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Rom zieht Veto gegen Ansgar Wucherpfennig zurück | BR24

© pa/dpa/Frank Rumpenhorst

Ansgar Wucherpfennig

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    Rom zieht Veto gegen Ansgar Wucherpfennig zurück

    Ansgar Wucherpfennig wurde nun doch wieder zum Leiter der katholischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt ernannt. Der Vatikan erteilte die Genehmigung dafür, die er dem Theologen bisher wegen dessen Aussagen zu Homosexualität verweigert hatte.

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    Es ist ein besonderer Abend an der Philosophischen Hochschule der Jesuiten in München. Der CSU-Politiker Theo Waigel soll erster Ehrensenator werden. Viel Prominenz aus Wissenschaft und Politik ist gekommen. Und in der ersten Reihe sitzt ein Mann, dessen Name den meisten im Saal erst seit wenigen Wochen ein Begriff sein dürfte: Ansgar Wucherpfennig, Theologe aus Frankfurt am Main, dessen Ernennung zum Rektor der Jesuiten Hochschule St. Georgen in Frankfurt/Main der Vatikan seit Wochen blockiert hat. Dass Rom das inzwischen anders sieht, wird deutlich, als der Obere der deutschen Jesuiten, Johannes Siebner, das Podium betritt.

    Nihil obstat

    "Was ich hier hochhalten kann, ist ein Dokument der Bildungskongregation. Und die Kurzzusammenfassung ist: Nihil obstat." Johannes Siebner
    © Hochschule für Philosophie München

    Johannes Siebner, der das Schriftstück, durch das das Nihil obstat erteilt wird, hochhält.

    "Nihil obstat" ist der lateinische Ausdruck für eine Unbedenklichkeitserklärung. Diese hat die vatikanische Bildungskongregation in Gemeinschaft mit der Glaubenskongregation Ansgar Wucherpfennig nun endlich erteilt. Er, der bereits im Februar zum Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt gewählt worden war, kann nun endlich dieses Amt antreten. Wucherpfennig hat die Nachricht im Zug nach München erhalten – seine erste Reaktion:

    "Zunächst einmal überrascht, weil es in den letzten Tagen auch andere Meldungen gab und ich den Eindruck hatte, es geht gar nicht weiter. Im Zug bekam ich dann eine SMS vom Provinzial mit zwei Smileys, so dass ich dachte, es könnte doch gut ausgehen. Und das ist jetzt auch meine Reaktion: Ich bin überrascht und froh, dass das Nihil obstat da ist." Ansgar Wucherpfennig

    Positive Äußerungen zu Homosexualität

    In Interviews hatte er sich kritisch zum Umgang der Kirche mit Homosexuellen und mit Frauen geäußert. Er befürwortete Segensfeiern für homosexuelle Paare. Deshalb weigerte sich die vatikanische Glaubenskongregation, Wucherpfennig als Rektor der Hochschule zu bestätigen. Daraufhin gab es massive Kritik in weiten Teilen von Kirche, Wissenschaft und Gesellschaft. Laut einer Mitteilung des Jesuitenordens, hat Wucherpfennig eine Erklärung abgegeben, in der er bestätigte, dem Lehramt der Kirche treu zu sein. Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk bestreitet der Theologe, dass er dafür seine Äußerungen über homosexuelle Paare zurücknehmen musste.

    "Ich soll, wie es im wissenschaftlichen Betrieb üblich ist, die Position der Glaubenskongregation, das heißt, das authentische Lehramt korrekt und fair wiedergeben. Gleichzeitig darf ich als Christ und Forscher meine eigene Meinung sagen, so wie es jeder Christ tun kann. Die Losung ist wie bei Schillers Don Carlos: Sire, gewähren sie Gedankenfreiheit." Ansgar Wucherpfennig

    Wucherpfennig bleibt bei seiner Meinung

    An seiner Position will Wucherpfennig also festhalten. Papst Franziskus hatte ja unmittelbar nach seinem Amtsantritt über homosexuelle Paare gesagt: Wer bin ich, über sie zu urteilen? "Ich glaube, dass es der Kirche gut ansteht, in diese Richtung weiterzudenken", meint Wucherpfennig.

    "Anzuerkennen, dass auch in schwulen und lesbischen Beziehungen etwas Gutes sein kann, das gesegnet werden kann. Das ist die Bedeutung von Segnen. Weil letztendlich dieses Gute von Gott geschenkt ist. Denn Gott ist die Liebe, wie der erste Johannesbrief schreibt." Ansgar Wucherpfennig

    Der Jesuitenorden hat Ansgar Wucherpfennig immer den Rücken gestärkt und sich in Rom für den Theologen eingesetzt. Offenbar mit Erfolg. Der deutsche Ordensobere Johannes Siebner will nun kritisch prüfen, wie es zu der Hängepartie kommen konnte.

    "Ich möchte das Verfahren eines Nihil obstat gar nicht grundsätzlich in Frage stellen. Ob das so richtig ist und ob das so laufen muss, da habe ich meine Fragen. Das wäre auch noch einmal zu evaluieren. Aber ich will jetzt auch kein ganz großes Thema daraus machen. Ich bin jetzt froh, dass der gewählte Rektor auch der ernannte Rektor ist. " Johannes Siebner

    Seit Mitte Oktober läuft an der Jesuitenhochschule in Frankfurt das Semester. Ansgar Wucherpfennig ist froh, dass er endlich in den Hörsaal und an seinen Schreibtisch zurückkehren darf.