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In Russland sollen sich in den nächsten Wochen Hunderttausende gegen Covid-19 impfen lassen können. Auftakt der Impfaktion war heute in Moskau.

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    Russland startet großangelegte Corona-Impfungen

    Während hierzulande noch über die Wirksamkeit von Corona-Impfstoffen diskutiert wird, ist man in Russland schon einige Schritte weiter. In Moskau wurden heute dutzende Impfzentren eröffnet. Es soll der Auftakt einer landesweiten Impfaktion sein.

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    Von
    • Markus Wolf

    So schnell wie möglich zurück zur alten Normalität. Das ist das Ziel vieler Menschen, die unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie leiden. Weltweit hofft man deshalb nun auf einen funktionierenden Impfstoff. Aber selbst wenn dieser gefunden ist, wird es noch einige Zeit dauern, bis genügend Mittel produziert, ausgeliefert und verabreicht werden können.

    Impfungen bislang kostenlos

    In Russland ist man da schon einige Schritte weiter. Dort gibt es bereits einen zugelassenen Impfstoff und auch die Verteilung ist bereits in vollem Gange. In Moskau hat heute eine erste großangelegten Impfung gegen das Coronavirus begonnen. Es soll der Auftakt für eine großangelegte Impfaktion im ganzen Land sein.

    In 70 Kliniken der russischen Hauptstadt haben die Behörden dafür eigens Impfzentren eingerichtet. Dort können sich die Bürger seit dem Morgen das ebenfalls in Russland entwickelte Vakzin "Sputnik V" spritzen lassen. Zunächst sind die Impfungen freiwillig und kostenlos.

    Menge der Vakzine ist begrenzt

    Der Kreis der Personen, die sich zum jetzigen Standpunkt impfen lassen können, ist allerdings beschränkt. Das hatte Präsident Wladimir Putin bereits am Mittwoch angekündigt. Risikogruppen sollen deshalb bevorzugt werden. Mitarbeiter des Bildungs- und des Gesundheitswesens sowie sozialer Dienste, die von Berufs wegen viel Kontakt mit anderen Menschen haben und deshalb einem besonderen Corona-Ansteckungs-Risiko ausgesetzt sind, sollen ebenfalls vorrangig gegen die Lungenkrankheit Covid-19 geimpft werden. Grundsätzlich gilt aber: Personen müssen zwischen 18 und 60 Jahre alt sein. Chronisch Kranke, Schwangere sowie stillende Frauen sind zudem ausgenommen.

    Wie läuft die Impfung ab?

    Über eine Internetseite können sich Interessierte aus diesen Gruppen einen Termin für die Impfung besorgen - maximal zwei Wochen im Voraus. Notwendig dafür ist eine Anmeldung bei einer der 70 Kliniken in Moskau, in denen sich die Impfzentren befinden. Nach Angaben von Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin hatten sich am Freitag innerhalb der ersten fünf Stunden bereits 5.000 Personen in Moskau für die Corona-Schutzimpfung registrieren lassen.

    Die Impfungen selbst nahmen pro Person etwa eine Stunde in Anspruch, wie die Behörden mitteilten. In den ersten zehn Minuten gab es demnach eine medizinische Bestandsaufnahme, 15 Minuten dauerte die Vorbereitung des Präparats, das in gefrorenem Zustand aufbewahrt wird. Die frisch Geimpften mussten dann noch etwa eine halbe Stunde unter medizinischer Beobachtung bleiben. 21 Tage nach der ersten Impfdosis ist dann jeweils eine zweite Injektion nötig.

    Fachleute sich weiter skeptisch

    Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa hatte am Freitag mitgeteilt, dass es 42 Tage dauere, bis sich nach der Impfung eine Immunität gegen das Coronavirus bilde. In dieser Zeit bestehe weiterhin Gefahr, sich mit dem Virus anzustecken. Die Politikerin riet dazu, sich nach einer Impfung für diesen Zeitraum bei Kontakten mit der Außenwelt einzuschränken und keinen Alkohol zu trinken.

    Experten sehen den Einsatz von Sputnik V allerdings weiter skeptisch. Zwar soll Sputnik V gut verträglich sein, kaum Nebenwirkungen haben und die Wirksamkeit des Mittels wird vom Hersteller mit rund 95 Prozent angegeben. In Russland gab es zuletzt jedoch mehrere Fälle, in denen sich etwa bereits geimpfte Ärzte dann doch infizierten und an Covid-19 erkrankten. Russlands oberste Amtsärztin Anna Popowa hatte betont, dass kein Vakzin "einen Menschen komplett vor einem Virus" schützen könne. "Aber die Impfung schützt vor einem schweren Verlauf und vor dem Tod. Unabhängige Studien zu dem Impfstoff sind aber bisher nicht bekannt.

    Putin verteidigt Impfstoff

    Im Sommer verkündeten russische Forscher erste Erfolge bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19. Der Kreml hatte dem Mittel daraufhin noch im August eine Zulassung erteilt, obwohl er sich noch in der letzten Phase klinischer Tests befindet. International sorgte das für große Kritik. Fachleute wiesen daraufhin, dass Sputnik V zu der Zeit nur an wenigen dutzend Testpersonen erprobt worden sei. Wie sicher das Vakzin wirklich sei, könne man ohne umfangreiche Daten nur schwer einschätzen.

    Putin ließ den Einwand unzureichender Tests immer wieder abprallen. Er verwies darauf, dass eine seiner Töchter zu den Ersten gehört habe, die damit geimpft worden seien. Gesundheitsminister Michail Muraschko sagte am Mittwoch, bis dahin sei bereits 100.000 Menschen Sputnik V injiziert worden. Bis Ende Dezember sollen laut Staatschef Putin rund zwei Millionen Impfdosen verabreicht werden. Der 68-Jährige hat sich nach Kremlangaben bisher nicht selbst impfen lassen.

    Höchststand bei Neuinfektionen in Russland

    Der Start der Massenimpfungen in Moskau fiel mit einem neuen Infektionshöhepunkt zusammen. Die russischen Gesundheitsbehörden meldeten am Samstag landesweit mehr als 28.700 Neuansteckungen mit dem Coronavirus. Auch in Moskau steckten sich mit knapp 8.000 neuen Fällen so viele Menschen wie noch nie an einem Tag mit Covid-19 an. Die seit Pandemie-Beginn nachgewiesenen Infektionen in Russland stiegen damit auf mehr als 2,43 Millionen. Gemessen an den absoluten Infektionszahlen ist Russland damit das weltweit am viertstärksten von der Pandemie betroffene Land.

    Die Zahl der Corona-Toten in Russland wurde mit 42.684 angegeben. Zum Vergleich: In Deutschland starben an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 bisher 18.517 Menschen (Stand: 05.12., 00.00 Uhr). Die Zahl der neuen gemeldeten Infektionen innerhalb eines Tages lag am Samstag bei 23.318.

    Impfbereitschaft liegt bei rund einem Drittel

    Trotz der starken Ausbreitung des Coronavirus hat das Russland bisher keinen landesweiten Lockdown verhängt. Die Behörden setzen vor allem auf Beschränkungen in Großstädten und auf den Impfstoff. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Lewada gaben allerdings nur 36 Prozent der Befragten an, sich gegen das Coronavirus impfen lassen zu wollen.

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