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Retourkutsche aus Teheran in der Straße von Hormus | BR24

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Der Iran hat die britische Regierung vor einer Eskalation der Krise gewarnt. Es gebe politische Kreise in London, die Spannungen jenseits des Tankerstreits wollten, twitterte der iranische Botschafter in London Hamid Baeidinedschad.

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Retourkutsche aus Teheran in der Straße von Hormus

Der Iran gibt den britischen Tanker "Stena Impero" weiterhin nicht frei. Aussagen in Teheran deuten darauf hin, dass es eine Antwort auf den Streit um den vor Gibraltar gestoppten iranischen Öltanker war.

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Es ist Thema im iranischen Fernsehen und auf den Titelseiten der Zeitungen: "Neuer Skandal um das Reich der Lügen" steht da oder "Wir haben nur Nachteile durch die Verhandlungen mit den USA". Das spricht vielen Teheranern aus dem Herzen, die der Meinung sind, dass der Iran im Konflikt mit dem Westen zurückschlagen müsse.

Jetzt hat der Iran den britischen Tanker "Stena Impero" festgesetzt. Zunächst wurde es als normaler Vorgang dargestellt. Das Schiff habe sich nicht an die Regeln gehalten, erklärte Allahmorad Afifipour, Chef der Hafen- und Schifffahrtsbehörde von Bandar Abbas, wo die "Stena Impero" im Moment liegt. "Wir wurden informiert, dass ein britischer Tanker auf der Durchfahrt in einen Unfall mit einem Fischerboot verwickelt ist", sagte er. "Es wurde ein Notruf gesendet. Leider hat ihn das britische Schiff ignoriert, dann aber seinen Kurs geändert." Das widerspreche internationalen Regeln.

Wächterrat: Antwort auf Wirtschaftskrieg

Deshalb sei das Militär gebeten worden, einzugreifen. Das Schiff wurde demnach "beschlagnahmt." Die Besatzung mit 23 Mitgliedern aus verschiedenen Nationen, wie Indien, Russland, den Philippinen und Litauen, dürfe das Schiff nicht verlassen.

Inzwischen klingen die Hintergründe allerdings etwas anders. Der Sprecher des Wächterrates sagte, der Iran wehre sich damit gegen einen illegitimen Wirtschaftskrieg. Hintergrund ist der Streit um einen Supertanker, der Anfang des Monats vor Gibraltar beschlagnahmt wurde - mithilfe der britischen Marine. Das Schiff hat iranisches Rohöl - angeblich für Syrien - an Bord.

Ein Gericht entschied erst am Freitag, dass der Tanker noch für weitere 30 Tage Gibraltar nicht verlassen dürfe. Am 15. August soll es eine Anhörung geben. Der Iran bestreitet, dass das Öl nach Syrien sollte und fordert, dass der Tanker sofort freikommt.

Telefonate und Twitter-Attacken

Im Streit zwischen Iran und Großbritannien um den Tanker "Stena Impero" haben die Außenminister Mohammed Dschawad Sarif und Jeremy Hunt miteinander telefoniert. Hunt brachte nach eigenen Angaben seine "tiefe Enttäuschung" über die Situation zum Ausdruck. Teheran betreibe keine Deeskalation, schrieb Hunt bei Twitter. "Die britische Schifffahrt muss und wird geschützt werden."

Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA teilte mit, Sarif habe bei dem Telefongespräch juristische Schritte gegen den beschlagnahmten Öltanker "Stena Impero" ins Spiel gebracht. "Der Stopp des britischen Tankers erfolgte wegen maritimer Verstöße und auf Wunsch der hiesigen Hafenbehörden", sagte Sarif demnach.

Der Stopp des britischen Tankers sei daher legitim gewesen und der Fall müsse dementsprechend auch juristisch überprüft werden. Trotzdem solle der Vorfall nicht zu Spannungen zwischen den beiden Ländern und einer Eskalation der Krise am Persischen Golf führen, erklärte er laut IRNA.

Hunt sagte nach der zweiten Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats (Cobra) in London, dass das Schiff in den Gewässern des Omans gestoppt worden sei. Es bestehe weiterhin der Wunsch, die Situation nicht eskalieren zu lassen.

Bilder wie eine Trophäe

Auch der iranische Militäranalyst Mehdi Bakhtiari stellt einen direkten Zusammenhang her: "Hätte man unseren Tanker vor Gibraltar nicht festgesetzt, hätte der Iran all das nicht gemacht." Der Iran agiere normalerweise in solchen Situationen nicht fahrlässig.

Unterdessen werden Bilder der "Stena Impero" im iranischen Fernsehen gezeigt. Sie wird fast wie eine Trophäe präsentiert. Der iranische Militäranalyst Mohammad Shaltouki geht dennoch davon aus, dass der Konflikt bald beigelegt wird. "Denn der Iran hat seine Position schon mit einer Gegenreaktion klar gemacht, indem er den britischen Tanker festgesetzt hat", sagt er. "Der Westen werde am stärksten unter dieser unsicheren Lage in der Region am Persischen Golf leiden." Das werde sich auf die wirtschaftliche Lage dort niederschlagen.

Damit könnte er sogar teilweise recht haben. London legte britischen Schiffen nahe, die Straße von Hormus zu meiden. Normalerweise sind 15 bis 30 Schiffe in der Region. Die Straße ist für den internationalen Ölhandel extrem wichtig. Würde sie gesperrt, hätte das nach Ansicht von Experten katastrophale Folgen für den Welthandel insgesamt.

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Der britische Tanker "Stena Impero" ankert vor der iranischen Küste, die Besatzung darf nicht von Bord. Das Schiff soll zuvor mit einem Fischerboot zusammengestoßen sein. Großbritannien drohte dem Land mit Konsequenzen.