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Rentner in Österreich: Mehr Geld, früher Ruhestand | BR24

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Österreichische Rentner haben mehr Geld als deutsche. Ihr Rentenniveau ist deutlich höher und sie müssen nicht so lange arbeiten. Fragt sich: Wie machen die das? Und: Taugt das Modell als Vorbild für Deutschland?

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Rentner in Österreich: Mehr Geld, früher Ruhestand

Österreichische Rentner haben mehr Geld als deutsche. Ihr Rentenniveau ist deutlich höher und sie müssen nicht so lange arbeiten. Fragt sich: Wie macht Österreich das? Und: Taugt das Modell als Vorbild für Deutschland?

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Österreich gilt als Paradies für Rentner. Grund sind Beispiele wie Gudrun Merz (Name geändert). Die 66-jährige Wienerin ist seit neun Jahren Rentnerin beziehungsweise Pensionistin, wie man in Österreich sagt.

Gudrun Merz hat 35 Jahre lang gearbeitet sie war Sachbearbeiterin in einem Bauunternehmen. Nach der Geburt ihrer beiden Kinder hat sie zwei Mal für längere Zeit ausgesetzt, danach in Teilzeit gearbeitet.

"Das war in Ordnung, weil mir die Kinder wichtig genug waren, dass ich diese Unterbrechungen in Kauf genommen habe. Natürlich ist mir etwas entgangen, dadurch, dass mein Verdienst geringer war. Aber damit habe ich kein Problem." Gudrun Merz, Pensionistin in Wien

Trotz Teilzeit und Kindererziehung: 1500 Euro netto

Gudrun Merz bekommt eine Regelpension von 1300 Euro Netto im Monat. Rechnet man das in Österreich auch für Rentner übliche Weihnachts- und Urlaubsgeld dazu, kommt sie auf etwa 1500 Euro netto im Monat.

Und das trotz Teilzeitarbeit, Erziehungszeiten und der Tatsache, dass Gudrun Merz im Berufsleben nicht zu den Spitzenverdienen gehört hat. Beamte oder Angehörige bestimmter Berufe bekommen noch deutlich mehr Rente.

Die Kehrseite: Höhere Beiträge und gedeckelte Bezüge

In Österreich ist das möglich, weil dort anders als in Deutschland auch Selbständige und Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und der Rentenbeitrag mit rund 22 Prozent deutlich höher liegt als in Deutschland – er muss ohne Grenze nach oben bezahlt werden. Außerdem ist die Rentenhöhe gedeckelt.

Die private und betriebliche Vorsorge ist wenig ausgebaut und der Staat schießt jedes Jahr Milliarden zu, sagt Thomas Url. Er ist Rentenexperte am Wiener Institut für Wirtschaftsforschung:

"Es ist tatsächlich so, dass aus privaten und betrieblichen Quellen etwa zehn Prozent eines Pensionseinkommens fließen und die restlichen 90% aus der öffentlichen Pension kommen. Da sieht man, dass wir im internationalen Vergleich sicherlich ein sehr stark und dominant ausgebautes öffentliches Pensionssystem haben." Thomas Url, Rentenexperte in Wien

So kommt es, dass rund ein Viertel des Staatshaushalts in die Altersvorsorge fließen.

Kritiker befürchten Überforderung des Systems

Problematische Entwicklung: Das Regelpensionsalter liegt für Männern bei 65, für Frauen bei 60 Jahren. Die Österreicher gehen im Schnitt aber deutlich früher in Rente, mit 60 Jahren. Und das trotz Abschlägen von 7 Prozent pro Jahr. Hinzu kommt:

"Die Pensionsbezugsdauer hat sich langfristig in Österreich von zwölf Jahren auf 20 Jahre ausgeweitet und wird auch in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen." Thomas Url, Rentenexperte in Wien

Das österreichische Rentensystem wird aus diesen Gründen kritisiert. Wenn immer mehr Menschen immer länger hohe Renten beziehen, entstehe eine immer größere Finanzierungslücke, die den Staatshaushalt irgendwann überfordern könnte – so die Kritiker. Gudrun Merz formuliert das so:

"Ich mache mir Gedanken, vor allem deswegen, weil ich sehr zufrieden sein kann und mir das für die Zukunft auch wünschte. Und da beginnt man schon zu überlegen, ob das funktionieren kann.“ Gudrun Merz, Pensionistin in Wien

Einwanderung als stabilisierender Faktor

Rentenexperte Thomas Url ist optimistisch und verweist auf eine Simulationsrechnung der Europäischen Kommission. Im Zeitraum 2018-2070 würden demnach die Staatsausgabe für die Altersvorsorge in Österreich um 0,5 Prozent des Bruttoinnlandsprodukts steigen.

"Und das ist eine Größenordnung, die aus anderen Bereichen des Staatshaushaltes finanziert werden kann, bei ausreichendem politischen Willen." Thomas Url, Rentenexperte in Wien

Die Rechnung gehe nur auf, weil in die österreichische Bevölkerungsentwicklung auch Zuwanderung einberechnet sei, so Thomas Url. Die garantiere, dass die erwerbsfähige Bevölkerung bis 2070 in etwa konstant bleibt. Das heißt: Österreich kämpft nicht wie Deutschland mit dem Phänomen, dass die erwerbsfähige Bevölkerung rückläufig ist und immer weniger Erwerbstätige im Umlagesystem immer mehr Rentner finanzieren müssen.

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Dossier Politik

Autoren
  • Srdjan Govedarica
  • Carola Brand
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