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Bilanz Maria 2.0 - Frauenstreik in der katholischen Kirche | BR24

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Sie haben für Wirbel gesorgt: Katholische Frauen, die mit ihrer Initiative Maria 2.0 zum Protest aufgerufen haben. Eine Woche lang haben sie keine Kirche von innen betreten und alle Dienste ruhen lassen. Doch was hat es gebracht? Wie geht es weiter?

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Bilanz Maria 2.0 - Frauenstreik in der katholischen Kirche

Sie haben für Wirbel gesorgt: katholische Frauen, die mit ihrer Initiative Maria 2.0 zum Protest aufgerufen haben. Eine Woche lang haben sie keine Kirche von innen betreten und alle Dienste ruhen lassen. Doch was hat es gebracht? Wie geht es weiter?

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Sie sind weiblich, sie sind katholisch und sie haben es satt, dass sie in ihrer Kirche nicht gleichberechtigt sind. Mit ihrer Protestaktion "Maria 2.0" haben sich engagierte Katholikinnen deutschlandweit Gehör verschafft, zumindest eine Woche lang. Die Frauen treten für eine Erneuerung der Kirche ein. "Für einen neuen Aufbruch, wo die Botschaft von Jesus Christus wirklich im Mittelpunkt steht, wo es weniger um Hierarchien geht, wo Frauen gleichberechtigt sind", so heißt es bei Maria 2.0-Veranstaltungen. Zu viele junge und talentierte Frauen seien schon ausgetreten, weil sie in der Kirche nichts zu sagen hätten - so der Vorwurf an die Bischöfe.

Seit Jahrzehnten werden Katholikinnen nicht ernst genommen

Seit Jahren, seit Jahrzehnten werden Katholikinnen mit ihren Anliegen nicht ernst genommen. Selbst die theologische Forschung, die die Weihe von Frauen für begründet hält, wird im Keim erstickt. Erst unlängst hat Papst Franziskus der Hoffnung auf das Diakonat der Frau eine Absage erteilt und sich dabei auf Jesus berufen.

Allerdings, niemand weiß, ob Jesus Priester und Bischöfe wollte oder Diakoninnen wirklich abgelehnt hat, sagt Lisa Kötter, eine Mitinitiatorin von Maria 2.0. Sie legt deshalb Wert darauf, dass die Protestaktion nicht von Theologinnen, sondern von engagierten und gläubigen Frauen von der Basis getragen wird:

"Wir zeigen, dass es nicht nur ein theologisches Gerede ist, sondern dass die Menschen sich danach sehnen. Weil es ist auch eine Form von Demütigung, die da passiert, seit vielen Jahren." Lisa Kötter, Mitinitiatorin von Maria 2.0 aus Münster

Bischöfe reagieren unterschiedlich auf Maria 2.0

Die deutschen Bischöfe haben unterschiedlich auf den Frauenstreik Maria 2.0 reagiert. Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr nennt eine Zulassung von Frauen zum Priesteramt "theologisch denkbar", auch wenn er sie derzeit mit Blick auf die Weltkirche für "absolut unvorstellbar" hält. Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer dagegen sieht dauerhaft keine Möglichkeit der Weihe von Frauen: "Es führt uns keinen Millimeter weiter, wenn wir uns die Geschichte der Kirche zurechtbasteln, um uns dann am Ende etwa ein Frauenpriestertum zu genehmigen".

Neben Schweigen, Skepsis und Ablehnung gab es auch einige wenige Kirchenmänner, die Verständnis zeigten und das Gespräch mit den Frauen suchten. Unter ihnen der Berliner Erzbischof Heiner Koch oder der Würzburger Bischof Franz Jung. Letzterer suchte am vergangenen Donnerstag das Gespräch mit rund 150 Frauen, während diese eine Mahnwache abhielten.

"Ich sehe es als ernsten Ausdruck der Sorge der Frauen um die Zukunft und die Weiterentwicklung der Kirche", sagte Jung und fügte hinzu: "Die Frage steht im Raum. Ich denke, dass uns die Frage die nächsten Jahre oder Jahrzehnte weiter beschäftigen wird: Was ist die Stellung der Frau in der Kirche? Wir haben jetzt ja auch als deutsche Bischöfe gesagt, dass wir diese Frage auf die Agenda setzen für den synodalen Weg."

Bischof Jung: Debatte um Weihe von Frauen unumgänglich

Jung hält eine Debatte um die bisher ausgeschlossene Weihe von Frauen daher für unumgänglich. Rückendeckung für die streikenden Katholikinnen kommt auch von Seiten der Politik. Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner zeigte sich enttäuscht über die fehlende Unterstützung aus Rom und fordert von der katholischen Kirche mehr Offenheit gegenüber Frauen in Führungsämtern.

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Die katholische Kirche braucht weibliche Priester. Andernfalls habe sie keine Zukunft. Das ist die Botschaft von "Maria 2.0". Die Bewegung fordert Gleichberechtigung für katholische Frauen und ruft zum Kirchenstreik auf.

Kritiker: "Missbrauch der Gottesmutter"

Doch auch Kritik gab es von der Basis: Vor allem die Berufung auf Maria und der Boykott der Gottesdienste stießen vielen negativ auf. Vom "Verrat am Kern des Glaubens" war die Rede und vom "Missbrauch der Gottesmutter". Die Schongauer Lehrerin Johanna Stöhr, die als Alternative die Aktion Maria 1.0 ins Leben rief, erklärte: "Maria braucht kein Update." Wer als Frau nach Weiheämtern strebe, sei "auf dem Holzweg". Denn "als Frau ist es nicht meine Aufgabe, Priester zu werden. Das ist die göttliche Ordnung."

"Ladet eure Bischöfe in eure Küchen ein!"

An der einwöchigen Protestaktion Maria 2.0 haben sich deutschlandweit mehr als 1.000 Gruppen beteiligt, "mit mehreren Zehntausend Leuten mindestens", so Lisa Kötter. Die meisten kamen aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Und Morgen, alles wie gehabt? Für die Mitinitiatorin aus Münster Lisa Kötter steht fest: Maria 2.0 wird weitergehen. "Wir haben ganz viele Vorschläge auf dem Tisch. Einer meiner Lieblingsgedanken ist: Ladet eure Bischöfe in eure Küchen ein", sagt Lisa Kötter. Sie fände es wunderbar, am Küchentisch - außerhalb hierarchischer Strukturen - als Mitchristen miteinander zu reden.

Bis dahin müssten die Mahnwachen aber weitergehen, so Kötter: "Wir müssen uns versammeln, wir müssen diese Gemeinschaft, die wir gerade erleben, weitermachen. Die Männer und Frauen organisieren sich selber, es ist eine Graswurzelbewegung."

Positive Rückmeldungen aus halb Europa, USA und Australien

Die Rückmeldungen auf ihre Aktionen seien "weit überwiegend positiv". Sie kämen nicht nur aus Deutschland, sondern aus halb Europa, Nord- und Südamerika und aus Australien, sagte Maria Flachsbarth, die Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB), der Katholischen Nachrichtenagentur. Sie sei "überwältigt" von der Resonanz. Maria 2.0 habe gezeigt, dass die Forderungen nicht nur von "ein paar verrückten Aktivistinnen an der Spitze der Frauenverbände" getragen würden, sondern "von der breiten Mehrheit der Frauen an der Basis, die das aktive Gemeindeleben vor Ort entscheidend tragen und prägen."