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Jens Spahn (r., CDU), Lothar Wieler (m.), und Klaus Cichutek

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RKI-Chef Wieler: "Mobilität ist ein Treiber von Pandemien"

Die Corona-Infektionszahlen sinken, zugleich werden immer mehr Fälle mit Corona-Mutanten nachgewiesen. Bundesgesundheitsminister Spahn setzt auf das Impfen. Teil des Krisenmanagements ist es aber auch, Reisen weiter einzuschränken.

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Von
  • Birgit Schmeitzner

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht angesichts der Corona-Infektionszahlen von einem "positiven Trend". Die teilweise sehr harten Einschränkungen im privaten und öffentlichen Leben "machen einen Unterschied und wirken". Dennoch: Das alles reiche noch nicht.

Das sieht auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts so. Lothar Wieler verweist dabei zum einen auf die Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen. Dazu komme die Sorge, dass sich die neuen und wohl deutlich ansteckenderen Virus-Mutationen ausbreiten. Wieler ist der Ansicht, dass die Intensivstationen einen neuerlichen Anstieg an Covid-19-Patienten nicht verkraften können. Laut Bundesgesundheitsministerium sind mittlerweile 150 Fälle durch die neuen Corona-Varianten nachgewiesen.

Jede unnötige Reise unterlassen

RKI-Chef Wieler appelliert an die Menschen, auf Reisen zu verzichten, um das Virus nicht an andere Orte zu verschleppen. Mobilität sei nun mal ein Treiber von Pandemien – ob nun aus dem Ausland nach Deutschland oder andersherum. Er gehe davon aus, dass künftig auch hierzulande mehr Virus-Varianten auftauchen.

Die Bundesregierung berät derzeit über Beförderungsbeschränkungen. Das Bundesinnenministerium hat einen Vorschlag ausgearbeitet, der eine Regelung bis Mitte Februar vorsieht. Nach dpa-Informationen könnte sie schon morgen in Kraft treten.

Verordnung für Einreisesperren in Arbeit

Einer Ministeriumssprecherin zufolge richtet sich die Verordnung nicht an Reisende, sondern an die Beförderer. Also an Fluglinien, Bahn-, Bus- und Schiffsunternehmen. Diese sollen Passagiere nur in Ausnahmefällen nach Deutschland transportieren dürfen.

Laut Bundesgesundheitsministerium soll das für Länder gelten, in denen die neuen Virusvarianten dominieren. Das sind aktuell Großbritannien, Irland, Portugal, Südafrika und Brasilien. Es ist aber davon auszugehen, dass die Liste länger wird.

Spahn: Es liegen harte Wochen vor uns

Ein breites Impfen der Bevölkerung soll die Gefahr der Ansteckung verringern und Einschränkungen verzichtbar machen. Bundesgesundheitsminister Spahn räumt ein, dass der Start der Impfkampagne "schwierig" war. Es sei weniger Impfstoff geliefert worden als erwartet, die Hotlines für die Zuteilung von Terminen seien teilweise schwer erreichbar gewesen. Er verstehe die Ungeduld, sagt Spahn und kündigt "noch einige harte Wochen der Knappheit" an.

Der Impfgipfel am Montag sei eine gute Gelegenheit, die Lage zu besprechen und realistisch einzuschätzen, was an Verbesserungen möglich ist und was nicht. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, es gehe um einen Austausch mit den Impfstoffherstellern und Vertretern der EU-Kommission und die Frage: "Wo können Schrauben sein, an denen wir drehen können?" Beschlüsse erwartet Seibert aber nicht.

Paul-Ehrlich-Institut: Impfstoffe gut verträglich

Vorbehalte gegen die Impfstoffe kann der Chef des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, nicht nachvollziehen. Laut Cichutek wird darauf geachtet, wie es den Geimpften ergeht. Ein Abgleich auch mit ausländischen Datenbanken zeige: "Insgesamt werden die Impfstoffe von Millionen Menschen gut vertragen." In Deutschland habe es bisher 22 gesicherte Fälle eines anaphylaktischen Schocks gegeben, also eine schwere allergische Reaktion. Deswegen die Vorschrift, dass die Ärzte jeden Geimpften nach dem Pieks mindestens 15 Minuten lang beobachten müssen.

Zu den 69 Todesfällen, die bisher gemeldet wurden, sagt Cichutek: Es gebe keinen Grund zur Annahme, dass der Tod durch die Impfung eintrat. Es sei plausibel, "dass die Grunderkrankungen der Betroffenen zum Versterben geführt haben". Mit Blick auf Mutmaßungen, eine Impfung könne unfruchtbar machen oder die DNA verändern, wird der PEI-Präsident deutlich: Solche "Fake News, die da herumschwirren, das ist alles Quatsch". Gesicherte Informationen finde jeder auf den Seiten des Paul-Ehrlich-Instituts und des Robert-Koch-Instituts.

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"Der Start der Impfkampagne war schwierig", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin. Er könne Ungeduld verstehen, nannte aber die schnelle Entwicklung von Impfstoffen eine "Erfolgsgeschichte in der Medizin".

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