| BR24

 
 

Bild

Der inhaftierte Filmemacher Oleg Senzow aus der Ukraine macht in einem Gericht mit der linken Hand das Victory-Zeichen.
© dpa-Bildfunk
© dpa-Bildfunk

Der inhaftierte Filmemacher Oleg Senzow aus der Ukraine macht in einem Gericht mit der linken Hand das Victory-Zeichen.

Oleg Senzwow macht das Victory-Zeichen im Gerichtssaal

Oleg Senzwow macht das Victory-Zeichen im Gerichtssaal

Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit geht in diesem Jahr an den ukrainischen Filmemacher Oleg Senzow. Mit dem Preis ehrt das Europäische Parlament besonderes Engagement für Menschenrechte.

20 Jahre Gefängnis für Senzow

Senzow hatte sich gegen die 2014 erfolgte völkerrechtswidrige Annexion seiner Heimat, der ukrainischen Halbinsel Krim, durch Russland engagiert. Daraufhin wurde er wegen angeblich geplanter Terroranschläge von einem russischen Gericht zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Berichten zufolge befindet er sich derzeit in einem Straflager in Sibirien.

Senzow ist nach einem mehrmonatigen Hungerstreik in einer Strafkolonie gesundheitlich so angeschlagen, dass er in Lebensgefahr schwebt. Mit der Protestaktion wollte er erreichen, dass alle in Russland inhaftierten politischen Gefangenen aus der Ukraine freigelassen werden.

Senzow wurde 1976 in Simferopol auf der Halbinsel Krim geboren, studierte in den 1990-er Jahren Wirtschaft in Kiew und belegte später Regiekurse in Moskau. In Simferopol betrieb er einen Computerclub, der auch zum Gegenstand seines ersten und einzigen Filmes "Gamer" 2011 wurde. Sein zweites Filmprojekt trägt den Titel "Nashorn".

Nominiert wurde Senzow von der konservativen EVP-Fraktion im Parlament, der unter anderem CDU und CSU angehören. Neben Senzow waren auch der marokkanische Regierungskritiker Nasser Zefzafi und eine Gruppe verschiedener Organisationen nominiert, die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer aus Seenot retten. Im vergangenen Jahr wurde die venezolanische Opposition geehrt.

Engagement für Menschenrechte

Das Europäische Parlament verleiht den Sacharow-Preis seit 1988 jährlich und ehrt damit besonderes Engagement für Menschenrechte. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 12. Dezember verliehen. Dass Russland den inhaftierten Preisträger dazu ausreisen lässt, gilt als unwahrscheinlich.

Der Sacharow-Preis erinnert an den sowjetischen Physiker, Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Andrei Sacharow (1921-1989). Unter den früheren Preisträgern waren der saudiarabische Blogger Raif Badawi, der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela, der Vater des Prager Frühlings, Alexander Dubcek, sowie die jesidische Aktivistin Nadia Murad und der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege.