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Rückzug von Reinhard Marx: Spekulationen über die Nachfolge | BR24

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Der Erzbischof von Freising und München will nicht wieder Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz werden. der 66jährige Kardinal Reinhard Marx erklärte dazu, es sei gut, wenn die jüngere Generation an die Reihe käme.

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Rückzug von Reinhard Marx: Spekulationen über die Nachfolge

Vertreter beider Kirchen haben überrascht auf die Ankündigung von Kardinal Reinhard Marx reagiert, er wolle für keine zweite Amtszeit als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz kandidieren. Über die Nachfolge wird bereits spekuliert.

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Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Thomas Sternberg wurde von der Nachricht überrascht: "Ich war schon sehr erschrocken", kommentiert Sternberg die Ankündigung von Kardinal Marx, nicht mehr für den Vorsitz der Bischofskonferenz zu kandidieren.

Sternberg: "Großartiges geleistet"

Marx und Sternberg haben gemeinsam den Synodalen Weg initiiert, bei dem Bischöfe und Vertreter des Kirchenvolks über Reformen diskutieren und entscheiden. Der Synodale Weg werde durch den Rückzug von Marx nicht geschwächt. Denn es seien ja nur wenige Bischöfe gewesen, denen die "ganze Richtung" nicht gepasst habe, sagt Sternberg in Anspielung auf die Fundamentalkritik beispielsweise des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki.

Marx habe "Großartiges geleistet für die Rückgewinnung von Vertrauen und Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche", so Sternberg. Er verkörpere "die Hoffnung auf ein neues Bild der Kirche in Deutschland".

Der Münchner Erzbischof will sich allerdings weiter in den Synodalen Weg einbringen. Deshalb erwartet der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick keine "allzu großen Veränderungen" für den Reformprozess der Katholischen Kirche: "Der Synodale Weg ist von der Bischofskonferenz und vom Zentralkomitee beschlossen. Er wird weitergeführt werden."

Wie schwer es dem Münchner Kardinal gefallen ist, die deutschen Bischöfe zu gemeinsamen Beschlüssen zu motivieren, lässt die Reaktion des designierten Bischofs von Augsburg, Bertram Meier, erahnen: "Den Dienst an der Einheit innerhalb der Bischofskonferenz zu leisten, war sicherlich auch kräftezehrend", sagt Meier.

Bedauern beim evangelischen Kollegen

Bedauern über den Rückzug von Marx vom Vorsitz der Bischofskonferenz äußert auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm. Zwischen ihm und dem Kardinal sei eine echte Freundschaft entstanden. Vor allem bei der Vorbereitung und Durchführung des 500-jährigen Reformationsjubiläums, das man gemeinsam "in ökumenischer Übereinstimmung" gefeiert habe.

Marx will keine zweite Amtszeit

Kardinal Reinhard Marx hatte in einem Brief an seine Bischofskollegen mitgeteilt, dass er nicht mehr für eine zweite Amtszeit kandidieren will. Das stehe schon seit einiger Zeit steht für ihn fest. Er wäre am Ende einer möglichen zweiten Amtszeit 72 Jahre alt. Nun sei die jüngere Generation an der Reihe.

Marx hätte sich bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Mainz zur Wiederwahl stellen müssen. Jetzt werde dort am 3. März ein anderer Bischof gewählt werden müssen, sagte eine DBK-Sprecherin.

Overbeck als möglicher Nachfolger?

Einem Agenturbericht zufolge hat der Kirchenrechtler Thomas Schüller als potentiellen Nachfolger den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ins Spiel gebracht. Overbeck gilt als reformorientierter Bischof, als einer der Oberhirten, die Missstände am härtesten angeprangert und mit dem größten Nachdruck Veränderungen gefordert haben. So äußerte er sich in seiner Neujahrspredigt ungewöhnlich kritisch über den Zölibat: Die verpflichtende Ehelosigkeit sei "für nicht wenige Priester eher eine schwere Last und keine Befreiung für einen größeren Dienst".

Als weitere potentielle Nachfolger werden auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch sowie der Limburger Bischof Georg Bätzing genannt.

Der 66-jährige Marx hatte die Deutsche Bischofskonferenz seit 2014 geleitet. Die DBK ist das Führungsgremium der katholischen Kirche in Deutschland. Allerdings kann sie den einzelnen Bischöfen nichts vorschreiben, dementsprechend trat Marx eher als Initiator und Moderator auf. Der gebürtige Westfale bleibt Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz.

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Der Münchner Kardinal Reinhard Marx gibt das Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) ab. Damit, so Tilmann Kleinjung, läutet Marx einen Generationenwechsel ein. Ein harter Kampf um Reformen haben ihn teilweise auch mürbe gemacht.

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