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"Sardinen" mischen Italien auf | BR24

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Zu den Aktionen der "Sardinen", die zum Protest gegen Italiens Rechtspopulisten aufrufen, kommen Zehntausende. Heute wollen sie in Rom demonstrieren - und sich mit Salvinis Anhängern messen.

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"Sardinen" mischen Italien auf

Zu den Aktionen der "Sardinen", die zum Protest gegen Italiens Rechtspopulisten aufrufen, kommen Zehntausende. Heute wollen sie in Rom demonstrieren - und sich mit Salvinis Anhängern messen.

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Drei-Tage-Bart, die dunklen Locken mit einem Haarreif nach oben gedrückt und um den Mund ein tiefenentspanntes Lächeln. Mattia Santori wirkt vor der versammelten Auslandspresse in Rom, als könnte er gleich ein Frisbee herausholen und in die Runde werfen. Freizeitsportarten zu unterrichten war bis vor ein paar Wochen ein Job des 32 Jahre alte Energieberaters und Sportlehrers aus Bologna - bis er gemeinsam mit einer Handvoll Freunden die sogenannte Sardinen-Bewegung erfand.

Für heute organisiert Santori im Zeichen der Sardine eine Demonstration, die eine der größten der vergangenen Jahre in Italien werden könnte - auch wenn er selbst abwiegelt.

"Das Schöne an den Veranstaltungen der Sardinen ist, dass du bis eine Minute vorher nicht weißt, ob 1000 Menschen kommen, 100 oder 100.000." Mattia Santori

Aus Ärger über Salvini wurde eine Bürgerbewegung

Entstanden ist die Graswurzel-Bewegung, die dabei ist, Italiens Politik aufzumischen, vor etwas mehr als vier Wochen. Santori ärgerte sich darüber, dass Matteo Salvini, der Führer der rechten Lega, sich im traditionell roten Bologna anschickte, die größte Sporthalle der Stadt zu füllen.

Gemeinsam mit seinen Wohnungsnachbarn Andrea Garreffa, einem Organisator von Fahrradreisen, dem Ingenieur Roberto Morotti und der Physiotherapeutin Giulia Trappoloni mobilisierte er über soziale Netzwerke einen Gegenprotest.

Eng wie die Sardinen sollten die Menschen auf dem zentralen Platz Bolognas zusammenstehen gegen Populismus und Intoleranz - 12.000 Menschen kamen. Reden waren nicht erlaubt, auf gebastelten Papp-Sardinen durften Protestparolen in die Höhe gereckt werden. Gesungen wurde spontan - die antifaschistische Partisanenhymne "Bella Ciao".

In den Wochen danach schwappte die "Sardinen"-Bewegung durchs Land, in fast allen großen Städten Italiens gingen Menschen auf die Straße - zuletzt 40.000 in Mailand. "Besser Tausende Sardinen heute, als einen Salvini morgen", war auf einem Protestschild zu lesen. Heute in Rom adelt sich die "Sardinen"-Initiative mit ihrer wahrscheinlich bislang größten Kundgebung endgültig zur nationalen Protestbewegung.

"Gegen die geschrieene Politik" der Populisten

Christian Blasberg, Dozent für Politische Geschichte an der römischen Universität Luiss, sagt über die "Sardinen": "Es geht darum, eine gewisse Moral und einen gewissen Stil in das Land zurückzubringen. Diese Bewegung wendet sich gegen die sogenannte geschrieene Politik - das heißt gegen diejenigen, die mit populistischen Tönen in den letzten Jahren die italienische Politik bestimmt haben."

Die Gegner einer Rechtswende in Italien, die sich von den Parteien nicht ausreichend vertreten fühlen, scheinen in der Sardinen-Bewegung ein Ventil zu finden.

Der Populismus, kritisiert Santori, der Frisbee-unterrichtende Demoorganisator, habe dazu beigetragen, das politische Klima in Italien zu vergiften. Als Beispiel nennt er Parolen Salvinis und seiner rechten Lega.

"Jeder von uns wird begreifen, dass der Slogan "Die Italiener zuerst" das Problem der Einwanderung nicht lösen kann. Dass die Slogans über den Euro nicht die wirtschaftlichen Probleme lösen. Lasst uns das den Menschen erklären, dass es eine Komplexität der Politik gibt, die gesucht und belohnt werden muss." Mattia Santori