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Russischer Forscher will genmanipulierte Babys erzeugen | BR24

© Ulrich Baumgarten

Forscher betrachtet eine Babypuppe in einem Reagenzglas.

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    Russischer Forscher will genmanipulierte Babys erzeugen

    Es ist ein gutes halbes Jahr her, dass ein chinesischer Forscher die Geburt genmanipulierter Babys bekannt gab. Die Empörung war damals groß. Nun kündigt ein russischer Wissenschaftler ebenfalls diesen Tabubruch an, wieder im Kampf gegen Aids.

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    Der russische Forscher Denis Rebrikow will gentechnisch veränderte Babys erschaffen. Einem Bericht des Fachmagazins "Nature" zufolge möchte er HIV-infizierten Frauen Embryonen einsetzen, die er zuvor per Gentechnik vor einer Ansteckung mit dem Aids-Erreger geschützt haben will.

    Er wäre nach dem chinesischen Wissenschaftler He Jiankui der zweite Mensch, der solch ethisch hochumstrittenen Experimente bekannt gibt. Rebrikow möchte die Versuche bestenfalls noch in diesem Jahr beginnen, will allerdings - anders als sein chinesischer Kollege - eine Genehmigung der Behörden abwarten.

    Weltweit erste genmanipulierte Babys in China

    He Jiankui hatte im November vergangenen Jahres die Geburt von zwei genveränderten Babys bekannt gegeben, deren Erbgut er zuvor manipuliert habe. Als Motivation für seine Versuche nannte den Schutz vor einer HIV-Ansteckung. International lösten diese Experimente große Empörung aus. In Deutschland, den USA und vielen anderen Ländern sind derartige Manipulationen an menschlichem Erbgut verboten, weil die Risiken bisher kaum abschätzbar sind und Veränderungen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden.

    Funktionsunfähigkeit des Gens CCR5 als Ziel der Manipulation

    Rebrikow, der am Nationalen Medizinischen Forschungszentrum für Geburtshilfe, Gynäkologie und Perinatalmedizin "Kulakov" in Moskau arbeitet, will wie sein Vorgänger He Jiankui das Gen namens CCR5 funktionsunfähig machen. Das von dem Gen gebildete Protein wird von den HI-Viren in den allermeisten Fällen als Eintrittspforte für eine Infektion der Zellen genutzt. Rebrikow möchte laut "Nature" die Behandlung Frauen anbieten, die auf eine HIV-Standard-Therapie nicht ansprechen und so ein höheres Risiko haben, die Infektion an ihre Kinder weiterzugeben.

    Ethische Bedenken der russischen Akadamie der Wissenschaften

    Rebrikow behauptet, seine etwas abgewandelte Technik biete größere Vorteile und berge weniger Risiken als die von He Jiankui eingesetzte. Sie sei ethisch vertretbarer und für die Öffentlichkeit akzeptabler. Die Russische Akademie der Wissenschaften habe hingegen ethische Bedenken, wie mehrere russische Medien meldeten. Rebrikow habe nach eigenen Angaben bereits mit einem HIV-Zentrum in Moskau eine Vereinbarung getroffen, um dort mit HIV-infizierte Frauen in Kontakt zu kommen, heißt es in dem "Nature"-Bericht.

    Kritik an Genmanipulation durch die Mitentwickler der Genschere

    "Die Technologie ist noch nicht so weit", sagte Jennifer Doudna, eine Mitentwicklerin der Genschere Crispr/Cas 9. Diese Technik haben beide Forscher für ihre Manipulationen benutzt, beziehungsweise nutzen wollen. "Es ist nicht überraschend, aber es ist sehr enttäuschend und beunruhigend."