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Report des Weltklimarats: Die Klimazonen verschieben sich | BR24

© pa / dpa / Federico Gambarini

Ausgetrockneter Boden am Rheinufer in Düsseldorf

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    Report des Weltklimarats: Die Klimazonen verschieben sich

    Der Bericht des Weltklimarats wird offiziell erst im August vorgestellt. Doch ein Entwurf liegt dem Südwestrundfunk bereits jetzt vor. Zentrale Erkenntnis: Die Klimazonen verschieben sich in Richtung der Pole, Dürren und Extremwetter werden häufiger.

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    Der neue Bericht des Weltklimarates IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) wird Anfang August vorgestellt. Er fasst den aktuellen, weltweiten Stand der Wissenschaft zusammen. Dem SWR liegt ein Entwurf vor. Daraus geht hervor, dass die Durchschnittstemperatur weltweit in den vergangenen gut 140 Jahren um 1,41 Grad Celsius zugenommen hat. Vor allem die Landmassen hätten sich seit 1880 erwärmt, so die rund 60 Wissenschaftler aus rund 30 Ländern. Auf den Meeren geschah der Prozess bislang nicht ganz so schnell wie der an Land.

    Das Szenario eines Katastrophenfilms

    Die Szenarien lesen sich wie das Drehbuch für einen Weltuntergangsfilm: Aus ehemals fruchtbaren Landschaften werden Wüsten, aus Permafrostböden matschige Sümpfe, Überschwemmungen reißen das Erdreich mit, die Landwirtschaft leidet unter langen Dürren, die Menschen unter Hitzewellen - die Ernährung sicher zu stellen, wird immer schwieriger. Diese Szenarien entspringen keiner Phantasie. Mit ihnen beschreiben die Wissenschaftler die Auswirkungen des Klimawandels.

    Pariser Klimaziele nicht ambitioniert genug?

    Die Entwicklung ist vor allem in der Diskussion über die Pariser Klimaziele interessant. In der Vereinbarung über die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen hatten sich die Vertragspartner im Dezember 2015 darauf geeinigt, die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen und die Emissionen von Treibhausgasen wie zum Beispiel CO2 zu verringern. Da der Klimawandel immer schneller von statten geht, wie zuletzt Forscher aus Bern erneut herausstellten, erscheinen die Klimaziele als ambitioniert.

    Die Experten des Weltklimarats schreiben nun, dass bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad die Lebensgrundlage von bis zu 500 Millionen Menschen weltweit bedroht sei - unter anderem durch Wassermangel und durch die Ausdehnung von Wüsten.

    Auch der Klimaforscher Janus Schipper vom Karlsruher Institut für Technologie verweist auf die hohe Geschwindigkeit der derzeitigen Veränderungen. In der Tagesschau vom 25. Juli sagte er, dass der Klimawandel nicht mehr auf natürliche Faktoren zurückzuführen sei: "Natürlich gab es das in der Erdgeschichte schon sehr häufig. Allerdings ist die Geschwindigkeit und Wucht in den letzten 100, 150 Jahren so hart, dass man es nicht mehr anders erklären kann."

    Extremwetter nimmt zu

    Der neue IPCC-Bericht fasst vieles von dem zusammen, was Klimaforscher vorher schon wussten. Zum Beispiel hätten Frequenz und Intensität der extremen Wetterereignisse zugenommen, schreiben die Wissenschaftler. Dazu passt die Feststellung in dem Bericht, dass der diesjährige Monat Juni weltweit der wärmste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnung war.

    Ähnliches hatte schon der Deutsche Wetterdienst Anfang Juli berichtet. "Der Juni 2019 war sowohl in Deutschland wie auch in Europa der wärmste Juni seit Beobachtungsbeginn", schrieben die Meteorologen aus Offenbach in einer Mitteilung.

    Zahl der Dürren und Hitzewellen angestiegen

    Laut IPCC ist die Zahl der Dürren und Hitzewellen in Folge des Klimawandels global angestiegen. Das könne man heute schon mit einer hohen wissenschaftlichen Genauigkeit belegen, so die Wissenschaftler. In Zukunft werden sie dem Bericht zufolge vor allem in Zentraleuropa, der Mittelmeerregion, dem südlichen Amazonasgebiet sowie dem südlichen Afrika zunehmen.

    Das Klima wandert

    Als weiteres Resultat der menschengemachten globalen Erwärmung hätten sich darüber hinaus die Klimazonen verschoben, schreiben die Forscher. Die gemäßigte Klimazone, in der auch Europa liegt, sei weiter nach noch Norden gewandert. In den Gebirgen hätte sich die Zoneneinteilung in immer höhere Lagen verschoben. Diese Entwicklung werde wohl anhalten, so die IPCC-Wissenschaftler. In den tropischen Regionen werde es dann ein neues, heißes Klima geben.

    Großer Einfluss der Landwirtschaft

    Das Treibhausgas CO2 entsteht zum großen Teil durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern. Darüber hinaus habe die Landwirtschaft weltweit einen erheblichen Einfluss auf den Klimawandel, heißt es in dem Bericht. Rund 22 Prozent der weltweit vom Menschen ausgestoßenen Klimagase stammen demnach aus der Land- und Forstwirtschaft. Beim besonders klimaschädlichen Methan sei die Landwirtschaft sogar für rund die Hälfte der weltweiten Emissionen verantwortlich. Hauptverursacher seien hier die Massentierhaltung und der Reisanbau.

    Plädoyer für erneuerbare Energien

    Die IPCC-Wissenschaftler kommen in dem Bericht zu dem Schluss, dass durch den verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien, wie Sonne, Wind und Wasser, die Klimaerwärmung verlangsamt werden könnte. Der Weltklimarat wurde vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gegründet. 195 Staaten sind Mitglied des Weltklimarats.