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Rumänien: Präsident Iohannis vor der Wiederwahl? | BR24

© BR/Clemens Verenkotte

In Rumänien wird heute ein neuer Präsident gewählt. Als eindeutiger Favorit gilt Amtsinhaber Klaus Iohannis. Er wird von der bürgerlichen Partei PNL unterstützt, die erst seit einer Woche regiert. Aber in der Stichwahl könnte es knapp werden.

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Rumänien: Präsident Iohannis vor der Wiederwahl?

In Rumänien wird heute ein neuer Präsident gewählt. Als eindeutiger Favorit gilt Amtsinhaber Klaus Iohannis. Er wird von der bürgerlichen Partei PNL unterstützt, die erst seit einer Woche regiert. Doch in der Stichwahl könnte es knapp werden.

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Rumäniens Präsident Klaus Iohannis könnte heute wieder zum Präsidenten gewählt werden, denn er liegt in den Umfragen mit Abstand vorne.

"Dass er Deutscher ist, spielt eine große Rolle, aber die Rumänien hätten sich eigentlich viel mehr von ihm erwünscht, was die Öffnung des Landes gegenüber dem Westen angeht." Silviu Miron, Rechtsanwalt aus Bukarest

Der 60-jährige Klaus Iohannis gehört der rumäniendeutschen Minderheit der Siebenbürger Sachsen an.

Stichwahl wahrscheinlich

Vermutlich wird Iohannis - trotz seiner guten Umfragewerte - im ersten Wahlgang nicht die erforderliche absolute Mehrheit von über 50 Prozent erzielen. Darum dürfte es zu einer Stichwahl am 24. November kommen.

Der Präsident verkörperte bislang das innenpolitische Gegengewicht zur ehemaligen sozialdemokratischen PSD-Regierung, die jahrelang den Kampf gegen Korruption und Amtsmissbrauch immer weiter eingeschränkt hatte und in massiven Konflikt mit der EU-Kommission geraten war. Iohannis warb im Wahlkampf für eine Rückkehr Rumäniens zu Rechtsstaatlichkeit und Normalität:

"Wir wünschen uns, dass auch wir in Rumänien endlich den Standard der Normalität erreichen. Ein normales Rumänien, das wir uns wünschen, ist jenes, in dem die Politiker ihre Ämter im Interesse der gesellschaftlichen Problemlösung ausüben, und nicht um ihre eigenen Probleme zu lösen, die oft strafrechtlicher Natur sind." Klaus Iohannis

Infrastruktur, Chancengleichheit und Korruption

Junge Wähler richten ihren Blick auf die wesentlichen Herausforderungen ihres Landes: Auf den schleppenden Ausbau der Infrastruktur etwa. So ist Bukarest als einzige Hauptstadt in der EU nicht an das europäische Autobahnnetz angebunden. Ein weiteres Problem ist die mangelnde Chancengleichheit bei der Vergabe von Jobs im öffentlichen Sektor.

Der 18-jährige Stefan Adrian Vancea fürchtet eine geringe Wahlbeteiligung. Er ist Schüler am traditionsreichen deutschsprachigen Bruckentahl-Gymnasium in Hermannstadt. Auch Präsident Klaus Iohannis hat die Schule besucht und dort später als Physiklehrer unterrichtet.

"In unserem Land gibt es viele Personen, die nicht zur Wahl gehen möchten, weil sie satt mit diesen Problemen der Politik sind, weil sie glauben, dass jeder, der an die Macht kommt, ja eine korrupte Person ist", sagt Vancea. Sein Onkel zum Beispiel wolle nicht mehr wählen gehen, weil er niemanden für geeignet halte.

Weitere Kandidaten

Hoffnungen auf das Erreichen der Stichwahl können sich drei weitere Kandidaten machen: Die ehemalige Ministerpräsidentin Viorica Dancila von der sozialdemokratischen PSD, Dan Barna, der Chef der jungen (Antikorruptions-)Partei Union "Rettet Rumänien" und der beliebte Schauspieler Mircea Diaconu. Viorica Dancila, deren Minderheitsregierung Anfang Oktober im Parlament abgewählt worden ist, hofft auf eine Mobilisierung der PSD-Anhängerschaft, um in die zweite Runde kommen zu können:

"Wir brauchen eine Präsidentin, die für jeden einzelnen Rumänen zu kämpfen vermag. Und wenn der Präsident Iohannis sich wirklich nur das Beste für dieses Land wünscht und es wirklich liebt, dann soll er am Wahlsonntag für Viorica Dancila stimmen!" Viorica Dancila, PSD

Auch Chancen: Reformpartei "Rettet Rumänien"

Die Wiederwahl von Klaus Iohannis, so prognostiziert Cristian Pantasi, Co-Chefredakteur des unabhängigen Online-Portales G4media in Bukarest, werde davon abhängen, auf welchen Gegenkandidaten Iohannis in der Stichwahl trifft.

"Wenn er im zweiten Wahlgang auf einen PSD-Kandidaten trifft, liegen seine Gewinnchancen wahrscheinlich bei 120 Prozent. Wenn er in der zweiten Runde gegen Dan Barna antreten würde, der Kandidat der Union 'Rettet Rumänien', dann könnte er einige Schwierigkeiten haben." Cristian Pantasi, Online-Portal G4media

Denn die junge Reformpartei 'Rettet Rumänien' zielt auf eine ähnliche Wählerklientel, wie der Amtsinhaber Klaus Iohannis. Um 20 Uhr deutscher Zeit schließen die Wahllokale, mit verlässlichen Hochrechnungen wird es im Verlauf der Nacht zum Montag gerechnet.

© BR24

Um die Stimmen der rund 18 Millionen Wahlberechtigten bewerben sich 14 Kandidaten. Die besten Aussichten hat den Umfragen zufolge Amtsinhaber Iohannis.