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"Religions for Peace" gegen religiösen Fundamentalismus | BR24

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Bei vielen Konflikten auf dieser Welt sieht man immer nur Männer als Verhandler und Krisenmanager. Bei der Tagung "Religions for Peace" in Lindau am Bodensee wurde appelliert, die Frauen stärker einzubinden.

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"Religions for Peace" gegen religiösen Fundamentalismus

Fünf Jahre nach dem Terroranschlag von Paris, wenige Wochen nach den Anschlägen in Dresden, Paris, Nizza und Wien hat die interreligiöse Nichtregierungsorganisation "Religions for Peace" für den Dialog der Religionen in schwierigen Zeiten geworben.

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Von
  • Tilmann Kleinjung

Auf Taten folgen Worte. Nach den islamistischen Terroranschlägen von Paris, Nizza, Dresden und zuletzt Wien, wollen die Teilnehmer der Religionsversammlung von Lindau eine Botschaft loswerden: So sind wir nicht. Morde im Namen Gottes haben nichts mit unserer Religion zu tun.

Emina Frljak, Muslima aus Bosnien-Herzegowina, will diese Worte eigentlich nicht mehr nach jedem Terroranschlag wiederholen. Weder sie noch die 1,6 Milliarden Muslime seien daran schuld, sagt sie. "Aber immer, wenn einer im Namen einer Religion, Menschen umbringt, müssen wir als multireligiöse Gemeinschaft und jede Religionsgemeinschaft sagen: Das hat mit Religion nichts zu tun. Nicht in unserem Namen!"

Schweigeminute gegen Hass und Fundamentalismus

"Religions for Peace" ist die nach eigenen Angaben größte interreligiöse Nichtregierungsorganisation. Sie existiert seit 50 Jahren. Im Sommer vergangenen Jahres trafen sich die Vertreterinnen und Vertreter der verschiedensten Weltreligionen zum ersten Mal in Lindau.

Seitdem steht im Luitpoldpark am Bodensee hölzernes Friedenssymbol, der "Ring for Peace". Am Mittwochabend versammelten sich dort die wenigen Teilnehmer, die trotz der Corona Pandemie an den Bodensee gereist waren, um mit einer Schweigeminute auch ein sichtbares Zeichen gegen Fundamentalismus und Hass zu setzen.

Eine virtuelle Konferenz, die doch eine Konferenz war

Als sich vor mehr als einem Jahr die vereinten Weltreligionen zum ersten Mal in Lindau trafen, da war die Stimmung eine andere. Diesmal überschatten nicht nur die jüngsten Anschläge das interreligiöse Treffen. Wegen der Corona Pandemie konnten die meisten Teilnehmer nicht persönlich kommen, die Veranstaltungen fanden virtuell statt, Rednerinnen und Redner wurden aus der ganzen Welt zugeschaltet.

Außerdem hat Ulrich Schneider, der Geschäftsführer der örtlichen Stiftung Friedensdialog, Chatrooms aufgebaut, in denen sich die Religionsvertreter austauschen konnten. Damit sei die Konferenz eine echte Konferenz geworden, so Schneider.

Frauen im Mittelpunkt

Und noch etwas war anders. Normalerweise prägen bei solchen Konferenzen die Männer das Bild: katholische Bischöfe, Häuptlinge von Naturreligionen, Autoritäten aus Islam und Buddhismus. In fast allen Weltreligionen geben die Männer den Ton an. In fast allen Weltreligionen sind es aber die Frauen, die das religiöse Leben tragen.

Deshalb standen bei dieser Konferenz die Frauen im Mittelpunkt. Laut Generalsekretärin Azza Karam war und ist die Stimme der Frauen mächtig: "Die Frauen halten religiöse Traditionen am Leben, bis heute. Kein Mann wäre heute ein Religionsführer ohne Armeen von Frauen."

Frauen sollen gegen Hass und Gewalt eintreten

Deshalb sollten vor allem Frauen verstärkt ihre Stimme erheben und Hate Speech, Diskriminierung und Gewalt im Namen von Religion entgegentreten, hieß es am Ende der Konferenz von Lindau.

Die ehemalige Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche und Bischöfin von Hannover, Margot Käßmann, hält Frauen als Friedensbotschafterinnen für besonders geeignet: "Frauen kommunizieren anders", sagt sie - und Frauen fiele es leichter, Kompromisse zu schließen.

"Es gibt wenig Frauen, die Religionen nach außen repräsentiert haben. Und in allen Religionen scheint es so zu sein, dass die Frauen an der Basis die Religion praktizieren und tradieren." Frauen könnten aber auch die Religion repräsentieren.

Merkel: "Frauen am Friedensprozess beteiligen"

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte in ihrem Grußwort an die Lindauer Konferenz: "Frieden ist nur dann nachhaltig, wenn Frauen am Friedensprozess beteiligt sind." Doch darüber werde viel zu oft hinweg gesehen, so Merkel und nennt als Beispiel die ungleiche Verteilung von Friedensnobelpreisen: Unter 135 Preisträgern befänden sich gerade einmal 17 Frauen.

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