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Salvinis Absturz in der Corona-Pandemie | BR24

© Picture Alliance/Roberto Monaldo/Lapress

Lega-Chef Matteo Salvini.

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    Salvinis Absturz in der Corona-Pandemie

    Seit Beginn der Corona-Krise zeigen Umfragen, dass die pragmatische Politik von Ministerpräsident Conte bei italienischen Wählern gut ankommt. Für die Pöbeleien von Lega-Chef Salvini bleibt da kein Platz mehr.

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    Von
    • Jörg Seisselberg

    Er ist noch da. Aber seine Bühne ist kleiner geworden. Im Programm eines sizilianischen Regionalsenders wetterte Lega-Chef Matteo Salvini diese Woche gegen die wieder wachsende Zahl ankommender Migranten in Italien: "Die Ankünfte über das Mittelmeer haben sich vervierfacht im Vergleich zum vergangenen Jahr. Ich erwähne das nicht, um zu sagen, wie gut ich als Minister war. Ich sage das, weil ich als italienischer Bürger besorgt bin."

    Migration, Sicherheit – nach wie vor die Leib-und-Magen-Themen des Führers der rechten Lega. Aber in Zeiten von Corona dringt Salvini damit nicht mehr durch.

    Salvinis Lega-Partei rutscht auf unter 25 Prozent

    Vor einem Jahr schwamm Salvini auf einer Zustimmungswelle, wurde zur Ikone der europäischen Rechten. In Umfragen kam der 47-Jährige in Italien auf rund 50 Prozent persönliche Zustimmung, seine Lega hievte er auf 35 Prozent. Jetzt ist die Rechtspartei auf unter 25 Prozent abgestürzt, persönlich findet Salvini bei nicht einmal mehr jedem dritten Italiener noch Zustimmung.

    Der Lega-Chef sei ein Verlierer der Coronakrise, urteilt Roberto Weber, Chef des Umfrageinstituts Ixé: "Die vergangenen zwei Monate, geprägt von Covid-19, haben wenig Raum gelassen für eine propagandistische Erzählung von Politik. Es gibt unter den Wählern eine größere Nachfrage nach einer Politik, die wirksam eingreift."

    Weber gilt als Vater der italienischen Demoskopie, seit 40 Jahren versorgt er unter anderem die Fernsehsender der RAI mit Analysen. Die Erhebungen seit Beginn der Coronakrise zeigten, dass unter anderem Ministerpräsident Conte profitiert, ähnlich wie Regierungschefs in anderen Ländern, Salvini dagegen nicht mehr ankommt.

    "Die Tatsache ist, dass er immer auf Attacke, auf Angriff auf die Regierung gesetzt hat, und das nicht mehr funktioniert", sagt Weber. In der Krise sei der Führer der Regierung Orientierungspunkt für die öffentliche Meinung. "Da werden Attacken steril. Und deswegen haben wir für Salvini dieses klare Element der Verluste."

    Thema Migration zieht nicht mehr

    Innerhalb weniger Monate 20 Prozentpunkte Einbußen an persönlicher Zustimmung – Salvinis Absturz, sagt Weber, sei ein ungewöhnlich heftiger. Weil das Migrationsthema für den Lega-Führer nicht mehr funktioniert, versucht er sich aktuell an die Proteste zum Beispiel von Gastronomen ranzuhängen, die in der Coronakrise eine schnellere Wiederöffnung von Restaurants und Cafés fordern.

    "Wir werden alle kostenlos unterstützen, die jetzt wegen ihrer Proteste im ganzen Land Strafen bekommen haben und dagegen Einspruch einlegen", so der Lega-Chef. "Weil wir es für unmoralisch und ungesetzlich halten, diejenigen zu bestrafen, die um nichts anderes bitten, als zur Arbeit zurückzukehren. "

    Salvinis Ton ist in den vergangenen Tagen etwas weniger scharf geworden. Anders als früher tritt er jetzt nicht nur mit seriöser neuer Brille, sondern schon mal im grauen Anzug auf.

    Genutzt hat es ihm in den Umfragen nicht. Auch, sagt Meinungsforscher Weber, weil Salvinis Kommunikation in seinem hochgelobten Social-Media-Netz, vom Kreis seiner Anhänger abgesehen, weniger verfängt als zu Regierungszeiten. Als der Lega-Chef noch Innenminister war, schalteten sich schon mal Nachrichten- und Talksendungen in seine Facebook-Live-Auftritte.

    Berlusconi-Effekt nicht zu erwarten

    Das ist vorbei. Schon vor der Coronakrise gingen sein Beliebtheitswerte zurück. Und Weber, mit seiner 40-jährigen Erfahrung im Demoskopengeschäft, hat Zweifel, dass Salvini noch mal in alte Umfragehöhen kommen kann: "Ich habe nur einen erlebt, der nach einem Absturz so stark wie vorher zurückgekommen ist. Das war Berlusconi. Der konnte sich aber auf seine Medienmacht stützen. Salvini hat keine vergleichbare Kraft. Daher schätze ich seine Fähigkeiten, auf sein vorheriges Niveau zurückzukehren, als sehr schwierig ein."

    Bedenklich für Salvini: Parallel zu seinem Absturz in der Coronakrise ist ein anderer Lega-Mann aufgestiegen. Luca Zaia ist derzeit zweitbeliebtester Politiker Italiens. Der Präsident der Region Venetien hat gepunktet unter anderem mit seinem Krisenmanagement in der Corona-Pandemie.

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