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Rumänien wählt einen neuen Präsidenten | BR24

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Wählt mich, sonst wird es eine von der Vorgängerregierung – diese Kernbotschaft seines Wahlkampfs präsentiert Staatschef Iohannis kurz vor der Stichwahl. Dabei tritt er gegen die sozialdemokratische Politikerin Dancila an.

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Rumänien wählt einen neuen Präsidenten

Wählt mich, sonst wird es eine von der Vorgängerregierung – diese Kernbotschaft seines Wahlkampfs präsentiert Staatschef Iohannis kurz vor der Stichwahl. Dabei tritt er gegen die sozialdemokratische Politikerin Dancila an.

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"Die Sozialdemokratische Partei hat öfters ihre Masken gewechselt, aber niemals ihren üblen Charakter. Darum muss die PSD gleich für mehrere Jahre in die Opposition gehen!" Applaus ist Iohannis beim Wahlkampfgauftritt in der Hafenstadt Galti sicher, denn er spricht vor Mitgliedern und Unterstützern der national-liberalen PLN – der Partei, die ihn zur Wahl aufgestellt hat

"Wir müssen so deutlich wählen, dass die PSD erst nach vielen, vielen Jahren zurückkehrt. Und in der Zwischenzeit werden wir dieses Land auf die Beine bringen." Klaus Iohannis, rumänische Staatschef

Iohannis macht ganz eigenen Wahlkampf

Der 60-jährige Iohannis hat einen Wahlkampf hinter sich, der nach allen Regeln der Kunst eigentlich hätte schaden müssen. Mit rumänischen Journalisten sprach er während des gesamten Wahlkampfes so gut wie nicht und wenn dann von oben herab. Ebenso wenig stellte er sich – wie in Präsidentschaftswahlkämpfen eigentlich üblich - seinen Herausforderern in Fernseh-Debatten. Und dennoch geht Iohannis als haushoher Favorit in diese Stichwahl und wird aller Voraussicht nach seine zweite Amtszeit als Staatspräsident antreten. Ein scheinbarer Widerspruch, der sich leicht erklären lässt, sagt Ioana Ene Dogiogu, prominente Kolumnistin der unabhängigen Plattform Ziare.com.

"Wenn man den Diskurs in den sozialen Netzwerken verfolgt, wird man kaum jemanden finden, der schreibt: Ich bin für Iohannis, weil er so wahnsinnig gut ist. Die meisten rufen: Gott bewahre uns davor, dass dieses Land in die Hände von jemand wie Viorica Dancila gerät! Darum auf zur Wahl." Ioana Ene Dogiogu, Kolumnistin

Gegenkandidatin vertritt alte Ära

Die ehemalige Ministerpräsidentin und Iohannis Herausforderin Viorica Dancila verkörpert aus Sicht vieler Iohannis-Wähler eine Ära, die sie am liebsten so schnell wie möglich hinter sich lassen würden. Die der ehemaligen sozialdemokratisch geführten PSD-Regierung, die jahrelang den Kampf gegen Korruption und Amtsmissbrauch immer weiter eingeschränkt hatte und in einen massiven Konflikt mit der EU-Kommission geraten war. Dem Pro-Europäer Iohannis, wirft Dancila im Wahlkampf vor, willfähriger Vollstrecker der Interessen Brüssels. Und im Gegensatz zu ihr – kein echter Rumäne zu sein.

"Ich gehe nicht ins Ausland um dort, jenseits der Landesgrenzen Rechenschaft abzulegen. Wenn ich ins Ausland gehe, dann nur, um für Rumänien zu kämpfen, um für die Interessen der Rumänen zu streiten. Und jeder Rumäne soll es ganz genau wissen: Ich bin ein Mensch des Glaubens und der Gottesfurcht. Ich kenne im Leben keine Furcht, außer jener vor Gott und der Angst, mir etwas gegenüber den Rumänen zuschulden kommen zu lassen, zu enttäuschen, wenn ich mein Land und meine Rumänen vertrete." Viorica Dancila, Präsidentschaftskandidatin

Doch Dancilas Chancen, die Rumänen als Präsidentin zu vertreten, stehen schlecht. Bereits bei der ersten Runde der Wahl vor zwei Wochen kam sie nur auf 22,2 Prozent der Stimmen. Iohannis hingegen lockt mit dem Versprochen einer echten Zeitenwende. Sollte er, wie erwartet wiedergewählt werden, hätte das Land zum ersten Mal seit 1992 eine liberale Doppelspitze. Denn der frischgewählte Ministerpräsident Ludovic Orban ist Vorsitzender der PNL, der Iohannis als ehemaliger Parteichef nahesteht.

"Meine Lieben, lasst Euch sagen: Wenn wir es richtig anpacken, haben wir die bisher nie dagewesene Chance, am Ende dieses Jahres einen Präsidenten aus der National-Liberalen Partei - also mich, der hier vor ihnen steht und eine liberale Regierung! Das ist fantastisch!" Ludovic Orban, Ministerpräsident