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Blick auf das historische Zentrum von Rom

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    Rom ohne Oster-Touristen: Eine tote Stadt

    In normalen Jahren kommen rund eine Million Touristen über Ostern nach Rom. Diesmal ist die Stadt leer. Die Folgen der trostlosen Leere spüren alle: von den Vatikanischen Museen bis zu den Eisdielen.

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    Von
    • Jörg Seisselberg

    Hier kommt fast jede Touristin und jeder Tourist in Rom einmal vorbei. Die Eisdiele Giolitti, mitten im Zentrum, zwischen Pantheon und Parlament gelegen. Normalerweise drängen sich hier besonders zu Ostern die Besucherinnen und Besucher dicht an dicht durch die Gasse. Jetzt steht Besitzer Nazzareno Giolitti alleine im Vorraum der berühmtesten Eisdiele Roms und zuckt mit den Schultern: "Ostern müsste eigentlich ein Fest der Freude sein, mit vielen schönen Sachen. So aber ist Ostern einfach traurig."

    Verschärfte Ausgangsbeschränkungen in Rom

    Denn Rom ist leer. Über die Ostertage 2019 waren nach Angaben des Tourismusverbands Assoturismo noch rund eine Million Besucher in der Stadt. Jetzt gelten Ausgangsbeschränkungen, die für das Wochenende noch einmal verschärft werden. Alle sollen über Ostern zu Hause bleiben, alle Geschäfte müssen schließen, Touristinnen und Touristen sind nicht in der Stadt.

    Bei Giolitti ist der Unterschied zu normalen Zeiten greifbar. Zeiten, in denen hier 15 Minuten Schlangestehen für ein Eis normal waren. "Ihr seht es selbst", sagt der Eisdielen-Besitzer und schaut durch den leeren Raum, "jetzt ist hier und in der ganzen Stadt so gut wie niemand unterwegs". Zumindest ein kleines frisches Angebot halte er in einer Mini-Eistheke noch aufrecht. "Für die Römer", sagt Giolitti, "das Problem aber sind die Touristen, die nicht da sind". Insgesamt, habe er seinen Geschäftsbetrieb um 80 Prozent reduziert. Zumindest bis Samstag dürften sich die Römerinnen und Römer ihr Eis und andere Lebensmittel noch zum Mitnehmen holen.

    Vielen Tourismusbetrieben droht das Aus

    In Italien insgesamt macht der Tourismus rund 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Corona-Hilfen der Regierung sind teilweise mit Verspätung geflossen und können nicht annähernd die Verluste ausgleichen.

    Rund 40.000 Unternehmen stünden vor dem Aus oder seien bereits gescheitert, heißt es von Assoturismo. 100.000 Menschen in der Branche hätten seit Beginn der Corona-Krise ihre Arbeit verloren. Auch Giolitti hat seit über einem Jahr einen Großteil seiner Beschäftigten in Kurzarbeit.

    Corona-Folgen in der Osterzeit besonders spürbar

    Von 1.000 auf Null muss Werner Demmel über Ostern zurückfahren. Rund 1.000 Gläubige kamen in Vor-Coronazeiten zum Leiter des deutschsprachigen Pilgerzentrums, um sich Eintrittskarten und Ratschläge für die Ostertage zu holen. Jetzt steht Pfarrer Demmel in einem leeren Büro und sagt: In den Ostertagen sei der Unterschied zur Vor-Coronazeit besonders spürbar.

    "Der Strom der Pilger und Touristen hat von Jahr zu Jahr zugenommen. Man ist kaum noch von A nach B gekommen, wenn man hier gewohnt hat und etwas dienstlich oder privat erledigen wollte", erzählt Demmel. "Die Trottoirs sind übergequollen vor Menschen. Der Verkehr war knapp vorm Erliegen." Und jetzt? "Und jetzt", sagt der Pfarrer seufzend, "erlebst du eine tote Stadt".

    Rom ohne Pilgernde, ohne Touristinnen und Touristen, mit nur wenigen Einheimischen auf der Straße. Über allem ein Papst, der sein Programm zum wichtigsten Fest der Christenheit drastisch reduziert hat. "Gerade die Karwoche ist ja voll mit Liturgie. Von Gründonnerstag bis Ostersonntag ist jeden Tag Highlight hier", erinnert sich Demmel an die Jahre vor Corona, "das jetzt alles in abgespeckter Form und nur online zu erleben, ist schon trostlos".

    Prozession mit Papst - aber ohne Pilger

    Franziskus hat auf die traditionelle Fußwaschung in Gefängnissen oder Flüchtlingsheimen verzichtet. Stattdessen zelebrierte Kardinal Battista Re eine Messe im Petersdom. Wie bereits im vergangenen, ebenfalls schon von der Pandemie geprägten Jahr gibt es auch keine Karfreitags-Kreuzwegprozession am Kolosseum, die häufig von zehntausenden Menschen verfolgt wurde. Stattdessen zelebriert der Papst die Prozession auf dem für Pilger gesperrten Petersplatz.

    Zur Ostermesse am Sonntag wird der Papst ebenfalls weitgehend alleine sein, der Segen "Urbi et Orbi" aus dem Petersdom kommt per Fernsehen, Radio und Online zu den Gläubigen.

    "Im Moment leben wir auf einer Sparflamme", sagt Pilgerpfarrer Demmel, "wir hoffen, dass es danach wieder aufwärts geht." Aber auch er befürchtet Langzeitfolgen. Viele Pilgerhäuser hätten große Schwierigkeiten, weil seit über einem Jahr kaum Pilgerinnen und Pilger kommen könnten. Einige Häuser seien von Schließungen bedroht.

    Vatikan kürzt Budget und Gehälter

    Der benachbarte Vatikan hat sein Budget für dieses Jahr um ein Drittel zusammengestrichen, die Gehälter auch von Kardinälen und Priestern gekürzt. Denn wichtige Einnahmequellen wie die Vatikanischen Museen liegen brach. Vom Ostertourismus in Rom profitierten in der Vergangenheit auch sie: An den Ostertagen hatten die Vatikanischen Museen in zurückliegenden Jahren pro Tag durchschnittlich 25.000 Besucher. Bei einem Regeleintrittspreis von 19 Euro gehen somit allein über Ostern rechnerisch rund eine halbe Million Euro täglich verloren.

    Monsignore Paolo Nicolini, stellvertretender Direktor der Vatikanischen Museen klammert sich an die Hoffnung, dass "die Impfungen rund um die Welt" irgendwann Besserung bringen: "Damit die Menschen bald wieder reisen und Schönheit der Museen genießen können."

    Hoffen auf das nächste Jahr

    Auch Nazzareno Giolitti in seiner legendären Eisdiele in der Innenstadt hofft, dass Rom das letzte Mal zu Ostern so leer ist. Seit der Antike gebe es Touristen hier, sagt Giolitti, "deswegen vermissen wir Römer die Gäste in unserer Stadt".

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