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Gefährden Wölfe unsere Sicherheit?
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Autoren

Ulrich Hagmann
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Gefährden Wölfe unsere Sicherheit?

Die Mehrheit der Deutschen hatte sich damals gefreut, als das erste Wolfspaar vor knapp 20 Jahren in der Lausitz auftauchte. Es gibt durchaus eine Willkommenskultur für den Wolf in Deutschland. Doch seit die Wölfe näher kommen, in Dörfern gesichtet werden, Schafe, Kälber, Ziegen und manchmal auch Hunde reißen, kippt die Stimmung. In Kaltwasser in der Lausitz zählt Schäfer Uwe Wiedmer fünf Rudel auf, die sich in der Umgebung aufhalten.

"Wie weit geht der Wolf noch? Es ist uns eigentlich versprochen worden: Nein, macht der Wolf nie. Der Wolf ist scheu, der bleibt im Wald, der kommt nicht raus. Es ist nur eure eigene Dämlichkeit, dass ihr die Schafe nicht schützen könnt." Uwe Wiedmer, Schäfer

Der Wolf ist in Europa streng geschützt. Die deutschen Wälder sind voller Wild, Weidetiere oft schlecht geschützt - ideale Bedingungen für den Wolf, der sich von der Lausitz über Brandenburg bis nach Norddeutschland ausgebreitet. 73 Wolfsgebiete, in denen Rudel leben, gibt es mittlerweile in Deutschland.

Über 700 Wölfe in Deutschlands Wäldern

Zuständig für die Erfassung sind die Bundesländer. report München fragte die Umweltministerien aller Flächenländer, wie viele Wölfe sich zum Jahreswechsel in Deutschland aufhalten? Antwort: mindestens 730. Außerdem melden die Bundesländer einen starken Anstieg von getöteten Nutztiere: von 540 in 2015 auf 1.385 im Jahr 2017.

Wölfe als Wahlkampfthema

Für die AfD ist das ein gefundenes Fressen. Mit dem Thema Wolf kann sie die CDU in den kommenden Landtagswahlkämpfen vor sich hertreiben. Die AfD möchte Wölfe zum Abschuss frei geben, um sie zu regulieren - eine populäre Forderung.

"Also man merkt genau, dass die CDU ja in Sachsen die SPD als Koalitionspartner hat, und die SPD will den Wolf natürlich erhalten - und die müssen dann so einen Schlängel-/Mittelweg finden und schieben eben ihre Probleme alle immer an den Bund weiter." Silke Grimm (AfD), Landtagsabgeordnete Sachsen

Wolfsschützer gegen Wolfsgegner

In Bayern gibt es kaum Wölfe, sie kommen dort erst langsam an, Schäden sind vergleichsweise gering. Trotzdem nehmen die Proteste im Süden zu, ob in München oder beim Mahnfeuer gegen Wölfe in der Oberpfalz. Forderungen nach einer Obergrenze für den Wolf werden laut. Das hat die Politik jetzt aufgeweckt. Die Bundeslandwirtschaftsministerin will den Abschuss erleichtern, im Bundesrat läuft eine ähnliche Initiative: Schluss mit der Willkommenskultur! Zur Abwehr ernster Schäden sollen Wölfe zum Abschuss freigegeben werden. Dabei wäre in Deutschland noch viel Platz für Wölfe, meint Experte Ulrich Wotschikowsky. Aber brauchen wir die Wölfe?

"Die Frage ist anmaßend. Die Frage bedeutet: Wir fragen den Schöpfer, warum hast Du uns diese Tiere gegeben." Ulrich Wotschikowsky, Wildbiologe und Forstwissenschaftler

Deutschland ringt um seine Haltung zum Wolf. Der vermehrt sich derweil munter weiter. Um ungefähr 30 Prozent wächst die Population jedes Jahr, sagen Experten.