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Sanierungsprogramm: Scheuer und die 1.000-Bahnhöfe-Inititiative | BR24

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Der Kaiserbahnhof an der Bahnstrecke Berlin - Görlitz.

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    Sanierungsprogramm: Scheuer und die 1.000-Bahnhöfe-Inititiative

    Verkehrsminister Scheuer hat weitere Maßnahmen vorgestellt, um Bahnhöfe attraktiver zu machen. Im Koalitionsvertrag war das sogenannte 1.000-Bahnhöfe-Programm vereinbart worden. Doch ein massives Ungleichgewicht bei den Sanierungsobjekten verwundert.

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    Von
    • Kai Küstner
    • BR24 Redaktion

    Der Bundesverkehrsminister startete seine Pressekonferenz mit einer – wie er selbst zugeben musste – nicht eben neuen Erkenntnis: "Jede Zugfahrt beginnt und endet am Bahnhof. Das ist für jeden eigentlich bekannt", stellte Scheuer fest.

    Wenn das aber nun mal so ist und zunehmend Menschen vom Umstieg auf die Schiene überzeugt werden sollen, dann kann das Ziel nur lauten: Beginn und Ende einer Reise angenehmer zu gestalten.

    Attraktivität und Sicherheit an Bahnhöfen muss verbessert werden

    "Die Fahrgäste wünschen sich zu Recht moderne, saubere und barrierefreie Bahnhöfe, in denen sie sich wohl und sicher fühlen", sagt der CSU-Politiker wörtlich. Dafür soll unter anderem ein Programm mit dem Namen "Bahnhofskonzept Plus" sorgen. Dieses Programm sieht zum Beispiel vor, 111 kleinere Bahnhöfe in Deutschland durch den Bau von Rampen und Aufzügen barrierefrei zu machen. Denn dass es an zahlreichen Stationen und auch auf den Parkplätzen davor Handlungsbedarf gibt, leugnet auch der Verkehrsminister nicht.

    "Wenn man sich einen normalen Park&Ride-Platz anschaut, dann ist dieser oft zugewachsen, die Müllkörbe quellen über", sagt Scheuer. Nicht einmal Ladesäulen gebe es dort. Jeder habe "Bedenken, dort sein Designer-Elektrorad abzustellen über den Tag. Das soll der Vergangenheit angehören."

    Plan über - sagt Scheuer, Grüne sprechen von Förder-Dschungel

    Rechnet man alle Initiativen zusammen, kommt man nach Angaben Scheuers auf eine Summe von mehr als fünf Milliarden Euro für mehr als 3.000 Bahnhöfe. Das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel sei damit übererfüllt. Doch genau diese Unübersichtlichkeit unterschiedlicher Fördermaßnahmen kritisiert der grüne Verkehrspolitiker Matthias Gastel im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio: "Wir brauchen eine wirkliche Offensive für die Sanierung und den barrierefreien Umbau von Bahnhöfen. Dazu braucht es klar Zuständigkeiten und nicht einen Dschungel an Förderprogrammen und Aktionen."

    Massives Ungleichgewicht in der Sanierungsausrichtung

    Der FDP-Politiker Torsten Herbst begrüßt das 1.000-Bahnhöfe-Programm grundsätzlich. Er wundert sich aber unter anderem darüber, dass die GroKo drei Jahre gebraucht habe, um sich auf jene Stationen zu einigen, die nun anheimelnder werden sollen. Und: "Die Mittel, die bisher ausgelobt wurden, fließen zu einem großen Teil nach Bayern, während andere Bundesländer komplett leer ausgehen." In der Liste der kleineren Bahnhöfe, die barrierefrei umgebaut werden sollen, finden sich etwa 25 Stationen aus Bayern, aber nur zwei aus Sachsen, eine aus Thüringen.

    Scheuer lässt Kritik an sich abperlen

    Verkehrsminister Scheuer will die Kritik nicht gelten lassen: Bundesweit werde modernisiert, aus der Opposition heraus sei es immer leicht, sich mehr zu wünschen.

    Die Bundesregierung übrigens will bei ihrem Ziel bleiben, die Zahl der Bahnpassagiere im Fernverkehr bis zum Jahr 2030 zu verdoppeln, wie der Staatssekretär im Verkehrsministerium Enak Ferlemann jetzt noch einmal bekräftigte: "Das heißt, von 130 Millionen Passagieren auf 260 Millionen pro Jahr zu kommen. Dafür braucht man Bahnhöfe, in denen man – wie der Minister zu Recht gesagt hat – abfährt oder ankommt."

    Von diesen Start- und Endpunkten einer jeden Zugreise – sprich: Bahnhöfen - gibt es in Deutschland rund 5.700. Sich dort lange aufzuhalten, dafür gibt es bei vielen von ihnen bislang wenig Anreiz.

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