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Religionsgipfel von Lindau: Eine Bilanz | BR24

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Der Religionsgipfel in Lindau will heute mit einer Abschlusserklärung religiöse Stätten besser schützen. Thema war unter anderem der Krisenherd Myanmar. Auch konkrete Vorschläge an die Regierungen von Myanmar und Bangladesch soll es geben.

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Religionsgipfel von Lindau: Eine Bilanz

Der Religionsgipfel in Lindau will heute mit einer Abschlusserklärung religiöse Stätten besser schützen. Thema war unter anderem der Krisenherd Myanmar. Auch konkrete Vorschläge an die Regierungen von Myanmar und Bangladesch soll es geben.

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Beim Religionsgipfel in Lindau stand auch die Vertreibung der muslimischen Rohingya durch nationalistische Buddhisten in Myanmar im Fokus. Delegierte Muslime, Buddhisten, Hindus und Christen verhandelten täglich mehrere Stunden hinter verschlossenen Türen. Etwa 1,1 Millionen Rohingya leben heute in Flüchtlingscamps in Bangladesch. Kardinal Charles Bo von Rangun hat gerade ein solches Camp besucht.

"Es gibt praktisch keine Arbeit. Sie warten einfach auf die nächste Mahlzeit. Sie haben da keine Zukunft. Das kann nicht mehr lange so weitergehen. " Charles Bo

Ziel: Religiöse Aussöhnung in Myanmar

Die Organisation "Religions for Peace“ unterstützt die religiöse Aussöhnung in Myanmar. Von Lindau aus will man der Regierung konkrete Vorschläge machen zum Friedensprozess im Land, zur Rückkehr der Flüchtlinge. Kardinal Bo ist überzeugt, dass die Religionen dabei ein entscheidender Faktor sind.

"Der Einfluss der religiösen Führer, die sich bei 'Religions for Peace' engagieren, auf die Menschen ist gewaltig. Langfristig hoffen wir, dass sich dieser Einfluss auf den Frieden und den Wohlstand im Land auswirkt. " Charles Bo

Religionen oft Anlass für Konflikte

Das ist die Idee dieser Weltversammlung: Religionen als Friedensstifter. Denn allzu oft werden sie als Konfliktpotenzial wahrgenommen. In religiös motivierten Konflikten kommt es immer wieder zu Angriffen auf Moscheen, Kirchen, Synagogen. Deshalb soll von diesem Gipfel ein Signal zum Schutz religiöser Stätten ausgehen. Für die CDU-Politikerin und ehemalige Vatikanbotschafterin Annette Schavan wäre folgendes ein wichtiger Schritt:

"Dass es bei den Vereinten Nationen zu einer wirklichen Vereinbarung der Völker kommt, die Stätten zu schützen, und Religionen sich in Anspruch nehmen lassen, auch den Schutz der Stätten anderer Religionen mit zu verantworten." Annette Schawan

Schutz der Gotteshäuser

Die Bundesregierung würde eine entsprechende Initiative bei den Vereinten Nationen aktiv unterstützen, heißt es in Lindau. Die Religionen ihrerseits sollen in Krisenregionen die Gotteshäuser der jeweils anderen Glaubensgemeinschaft beschützen. Geschehen ist das schon mit Kirchen und Moscheen in Nigeria.

"Das ist gelebte Solidarität zwischen allen religiösen Gemeinschaften, die zeigt: Wir verbinden uns, wir unterstützen Euch. Das ist uns eine echte Herzensangelegenheit. Und deshalb umringen wir unsere Heiligen Stätten." William Vendley, Generalsekretär von Religions for Peace

Skulptur als Symbol

Der "Ring of Peace", der hier in Lindau in einem Park als Holzskulptur aufgestellt wurde, wird zum Symbol dieser Initiative.

In Deutschland gibt es eine neue Wertschätzung für die Friedensarbeit der "Vereinten Religionen" - in der Politik und bei den Kirchen. Die deutsche Theologin und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Margot Käßmann wurde in Lindau in das Leitungsgremium der Organisation "Religions for Peace" gewählt.

"Ich denke, es ist zu oft unterschätzt worden, dass Religion auch ein Faktor der Konfliktentschärfung sein kann. Religiös motivierte Menschen können vor Ort mit dem Vertrauen, das sie dort haben, sehr viel zum Frieden in der Welt beitragen. Ich bin froh, dass das jetzt wahrgenommen wird." Margot Käßmann

Gemeinsames Essen mit Lindauern unter freiem Himmel

Rund 900 Vertreter aller großen und kleinen Weltreligionen haben in den vergangenen vier Tagen aus der kleinen Stadt Lindau einen Ort der Begegnung und des Dialogs gemacht. Höhepunkt dieses Treffens war für viele Teilnehmer übrigens das gemeinsame Abendessen mit den Lindauer Bürgern. Eine große, gemeinsame Tafel unter freiem Himmel. Ein Bild mit Symbolkraft.