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Saarland startet Modell: Verhaltene und vorsichtige Öffnungen | BR24

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Bildrechte: picture alliance/dpa | Oliver Dietze

Seit heute ist es im Saarland wieder erlaubt ins Fitnessstudio oder ins Theater zu gehen sowie im Außenbereich von Gastronomien zu essen - all das jedoch nur mit negativem Schnelltest. Die Meinungen der Saarländer dazu gehen auseinander.

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Saarland startet Modell: Verhaltene und vorsichtige Öffnungen

Seit heute ist es im Saarland wieder erlaubt ins Fitnessstudio oder ins Theater zu gehen sowie im Außenbereich von Gastronomien zu essen - all das jedoch nur mit negativem Schnelltest. Die Meinungen der Saarländer dazu gehen auseinander.

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Von
  • BR24 Redaktion

Während bundesweit über Verschärfungen des Lockdowns diskutiert wird, hat das Saarland seinen eigenen Weg gewählt. Seit Dienstag gibt es Lockerungen: Unter anderem ist es möglich Kinos, Theater, Fitnessstudios und Tennishallen zu besuchen. Zugangsvoraussetzung für Gäste und Nutzer ist jedoch ein negativer Corona-Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf.

In der Innenstadt von Saarbrücken reagieren die Menschen gemischt auf die neuen Lockerungen. Vorsichtig und zögerlich werden die Angebote angenommen. Im Fitnessstudio Campus Sports Club Saarbrücken sind zum Beispiel nur drei Mitglieder - nach vorheriger Anmeldung und negativem Testergebnis. Während sich Leiterin Tanja Zimpfer erfreut zeigt, ist Besucher Heiko noch unsicher: "Jetzt ist alles wieder offen und die Zahlen steigen trotzdem. Es macht auch irgendwo schon ein bisschen Angst."

Gastronomie setzt Öffnungen zögerlich um

Auch die Gastronomen starten noch nicht wieder im vollen Umfang. Kellnerin Fatma Delibas vom Restaurant "Tante Maja" sagt: "Wir machen jetzt nicht das volle Programm. (…) Getränketechnisch wird es wahrscheinlich alles geben, essenstechnisch wahrscheinlich eine etwas reduzierte Karte. Wir tasten uns langsam vor. Ein paar Tische, dann schauen wir wie es heute läuft." Dabei sind die Startbedingungen besonders schwierig: 5 Grad und Schnee machen es den Gastronomen schwer.

Der Inhaber des Café Odeon Michael Bäumer öffnet erst am Donnerstag wieder und nennt es einen "Softstart". "Wir müssen ja mal die Inzidenzwerte abwarten. Es kann auch sein, dass es die nächsten Tage auch direkt wieder kassiert wird."

Solche Öffnungen sind nach dem Beschluss der Regierung in dieser Form nur erlaubt, solange die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche, stabil unter 100 liegt. Steigt die Inzidenz an drei Tagen über 100, greift ein "Ampelsystem" - mit einer dann ausgeweiteten Testpflicht (gelb) unter anderem für den Einzelhandel. Wenn eine Überlastung des Gesundheitswesens droht, soll die Notbremse (rot) gezogen werden: Die Öffnungen werden zurückgenommen, es folgt ein neuer Lockdown.

Menschen sehnen sich nach Kultur

Die gespaltenen Meinungen der Menschen angesichts der Lockerungen zeigt sich auch vor der Kasse des Saarbrücker Staatstheaters, vor der sich eine lange Schlange gebildet hat. Einerseits sehnen sich die Menschen nach Kultur, andererseits haben sie Angst vor einer Ansteckung.

Deshalb gibt etwa Stefanie Bernardy ihre Karten zurück: "Mir ist das alles zu unsicher, zu lasch und ich bin der Meinung, es müsste ein ganz harter, kurzer Lockdown sein. Damit man alles runterfährt und dann irgendwann doch mal ein normales Leben hat." Vera Schorr hingegen ist glücklich bereits jetzt wieder etwas erleben zu können: "Ich bin einfach total ausgedörrt, was Kultur angeht und ich habe einfach ein Bedürfnis, da mich mal wieder mitanzufüllen und das zu genießen."

Auch Politik sieht Öffnungen zwiespältig

Mit dem "Saarland-Modell" will die Landesregierung des Saarlands als erstes Bundesland den Bürgern wieder mehr Freiheiten ermöglichen. "Es muss uns nach einem Jahr Pandemie mehr einfallen als nur zu schließen und zu beschränken", hatte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) gesagt. Und: "Mit dem Saarland-Modell soll keine Corona-Infektion unentdeckt bleiben." Denn je mehr getestet werde, desto mehr werde aufgedeckt.

Für die stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) ist das Saarland-Modell "ein klares, verlässliches System", das auf die Verantwortung der Bürger setze. "Mit Vorsicht schaffen wir mehr Freiheiten. Ob sie halten, liegt an uns allen", sagte sie.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht die Öffnungen kritisch und bezeichnete schon die Ankündigung als "sehr gewagt". Da die Infektionszahlen nicht stabil seien, sei es "nicht der Zeitpunkt, jetzt sowas ins Auge zu fassen." Am Ostermontag wurde im Saarland eine Inzidenz von 91,3 gemeldet. Vor zwei Wochen (23.3.) lag sie noch bei 65,6.

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