuen Visa-Systems für Urlauber aus 49 Ländern hat das Innenministerium des strengkonservativen muslimischen Königreichs einen Katalog erstellt, der 19 mögliche Verstöße auflistet. Die Höhe der Bußgelder reicht von umgerechnet etwa zwölf Euro bis 1500 Euro.

    Kopftuch muss nicht sein

    Untersagt ist etwa die Zurschaustellung gegenseitiger Zuneigung sowie das Tragen unanständiger Kleidung. Schon zuvor hatten die Behörden in Riad erklärt, dass für ausländische Besucherinnen jedoch nicht die strikten Kleidungsvorschriften gelten, an die sich Einheimische halten müssen. Touristinnen müssten weder ein langes Gewand, die Abaja, noch ein Kopftuch tragen. Allerdings sind enge Hemden und Hosen genauso untersagt wie für Frauen freie Schultern oder Knie.

    Spucken und Vordrängeln ist verboten

    Nach dem neuen Katalog ist es auch verboten, zu spucken, sich vorzudrängeln oder Müll auf die Straße zu werfen. Fotos oder Videos von Leuten dürfen nicht ohne Erlaubnis gemacht werden, es darf auch keine Musik während der Gebetszeiten gespielt werden. Alkohol bleibt illegal. Unklar ist, ob unverheiratete Männer und Frauen gemeinsam in ein Hotelzimmer dürfen.

    Riad will unabhängiger vom Ölhandel werden

    Saudi-Arabien hatte das neue Visa-System am Freitag bekanntgegeben. Es soll Reisenden aus den EU-Staaten, aus den USA und anderen Ländern unter anderem ermöglichen, online ein Touristen-Visum zu beantragen. Besucher aus diesen Ländern erhalten ihr Visum künftig gegen eine Gebühr von umgerechnet fast 110 Euro direkt bei der Ankunft etwa am Flughafen.

    Mit der neuen Regelung erhofft sich das Land mehr Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft. Bis 2030 soll dessen Beitrag am Bruttoinlandsprodukt von derzeit drei auf zehn Prozent steigen. Die Zahl der Besucher aus dem Ausland soll sich bis dahin auf jährlich 100 Millionen mehr als verdoppeln. Besucher dürfen nach offiziellen Angaben 90 Tage am Stück im Land bleiben.

    Nach eigener Aussage will Riad seine Abhängigkeit vom Ölhandel reduzieren. Im Zuge des Programms "Vision 2030" plant das Königreich einen Umbau seiner Wirtschaft. Der Tourismussektor soll dabei ein wichtiger Baustein sein.

    Ausnahmen Mekka und Medina

    Trotz der Öffnung nach außen bleiben bestimmte Orte für Besucher weiter verschlossen. So ist nicht-muslimischen Gästen der Besuch der für Muslime heiligen Stätten Mekka und Medina verboten.

    Bisher ist das Land für Touristen schwer zugänglich. Visa werden gewöhnlich nur für kurze Geschäftsreisen, islamische Pilgerreisen oder Besucher mit Angehörigen in dem Wüstenstaat vergeben. Touristen konnten in der Vergangenheit jedoch schon in organisierten Reisegruppen und mit vorherigem Visum einreisen.