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Rente mit 68: Der Reformvorschlag wird heftig diskutiert. Die Spanne in anderen europäischen Ländern reicht von 30 Prozent in Litauen bis zu 90 Prozent in Österreich. In Deutschland liegt das Rentenniveau knapp unter dem Durchschnitt der OECD-Länder.

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Arbeiten bis 68: Und wieder grüßt die Renten-Diskussion

In regelmäßigen Abständen gibt es Empfehlungen und Forderungen, das Renteneintrittsalter zu erhöhen. Mal sollen die Leute bis 70 arbeiten, mal, bis sie 68 Jahre alt sind. Was ist dran an solchen Vorschlägen? Und was müsste sich generell ändern?

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Von
  • Anita Fünffinger

Diesmal war es also der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium. Die Forscher rechneten dem Haus von Peter Altmaier (CDU) vor: Wenn der Beitragssatz für die Versicherten maximal 20 Prozent betragen und das Niveau für die Rentenbezieher bei mindestens 48 Prozent bleiben soll – so wie es der Staat für die nächsten Jahre versprochen hat - dann muss die Politik an anderen Stellschrauben drehen.

Diskussion zeigt Handlungsbedarf beim Thema Rente

Dass das bestehende Rentensystem so, wie es ist, nicht bleiben kann, ist in weiten Teilen von Politik, Wirtschaft und Forschung unstrittig. An irgendeiner Stelle muss sich etwas ändern. Die Annahme des Generationenvertrags unter Konrad Adenauer, dass immer genügend Beitragszahler geboren werden, um die Rente der Alten zu zahlen, ist überholt.

Es reicht ein Blick in die Statistik: Das Verhältnis der arbeitenden Bevölkerung zu denjenigen im Ruhestand verschiebt sich jedes Jahr mehr. Die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland steigt, und bald wird die sogenannte Babyboomer-Generation in Rente sein. Der Anteil der Rentner ist zu hoch, um das bestehende Rentensystem einfach weiterhin gleichbleibend fortzuführen.

Mehrere Möglichkeiten, um die Rente zu reformieren

Doch an welcher Stelle soll und kann der Staat etwas ändern? Das Renteneintrittsalter zu erhöhen, ist nur eine Möglichkeit. Der Staat hat mehrere Stellschrauben zur Verfügung:

  • Rentenbeiträge erhöhen
  • Eine Erhöhung der Rentenbeiträge führt zu höheren Einnahmen der Rentenkasse. Das müssen die Arbeitnehmer und die Arbeitgeber gleichermaßen bezahlen. Die Beschäftigten hätten einen geringeren Nettoverdienst, die Firmen müssen einen höheren Rentenbeitrag bezahlen.

  • Rentenhöhe senken
  • Das Rentenniveau sinkt noch weiter. Derzeit liegt es bei knapp 48 Prozent. Allerdings wird im Laufe der nächsten Jahre die Rente voll besteuert. Die Rentner hätten bei einem niedrigeren Rentenniveau also noch weniger Geld in der Tasche.

  • Renten kürzen
  • Die Renten in Deutschland sind an die Lohnentwicklung gekoppelt. Steigen die Löhne, steigen die Renten. Wegen der Corona-Pandemie hätten die Renten in diesem Jahr eigentlich sinken müssen. Eine Rentenkürzung ist aber bislang gesetzlich verboten.

  • Steuermittel ins System pumpen
  • Der Staat zahlt immer höhere Zuschüsse an die Rentenkasse. Der Steueranteil im Rententopf ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen. Mit dem ursprünglichen Rentensystem hat das nicht mehr viel zu tun. Und Steuereinnahmen sprudeln auch nur in konjunkturell guten Zeiten.

  • Erwerbsanteil erhöhen, Vollzeit fördern
  • Noch bis vor wenigen Jahren war zumindest in Westdeutschland eine Hausfrauenehe völlig normal. Mittlerweile sind laut Statistischem Bundesamt fast 47 Prozent aller Erwerbstätigen Frauen. Allerdings arbeitet nur ein Drittel in Vollzeit. Frauen verdienen oft weniger. Damit zahlen sie zum einen wenig in die Rentenkasse ein und bekommen zum anderen später auch nur wenig Rente ausbezahlt.

  • Geringverdiener besser bezahlen
  • Der Niedriglohnsektor ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Jeder vierte Beschäftigte arbeitet nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung für wenig Geld. Acht Millionen Menschen verdienen weniger als 10,80 Euro brutto in der Stunde. Ihre Rentenansprüche werden sehr gering sein. Der gesetzliche Mindestlohn hat geholfen, diese Ansprüche zu erhöhen, für eine auskömmliche Rente aber reicht der Mindestlohn nicht.

  • Auch Selbständige und Beamte zahlen ein
  • Selbständige müssen sich selbst versichern. Beamte bekommen später eine Pension vom Staat. Würden alle Beschäftigten in Deutschland in die Rentenkasse einzahlen, wäre diese natürlich voller. Gleichzeitig würden aber auch deren Ansprüche daraus bezahlt werden.

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Man könne die Rente nicht von einer steigenden Lebenserwartung des Menschen abkoppeln, so Prof. Axel Börsch-Supan, Direktor des Max-Planck-Instituts.

Deutsche Rente auf drei Säulen aufgebaut

Die deutsche Rente steht auf drei Beinen: der gesetzlichen Rente, der betrieblichen Altersvorsorge und der privaten Rentenvorsorge. Aber nicht jeder Arbeitnehmer bekommt eine Betriebsrente. Und Geringverdiener können kaum privat vorsorgen. Vielen Menschen fehlt also die zweite und die dritte Säule. Daher ist die erste, die gesetzliche Rente, so wichtig.

Ganz gleich, ob einem die Stellschrauben gefallen oder nicht. An der einen oder an mehreren wird der Staat drehen müssen. Denn offensichtlich ist: Das ursprüngliche System der gesetzlichen Rente trägt sich längst schon nicht mehr aus sich selbst heraus. Änderungsvorschläge sind daher dringend nötig.

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Soll die Rente mit 68 eingeführt werden? Stimmen aus Regensburg.

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