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Grünen-Politiker Robert Habeck

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    Robert Habeck: Der Menschenfänger von der Küste im Porträt

    Philosoph, Pferdeflüsterer, Posterboy: Mit Robert Habeck erleben die Grünen einen Höhenflug. Dennoch tritt er im anstehenden Wahlkampf für die Bundestagswahletwas in den Hintergrund - und überlässt der Co-Vorsitzende Baerbock die Kanzlerkandidatur.

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    Von
    • Björn Dake

    Fahrradwege. Deshalb ist Robert Habeck in der Politik. Eigentlich ging es ihm nur darum, dass seine Söhne sicher in Schleswig-Holstein unterwegs sind. Habeck ging zu den Grünen und weil gerade niemand anderes wollte, wurde er prompt Kreisvorsitzender. 2002 war das.

    Zwei Jahre später ist Habeck Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein, 2009 übernimmt er den Fraktionsvorsitz im Kieler Landtag. Habeck war Agrar- und Umweltminister sowie Vize-Ministerpräsident einer Jamaika-Koalition. Seit 2018 ist der 51-Jährige zusammen mit Annalena Baerbock Bundesvorsitzender der Grünen.

    Angstfrei an die Spitze der Grünen

    "Ich bin frei von Angst", sagt Habeck in einem Interview. "Ich hatte ein Leben vor der Politik, und ich weiß darum, dass es auch ein Leben nach der Politik geben kann. Das gibt mir eine innere Freiheit."

    Das Leben vor der Politik: Apothekersohn aus Lübeck. Studium in Freiburg, Roskilde und Hamburg. Doktor der Philosophie. Schriftsteller. Zusammen mit seiner Frau Andrea Paluch schreibt er Romane ("Unter dem Gully liegt das Meer", "Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf").

    Neuer Pragmatismus, neue Generation

    In der Politik tritt Habeck unideologisch auf. Mit der grün-typischen Einteilung "Realos" und "Fundis" kann er nichts anfangen. "Diese Flügellogik ist so Achtziger!" Habeck steht für eine neue Generation der Grünen. Er unterscheidet sich dabei vom Spitzenpersonal der rot-grünen Regierung zwischen 1998 und 2005 wie Jürgen Trittin, Renate Künast oder Claudia Roth. Auch im Stil.

    Habeck postet auf Instagram Fotos: Auge in Auge mit Pferden. Habeck wirkt sensibel, manchmal melancholisch, fehlbar. "Man kann als Politiker auch mal sagen: Ich weiß hier nicht weiter." Habeck muss das mehrfach sagen. Im Herbst 2019 weiß er in einem Interview nicht, wie die Pendlerpauschale genau funktioniert. Von Twitter und Facebook verabschiedet er sich nach einem missglückten Wahlaufruf.

    Der Menschenfänger Robert Habeck

    Habeck ist ein Menschenfänger. Er geht auch auf Menschen zu, die nicht sofort im Verdacht stehen, grün zu wählen – Fischer, Landwirte, Industriebosse und Soldaten zum Beispiel. Er hat die Grünen geöffnet.

    Nörgelei will er Optimismus entgegensetzen. Das Image der Verbotspartei versucht er abzustreifen. "Auch die, die nicht in den Biomarkt gehen und weiter Currywurst essen wollen, müssen sich anerkannt fühlen."

    "Vaterlandsliebe fand ich zum Kotzen"

    Begriffe wie "Heimat" oder "Patriotismus" will er nicht den Konservativen überlassen. In seinem Buch "Patriotismus. Ein linkes Plädoyer2 schreibt er 2010: "Patriotismus, Vaterlandsliebe also, fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland nichts anzufangen und weiß es bis heute nicht."

    Habeck wirbt stattdessen für einen Verfassungspatriotismus, für das Gemeinwohl. In einem Interview philosophiert er: "Heimat ist das Gegenteil von Hotel: Dort ist man nicht zu Hause, trägt keine Verantwortung."

    Klarer Machtanspruch der Grünen

    Das Wort "Verantwortung" fällt bei den Grünen häufig – vor allem in der Corona-Politik. Statt mit der Krisenpolitik der Bundesregierung abzurechnen, kritisieren die Grünen nur einzelne Elemente. Vom Grünen-Spitzenpersonal heißt es dazu: Jetzt sei nicht die Zeit für parteipolitische Profilierung.

    Habeck lässt keinen Zweifel: Er will regieren. Nicht nur als Junior-Partner in einer Koalition. Beim Grünen-Parteitag im vergangenen November formulierte er den klaren Machtanspruch: "Erstmals kämpft eine dritte Partei ernsthaft um die Führung dieses Landes."

    Mit Habeck oder Baerbock in den Bundestagswahlkampf?

    Auf das Werben zum Beispiel von CSU-Chef Markus Söder ("Schwarz-Grün hätte einen großen Reiz"), reagiert Habeck nüchtern. Ein Bündnis mit CDU und CSU nennt Habeck "eine von mehreren rechnerischen Optionen".

    Im anstehenden Wahlkampf für die Bundestagswahl tritt der 51-Jährige etwas in den Hintergrund - und überlässt der Co-Vorsitzende Baerbock die Kanzlerkandidatur.

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