Ein Wachmann steht vor den AKW-Blocks 4 und 5 in Saporischja

Ein Wachmann steht vor den AKW-Blocks 4 und 5 in Saporischja

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Ukraine-Ticker: Verletzter bei Angriff auf AKW Saporischschja

Ukraine-Ticker: Verletzter bei Angriff auf AKW Saporischschja

Nach einem Angriff auf das Atomkraftwerk Saporischschja meldet der Staatskonzern Energoatom einen verletzten Mitarbeiter. Die Internationale Atomenergie-Organisation sorgt sich. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Die News im Ticker.

    Die wichtigsten News zum Ukraine-Krieg im Überblick:

    • Mitarbeiter von AKW Saporischschja bei Angriff verletzt (14.16 Uhr))
    • IAEA-Chef warnt vor Gefahr einer nuklearen Katastrophe (18.27 Uhr)
    • Ukrainische Amnesty-Leiterin tritt zurück (16.06 Uhr)
    • Papst trifft Botschafter der Ukraine (12.40 Uhr)
    • Russland und Ukraine werfen sich Beschuss von AKW vor (05.45 Uhr)

22.15 Uhr: Selenskyj erwartet "gute Nachrichten" zu Waffenlieferungen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angesichts schwerer Kämpfe im Donbass seinen Landsleuten neue Waffenlieferungen angedeutet. "Nächste Woche erwarten wir Neuigkeiten von Partnern bezüglich der Hilfspakete. Gute Nachrichten!", sagte Selenskyj am Sonntag in seiner täglichen Videoansprache. Schlüssel der erfolgreichen Verteidigung seien nach wie vor Waffenlieferungen aus dem Westen, mahnte er.

Nach Angaben Selenskyjs toben die härtesten Kämpfe im Donbass. Die Lage dort bleibe schwierig. Die Verteidigung von Orten wie "Awdijiwka, Pisky, Marjinka und Bachmut erfordern unsere Hauptanstrengung und leider viele Leben", konstatierte er.

21.04 Uhr: Selenskyj droht mit Ende von Gesprächen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj droht Russland mit einem endgültigen Abbruch von Gesprächen, wenn Russland eine Annexion weiterer ukrainischer Gebiete vorantreibe. Selenskyj bezieht sich in seiner Videoansprache auf die von russischer Seite angekündigten Referenden in besetzten Gebieten über einen Anschluss an Russland. "Wenn die Besatzer den Weg der Pseudo-Referenden fortsetzen, beenden sie jede Gesprächsmöglichkeit mit der Ukraine und der freien Welt", sagt Selenskyj.

In den ersten Wochen nach der russischen Invasion im Februar hatten sich Delegationen beider Seiten wiederholt zu Gesprächen getroffen, die seit Ende März aber nicht fortgesetzt wurden. Russland hatte bereits 2014 die Krim annektiert und sich dabei auf ein international nicht anerkanntes Referendum berufen.

18.10 Uhr: Amnesty International bedauert Ärger über Ukraine-Bericht

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat ihr Bedauern über den Ärger zum Ausdruck gebracht, den sie mit einem kritischen Bericht über die ukrainische Armee losgetreten hat. Amnesty bedauere "zutiefst die Verärgerung und die Wut, die unsere Pressemitteilung über die Kampftaktik des ukrainischen Militärs ausgelöst hat", erklärte die Organisation am Sonntag. Zugleich betonte sie: "Wir stehen voll und ganz zu unseren Erkenntnissen." Diese rechtfertigten aber in keiner Weise russische Verstöße.

Die Veröffentlichung des Berichts am Donnerstag hatte einen Aufschrei in der Ukraine ausgelöst. Die Leiterin des Ukraine-Büros der Menschenrechtsorganisation, Oksana Pokaltschuk, trat zurück und beschuldigte Amnesty, russische Propaganda übernommen zu haben.

In dem umstrittenen Bericht hatte die Organisation dem ukrainischen Militär vorgeworfen, Zivilisten gefährdet zu haben, indem es etwa Stützpunkte in Wohngebieten, Schulen und Krankenhäusern errichtet habe. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf der Organisation vor, sie habe damit "Opfer und Angreifer gewissermaßen auf eine Stufe gestellt".

16.29 Uhr: Fast 26.000 Fälle von Kriegsverbrechen

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft prüft fast 26.000 Fälle von Kriegsverbrechen seit Beginn der russischen Invasion am 24. Februar. 135 Menschen seien angeklagt worden, sagt der Chef der Abteilung für Kriegsverbrechen, Jurij Bilousow, im Interview mit Reuters. Von den Angeklagten befänden sich 15 in Gewahrsam in der Ukraine, die anderen 120 seien flüchtig. 13 Fälle seien an die Gerichte verwiesen worden. In sieben Fällen seien Urteile ergangen. "Manchmal werden wir gefragt, warum wir Soldaten mit so niedrigen Rängen verfolgen. Das liegt schlicht daran, dass sie hier sind. Wären die Generäle hier und wir wären in der Lage, sie zu fassen, würden wir auf jeden Fall Generäle belangen."

14.16 Uhr: Mitarbeiter von AKW Saporischschja bei Angriff verletzt

Bei einem russischen Angriff auf das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist nach Angaben des Staatskonzerns Energoatom am Samstagabend ein Mitarbeiter verletzt worden. Das Gelände des Zwischenlagers, in dem 174 Behälter mit abgebrannten Brennelementen im Freien stehen, sei mit Raketen getroffen worden, teilt der Betreiber auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Das AKW ist das größte in Europa und wurde zu Beginn des Krieges von russischen Truppen unter Kontrolle gebracht. Der Betrieb läuft dank ukrainischer Techniker. Bereits am Freitag trafen Granaten eine Hochspannungsleitung auf dem AKW-Gelände. Der Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Rafael Grossi, sprach am Samstag wegen des Beschusses vom Risiko einer atomaren Katastrophe.

11.15 Uhr: Getreidefrachter kommt nicht, wie geplant, an

Der Getreidefrachter "Razoni", der als erstes Schiff nach dem Abkommen zwischen der Ukraine und Russland einen ukrainischen Hafen verlassen hat, wird nicht wie erwartet an diesem Sonntag im Libanon ankommen. Das teilt die dortige ukrainische Botschaft auf Anfrage mit. Die "Razoni" hatte den ukrainischen Schwarzmeerhafen Odessa am Montag verlassen und sollte an diesem Sonntag in Tripoli im Norden des Libanons festmachen. Der Frachter habe Verspätung, teilt die ukrainische Botschaft mit, nennt aber keine Einzelheiten. Schifffahrtsdaten auf MarineTraffic.com zeigen die "Razoni" am Sonntagmorgen vor der türkischen Küste. Der Frachter hat rund 26.500 Tonnen Getreide geladen.

08.47 Uhr: Zweiter Konvoi mit ukrainischem Getreide ausgelaufen

Ein zweiter Konvoi von Fachtern, die mit Agrargütern beladenen sind, hat nach ukrainischen Angaben Häfen am Schwarzen Meer verlassen. Die vier Schiffe des Konvois sollen im Rahmen des von der Türkei und den Vereinten Nationen mit Russland ausgehandelten Abkommens ukrainisches Getreide ausführen. Das teilte der ukrainische Infrastrukturminister Olexandr Kubrakow im Kurznachrichtennetzwerk Twitter mit. Es handele sich um die Frachter "Mustafa Necati", "Star Helena", "Glory" und "Riva Wind". Insgesamt haben die Schiffe laut Kubrakow fast 170.000 Tonnen Getreide an Bord.

07.56 Uhr: Russischer Angriff auf Dutzende Städte gemeldet

Nach Angaben des ukrainischen Militärs haben russische Truppen an der Frontlinie im Osten des Landes Dutzende Städte unter Beschuss genommen. Alle sechs angegriffenen Städt liegen in der Region Donezk. Bislang sei es dabei russischen Truppen aber nicht gelungen, Boden gutzumachen. Das hätten die ukrainischen Streitkräfte verhindert, teilte das ukrainische Militär noch am späten Samstagabend mit. Unabhängig überprüfbar sind die Angaben nicht.

06.15 Uhr: Selenskyj lobt Rolle westliche Waffen-Hilfe

In einer Videoansprache in der Nacht hat Präsident Selenskyj die ukrainischen Streitkräfte für ihren Widerstand gegen russische Offensiven gelobt. Vor allem im Gebiet Donezk im Osten des Landes versucht Russlands Armee, die letzten Großstädte einzunehmen, die noch von ukrainischen Streitkräften verteidigt werden. Besonders umkämpft ist dabei gerade die strategisch wichtige Kleinstadt Bachmut. Selenskyj betonte explizit die zentrale Rolle westlicher Waffenlieferungen an sein Land: Dank dieser hätten ukrainische Soldaten "starke Ergebnisse" in der Zerstörung russischer Kriegslogistik erzielen können. Der ukrainische Präsident dankte den westlichen Partnern für die Lieferung von Waffen und bat zugleich um weitere Zusagen. Er hob besonders die Ankündigung der USA hervor, der Ukraine unter anderem Munition für das Mehrfachraketenwerfersystem Himars und 75.000 Artilleriegranaten zu liefern, Rüstungslieferungen von insgesamt 550 Millionen Dollar Umfang. "Jeder Angriff auf die Munitionsdepots des Feindes, auf seine Kommandoposten und auf Ansammlungen russischer Technik rettet unser aller Leben", so Selenskyj.

Sonntag, 7. August 2022

22.56 Uhr: Erster ausländischer Frachter in Ukraine eingetroffen

Das internationale Abkommen zur Wiederaufnahme von Getreideexporten auf dem Seeweg funktioniert in beide Richtungen: Erstmals ist ein ausländischer Frachter in der Ukraine eingetroffen. Der unter der Flagge von Barbados fahrende Fulmar S habe im Schwarzmeerhafen von Tschornomorsk angelegt und solle mit Getreide beladen werden, teilte Infrastrukturminister Olexander Kubrakow am Samstag mit. Es handle sich um das erste unter ausländischer Flagge fahrende Frachtschiff seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar.

Unter Federführung der Türkei und der Vereinten Nationen hatten Russland und die Ukraine im Juli den Weg für eine Wiederaufnahme der Getreideexporte über das Schwarze Meer freigemacht. Beide Länder standen bis Februar für fast ein Drittel der weltweiten Weizenexporte.

21.25 Uhr: Erster Getreidefrachter soll doch nicht am Sonntag in Tripoli sein

Das erste Schiff mit ukrainischen Getreideexporten seit Kriegsbeginn soll doch nicht wie geplant am Sonntag in der libanesischen Hafenstadt Tripoli anlegen. Der ukrainische Botschafter im Libanon teilte dem ARD-Studio Kairo mit, die für morgen geplante Ankunft des Schiffes "Razoni" sei abgesagt worden. Zu den Gründen wurden keine Angaben gemacht. Die "Razoni" hatte am Montag den Hafen im ukrainischen Odessa mit 26.000 Tonnen Mais an Bord in Richtung Libanon verlassen. Am Mittwoch inspizierten türkische und russische Experten das Schiff vor der Küste Istanbuls.

21.10 Uhr: Zweiter ukrainischer Getreidefrachter passiert Istanbul

Ein Schiff mit 33.000 Tonnen Mais aus der Ukraine hat am Samstag nach einer internationalen Kontrolle in Istanbul die Erlaubnis zur Weiterfahrt erhalten. Es ist der zweite Getreidefrachter, der die Ukraine entsprechend eines internationalen Abkommens unter unter Vermittlung der Türkei verlassen durfte. Zwei weitere Schiffe werden in Kürze erwartet.

21.09 Uhr: Erdogan will russisches Gas in Rubel bezahlen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bestätigte, dass die Türkei fortan russische Gaslieferungen in Rubel bezahlen und auch das russische Zahlungssystem Mir stärker nutzen werde. Ein neuer Plan zur Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit werde als "Machtquelle zwischen der Türkei und Russland in finanziellen Angelegenheiten" dienen, sagte Erdogan laut Nachrichtenagentur Anadolu auf seinem Rückflug aus der russischen Schwarzmeerstadt Sotschi. Dort war er am Freitag mit Präsident Wladimir Putin zusammengetroffen. Die Nutzung des Mir-Zahlungssystems werde auch russischen Touristen den Aufenthalt in der Türkei erleichtern, sagte Erdogan weiter. Im Westen wird das enge Verhältnis zwischen Nato-Mitglied Türkei und Russland sehr kritisch beobachtet.

21.00 Uhr: Russische Vorstöße in Donezk laut Ukraine abgewehrt

Die ukrainische Armee gerät im östlichen Gebiet Donezk zunehmend unter Druck - hat am Samstag allerdings eigenen Angaben zufolge vorerst alle Vorstöße der Russen abgewehrt. Es seien russische Offensiven in Richtung der Städte Slowjansk, Bachmut und Awdijiwka zurückgeschlagen worden, teilte der ukrainische Generalstab in seinem Abendbericht mit. Insbesondere um Bachmut toben seit Tagen heftige Kämpfe. Die prorussischen Rebellen hatten am Vortag vermeldet, es gebe Gefechte bereits innerhalb des Stadtgebiets. Unabhängig können die Angaben beider Seiten nicht überprüft werden.

Die Kleinstadt gilt als ein Eckpfeiler des Verteidigungssystems rund um den letzten von Ukrainern gehaltenen Ballungsraum im Donbass. Sollten Bachmut und andere Kleinstädte fallen, wäre der Weg für die russischen Truppen weitgehend frei in Richtung Slowjansk und Kramatorsk. Seit der Eroberung des Nachbargebiets Luhansk konzentrieren die Russen ihre Angriffe in der Ostukraine auf Donezk, wo sie bislang rund 60 Prozent des Territoriums erobert haben.

18.52 Uhr: Russische Besatzungsverwaltung in Cherson meldet Tod von Mitglied

Im südukrainischen Gebiet Cherson ist Angaben der russischen Besatzungsverwaltung zufolge eines ihrer Mitglieder nach einem Anschlag gestorben. Der stellvertretende Leiter der von den Russen in der Stadt Nowa Kachowka eingesetzten Verwaltung, Witalij Gura, sei seinen Verletzungen erlegen, schrieb die prorussische Politikerin Jekaterina Gubarewa am Samstag auf Telegram. Auch die staatliche russische Nachrichenagentur Ria Nowosti meldete Guras Tod. Demnach soll er früher am Tag in der Nähe seines Hauses von Unbekannten mit einer Schusswaffe angegriffen worden sein.

In der Südukraine habe russische Truppen nach der Eroberung in mehreren Gebieten eigene Verwaltungen installiert. Insbesondere in Cherson gab es seitdem wiederholt Proteste aus der Bevölkerung gegen die neuen Besatzungsmacht. Immer wieder berichteten russische und prorussische Medien auch von Anschlägen.

18.27 Uhr: IAEA-Chef fordert Zugang zu beschossenem ukrainischem AKW

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) drängt nach dem Beschuss des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja erneut auf Zugang zu der von Russland besetzten Anlage. Der Angriff am Freitag "unterstreicht die sehr reale Gefahr einer nuklearen Katastrophe, die die öffentliche Gesundheit und die Umwelt in der Ukraine und darüber hinaus bedrohen könnte", sagte IAEA-Chef Rafael Grossi am Samstag in einer Stellungnahme. Er hielt fest, dass auf dem Gelände Schäden entstanden seien, dass aber die Reaktoren unversehrt seien und keine Radioaktivität ausgetreten sei.

Der Besuch eines IAEA-Teams vor Ort würde helfen, die nukleare Sicherheit vor Ort zu stabilisieren und unabhängige Informationen über den Zustand des AKWs zu liefern. Grossi forderte die Ukraine und Russland auf, endlich gemeinsam einen solchen IAEA-Einsatz möglich zu machen.

Während Moskau ukrainische Truppen für den Beschuss verantwortlich machte, sprach Kiew davon, dass die Russen das Gelände selbst beschossen hätten. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen.

Das Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine

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16.56 Uhr: Russische Truppen beginnen Angriff auf zwei ostukrainische Städte

Russische Truppen haben am Samstag nach ukrainischen Angaben Angriff auf zwei strategisch wichtige Städte in der Region Donezk begonnen. "In Donezk führt der Feind eine offensive Operation aus, konzentriert seine Anstrengungen hauptsächlich auf Bachmut und Awdijiwka", teilte der ukrainische Generalstab auf Facebook mit.

Militäranalysten zufolge sind die beiden Städte von entscheidender Bedeutung für den von Moskau geplanten Vorstoß auf die Regionalzentren Slowjansjk und Kramatorsk. Nach der Eroberung der Region Luhansk hat der Kreml seinen Truppen befohlen, die Region Donezk und damit den gesamten Donbass unter ihre Kontrolle zu bringen.

Russischer Beschuss mit Raketen und Artillerie wurde auch aus anderen ukrainischen Gebieten gemeldet. Der Gouverneur der Region Dnipropetrowsk, Walentyn Resnitschenko, schrieb auf Telegram, in einem Wohngebiet der Stadt Nikopol seien drei Zivilisten verletzt worden. Nikopol liegt am Fluss Dnjepr gegenüber dem Atomkraftwerk Saporischschja, das unter russischer Kontrolle ist.

16.34 Uhr: Laut Kiews Vatikan-Botschafter reist Papst bald in die Ukraine

Laut Kiews Vatikan-Botschafter möchte Papst Franziskus die Ukraine noch vor seiner Reise nach Kasachstan im September besuchen. "Ich bin der Ukraine sehr nahe und möchte diese Nähe durch einen Besuch der Ukraine zum Ausdruck bringen", zitiert der Diplomat Andrij Jurasch den Papst nach einem Treffen am Samstag. In seiner Nachricht auf Twitter heißt es weiter, dass die Ukraine schon seit vielen Jahren und besonders seit Beginn des Krieges auf einen Besuch des Kirchenoberhauptes warte. "Ich werde glücklich sein, ihn zu begrüßen, vor seiner Reise nach Kasachstan", schließt Jurasch.

Der Botschafter traf am Samstag zu einem Gespräch mit Papst Franziskus zusammen. Die Zusammenkunft bestätigte der Vatikan, Gesprächsinhalte nannte er jedoch nicht. Schon länger stehen Spekulationen im Raum, ob Franziskus vor dem Besuch eines interreligiösen Kongresses in Kasachstan in die Ukraine reist. Der vatikanische Außenbeauftragte, Erzbischof Paul Gallagher, hatte das zuletzt nicht ausgeschlossen. Franziskus selbst hatte bereits mehrfach den Wunsch geäußert, Kiew zu besuchen.

16.06 Uhr: Ukrainische Amnesty-Leiterin tritt zurück

Als Reaktion auf einen umstrittenen Bericht zur Kriegsführung der ukrainischen Armee ist die Leiterin der ukrainischen Filiale der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zurückgetreten. "Wenn Sie nicht in einem Land leben, in das Besatzer einfallen, die es in Stücke reißen, verstehen Sie wahrscheinlich nicht, wie es ist, eine Armee von Verteidigern zu verurteilen", schrieb Oxanna Pokaltschuk in der Nacht zu Samstag auf Facebook. "Mit dem Ziel, Zivilisten zu schützen, ist diese Studie stattdessen zu einem Werkzeug der russischen Propaganda geworden."

Amnesty hatte in einem am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Bericht der ukrainischen Armee unter anderem vorgeworfen, sich in Wohnvierteln zu verschanzen und damit Zivilisten unnötig in Gefahr zu bringen. Pokaltschuk hielt ihren ehemaligen Kollegen nun vor, der Bericht sei nicht sauber genug aufbereitet. In Kiew wird außerdem kritisiert, durch den Fokus auf Verfehlungen der Armee des angegriffenen Landes werde eine Täter-Opfer-Verkehrung betrieben. Amnestys Generalsekretärin Agnès Callamard nannte Pokaltschuks Rücktritt bedauerlich. Sie respektiere die Entscheidung aber.

Die Organisation verteidigte ihren Bericht auf Nachfrage der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. "Wenn wir Verstöße der Ukraine gegen das internationale humanitäre Völkerrecht feststellen, wie wir es in dem Fall getan haben, werden wir darüber ehrlich und genau berichten", heißt es demnach in einer Stellungnahme. In Russlands Staatsmedien, die mutmaßliche Verbrechen durch russische Soldaten in der Ukraine kaum kritisch thematisieren, war über den Amnesty-Bericht ausführlich berichtet worden.

15.50 Uhr: Reaktor in ukrainischem Atomkraftwerk nach Angriffen heruntergefahren

Nach Angriffen auf das Gelände des Kernkraftwerks Saporischschja im Süden der Ukraine ist nach Angaben des staatlichen ukrainischen Betreibers einer der Atomreaktoren heruntergefahren worden. Durch die Luftangriffe sei das "Notfallschutzsystem" ausgelöst und der Reaktor ausgeschaltet worden, teilte Energoatom am Samstag im Onlinedienst Telegram. Für die Angriffe am Freitag machen sich die Ukraine und Russland gegenseitig verantwortlich.

Nach Angaben von Energoatom haben die Bombardements ein "Hilfsgebäude" und eine Stick- und Sauerstoffstation "schwer beschädigt". Es bestehe weiterhin die Gefahr radioaktiver Strahlung sowie ein erhöhtes Brandrisiko, erklärte der Betreiber. Das ukrainische Personal arbeite aber und das Kraftwerk produziere trotzdem weiterhin Strom.

14.40 Uhr: Ukrainische Atombehörde warnt vor anhaltender radioaktiver Gefahr

Nach dem Beschuss des von Russland besetzten ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja besteht weiter erhöhte Brand- und Strahlungsgefahr, teilte die staatliche ukrainische Atombehörde Enerhoatom am Samstag auf ihrem Telegram-Kanal mit. Beide Kriegsparteien machen sich gegenseitig für den Angriff auf die Anlage verantwortlich.

Durch den Beschuss am Vortag seien eine Stickstoffanlage und ein Hilfskorpus des Kraftwerks beschädigt worden. "Es bleibt das Risiko, dass Wasserstoff austritt und sich radioaktive Teilchen verteilen, auch die Brandgefahr ist hoch", berichtete Enerhoatom. Das ukrainische Kraftwerkspersonal versuche, auch unter diesen Bedingungen die atomare Sicherheit der Anlage zu gewährleisten. Die Bedrohung aufgrund der Besetzung des Kraftwerks durch russische Truppen bleibe allerdings hoch.

Am Freitag war die Anlage in der Stadt Enerhodar im Gebiet Saporischschja durch einen Beschuss in Brand geraten, konnte aber gelöscht werden. Ein Block des AKW musste abgestellt werden. Die Energieversorgung in der Stadt fiel teilweise aus. Während Moskau ukrainische Truppen dafür verantwortlich machte, sprach Kiew davon, dass die Russen das Gelände selbst beschossen hätten. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen.

Derweil berichtete das kremlkritische Internetmedium "The Insider" über eine mögliche Verminung des Kraftwerks. Auf einem Video, das zu Wochenbeginn gedreht worden sein soll, sind russische Militärlaster zu sehen, die auf das Fabrikgelände fahren und dort Güter abladen. Einer der Lkw fährt dabei in den Maschinenraum der Anlage. Laut "The Insider" wurde entweder das Kraftwerk selbst oder das Gelände darum herum vermint.

13.36 Uhr: Moskau: Himars-Raketenwerfer vernichtet, fast 600 Ukrainer getötet

Das russische Militär hat nach eigenen Angaben mit Luft- und Artillerieschlägen fast 600 ukrainische Soldaten getötet. "Nahe der Ortschaft Bilohirka im Gebiet Cherson wurden durch Luftschläge und Artilleriefeuer der zeitweise Standort der 46. ukrainischen Luftsturmbrigade getroffen", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Samstag. Mehr als 400 "Nationalisten" seien getötet worden. Daneben seien durch Raketenangriffe an der Front in Cherson mehr als 70 weitere Soldaten getötet und 150 verletzt worden. Bei Raketenangriffen im Gebiet Dnipropetrowsk seien mehr als 80 "ausländische Söldner" gestorben.

Konaschenkow berichtete zudem über die Vernichtung mehrerer Artilleriesysteme der Ukraine. So sei eine Batterie von "Olcha"- und Himars-Raketenwerfern zerstört worden. Himars sind präzise US-Mehrfachraketenwerfer mit hoher Reichweite. Moskau hat schon in der Vergangenheit mehrfach die Außergefechtsetzung dieser Waffensysteme gemeldet. Kiew und Washington dementierten dies dann später. Auch für den aktuellen Bericht Konaschenkows gibt es keine unabhängige Bestätigung.

12.40 Uhr: Papst trifft Botschafter der Ukraine

Papst Franziskus hat Kiews Vatikan-Botschafter Andrij Jurasch getroffen. Das teilte der Vatikan ohne Angaben zu Details mit. Vor dem Treffen mit dem Ukraine-Vertreter hatte es am Freitag ein Gespräch zwischen Papst und dem Außenbeauftragten des Moskauer Patriarchats, Metropolit Antonij, gegeben. Er gilt als enger Vertrauter des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. Das Patriarchat ließ anschließend verlauten, dass es um zahlreiche Themen gegangen sei, "die auf der Tagesordnung der orthodox-katholischen Beziehungen stehen, auch im Zusammenhang mit den politischen Prozessen, die in der Welt stattfinden". Der Vatikan äußerte sich bislang nicht.

11.42 Uhr: Ukraine-Chefin von Amnesty International zurückgetreten

Nach Amnesty Internationals kritischem Bericht über die ukrainische Armee ist die Leiterin des Ukraine-Büros der Menschenrechtsorganisation zurückgetreten. Oksana Pokaltschuk gab den Schritt am späten Freitagabend in Online-Netzwerken bekannt und beschuldigte Amnesty, russische Propaganda zu übernehmen. Amnesty hatte mit seiner am Donnerstag vorgelegten Analyse Empörung in Kiew ausgelöst. Präsident Wolodymyr Selenskyj warf der Organisation vor, sie habe "Opfer und Angreifer gewissermaßen auf eine Stufe gestellt". In dem Bericht hatte Amnesty der ukrainischen Armee vorgeworfen, Zivilisten gefährdet zu haben, indem sie etwa Stützpunkte in Wohngebieten, Schulen und Krankenhäusern errichtet habe.

11.15 Uhr: Forscher Zick warnt vor Radikalisierungen infolge des Kriegs

Für den Herbst rechnet Extremismusforscher Andreas Zick mit erneuten Demonstrationen der "Querdenker"-Szene - auch in Bezug auf den Krieg in der Ukraine. Konkrete Anlässe könnten harte Energiesparmaßnahmen sein, so der Leiter des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld im Interview mit der Nachrichtenagentur epd. Wie Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) der "Welt" sagte, würden in sozialen Netzwerken wie Telegram vermehrt Inhalte geteilt, bei denen es um Inflation, Energie und den Ukraine-Krieg geht. Wissenschaftler Zick sehe zwar kein Problem für die Mehrheit der Gesellschaft: „Es geht um einflussreiche Minderheiten, die gesellschaftlichen Druck, Gewalt und Aggressionen ausüben.“ Man müsse aber präventiver denken und aufziehende gesellschaftliche Konflikte, die radikalisierbar sind, erkennen und ernst nehmen.

10.45 Uhr: Unions- und FDP-Vertreter begrüßen Getreide-Plan

Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), der auch Sprecher der unionsgeführten Agrarressorts der Länder ist, hat den Kompromissvorschlag von Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) begrüßt. Das Modell soll Landwirten in Deutschland mehr Getreideanbau ermöglichen. Özdemir habe endlich eingelenkt, so Hauk. Ähnlich äußerte sich die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Carina Konrad. Nun müssten die Regelungen schnell und rechtssicher umgesetzt werden, da die Aussaat bevorstehe. Özdemir will angesichts angespannter Getreidemärkte infolge des Ukraine-Kriegs ermöglichen, Agrarflächen in Deutschland für den Anbau bestimmter Pflanzen länger zu nutzen. Vorgesehen ist dafür ein einmaliges Aussetzen der EU-Neuregelungen zu Flächenstilllegung und Fruchtwechsel.

09.15 Uhr: Großbritannien erwartet neue Phase des Krieges

Laut Einschätzung des britischen Geheimdienstes steht der Kriegsverlauf in der Ukraine kurz vor dem Eintritt in eine neue Phase. Die Kämpfe verschöben sich demnach schwerpunktmäßig auf die fast 350 Kilometer lange Linie Richtung Südwesten: aus der Nähe der Stadt Saporischschja bis nach Cherson, parallel zum Fluss Dnepr. Wie das britische Verteidigungsministerium auf Twitter schrieb, sammelten sich russische Streitkräfte in der Südukraine - und bereiteten sich dort möglicherweise entweder auf eine Gegenoffensive oder einen weiteren eigenen Angriff vor. Zudem bewegten sich lange Konvois russischer Militärfahrzeuge, Tanks, Artillerie und anderer Waffen weiter weg aus der Donbass-Region in Richtung Südwesten der Ukraine.

08.40 Uhr: Kiew: Verteidigungslinie im Donbass unter Druck

Russische Truppen attackieren nach Angaben aus Kiew Bachmut, einen Eckpfeiler des Verteidigungssystems rund um den derzeit letzten noch von Ukrainern gehaltenen Ballungsraum im Donbass. "Der Feind führt einen Angriff auf Bachmut durch, die Kämpfe halten an", teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht mit. Die prorussischen Rebellen hatten am Vortag vermeldet, es gebe Gefechte bereits innerhalb des Stadtgebiets. Unabhängig können die Angaben beider Seiten nicht überprüft werden. Seit der Eroberung des Gebiets Luhansk konzentrieren sich die russischen Offensivbemühungen in der Ostukraine auf das benachbarte Gebiet Donezk. Schrittweise konnten die russischen Invasoren in den letzten Wochen die ukrainischen Verteidiger zurückdrängen. Sie kontrollieren inzwischen etwa 60 Prozent des Territoriums.

05.45 Uhr: Russland und Ukraine werfen sich Beschuss von Atomkraftwerk vor

Russland und die Ukraine haben sich gegenseitig den Beschuss des von Russland besetzten ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja vorgeworfen. In Teilen der Stadt Enerhodar, in der das Kraftwerk liege, seien Strom- und Wasserversorgung ausgefallen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Zudem habe ein Block des AKW teilweise abgeschaltet werden müssen. Ein Brand auf dem Werksgelände habe gelöscht werden können. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Von ukrainischer Seite hieß es hingegen, die Russen hätten das Gelände selbst beschossen. Infolge der russischen Angriffe sei eine Hochspannungsleitung zum benachbarten Wärmekraftwerk beschädigt worden, teilte der ukrainische staatliche Atomkonzern Enerhoatom mit. Das ukrainische Außenministerium appellierte an die internationale Gemeinschaft, sich dafür einzusetzen, dass die Russen den Ukrainern die Kontrolle über das AKW zurückzugeben. Sollte ein Reaktor im Betrieb getroffen werden, seien die möglichen Folgen "gleichbedeutend mit dem Einsatz einer Atombombe", warnte die Behörde in Kiew.

01.45 Uhr: SPD-Chefin Esken: Gerhard Schröder handelt im eigenen Interesse

Die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken hat Altkanzler Gerhard Schröder für seine Äußerungen über eine angebliche Verhandlungsbereitschaft von Russlands Präsident Wladimir Putin im Ukraine-Krieg scharf kritisiert. "Gerhard Schröder agiert nicht als Ex-Kanzler, sondern als Geschäftsmann, und so sollten wir seine Äußerungen auch interpretieren", sagte Esken den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Mit allem, was er tut und sagt, handelt er im eigenen Interesse und in dem seiner Geschäftspartner. "Schröder steht seit langem wegen seiner Nähe zu Putin und zur russischen Öl- und Gaswirtschaft in der Kritik. Auch nach der russischen Invasion in die Ukraine im Februar hat er sich nach Auffassung auch vieler SPD-Genossen nicht ausreichend von Russland distanziert. Ende Juli war der Altkanzler erneut zu Besuch bei Putin in Moskau und gab anschließend dem Magazin "Stern" sowie den Sendern RTL und ntv ein Interview, in dem er mit Blick auf den Ukraine-Krieg behauptete: "Die gute Nachricht heißt: Der Kreml will eine Verhandlungslösung." Diese und andere Äußerungen in dem Interview stießen in Deutschland parteiübergreifend, aber auch international auf massive Kritik.

01.00 Uhr: Hochschulrektorenkonferenz: 21.000 Ukrainer wollen studieren

Rund 21.000 ukrainische Schulabgänger und Studierende wollen eine Hochschule in Deutschland besuchen. Das sagte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Peter-André Alt, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe mit Blick auf das bis Juni geäußerte Studieninteresse. Hinzu kämen noch 10.000 Studierende, die aus der Ukraine geflohen seien, jedoch keine ukrainische Staatsbürgerschaft haben. Vor Beginn des Kriegs galt die Ukraine als beliebter Studienort, gerade für junge Menschen aus ärmeren Ländern. "Die Zahlen sind allerdings volatil, weil es nicht ganz einfach ist, verlässlich zu erfassen, wie viele Studierende und Studienberechtigte aus der Ukraine sich tatsächlich in Deutschland aufhalten", betonte Alt. Das habe auch damit zu tun, dass einige Studierende bereits in die Ukraine zurückgekehrt seien.

Samstag, 06. August 2022

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