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Reisen in Corona-Zeiten: Wie sicher ist es? | BR24

© pa/dpa

Passagiere am Flughafen Düsseldorf

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Reisen in Corona-Zeiten: Wie sicher ist es?

Ab heute steuern erste deutsche Ferienflieger Mallorca an. Das grenzenlose Reisen innerhalb Europas ist nun wieder möglich. Damit wird es auch enger – in Bus, Bahn und Flugzeug. Was ist mit den Abstandsregeln und wie sicher ist Reisen eigentlich?

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Ist die Frage nach dem "Wohin" erst geklärt, stellt sich dem Reiselustigen aktuell sogleich die nächste: die nach dem "Wie" nämlich. Mit Bahn, Bus, Flugzeug – oder doch lieber mit dem eigenen Auto? Um zu vermeiden, in einem komplett ausgebuchten Flieger zu sitzen?

"Mindestens der Mittelsitz muss freigelassen werden

"Wenn man direkt nebeneinander sitzt in einer engen Kabine und jemand hustet, dann ist es einfach nicht zu vermeiden, dass man sich infiziert. Und deswegen finde ich: Es muss mindestens der Mittelsitz freigelassen werden." Peter Liese, CDU-Abgeordneter im EU-Parlament

Der CDU-Abgeordnete im EU-Parlament, Peter Liese, der gleichzeitig Arzt ist, beklagt im Interview mit dem ARD-Bericht aus Berlin, die Fluglinien würden die Leitlinien der zuständigen EU-Agenturen nicht umsetzen. Die (wie zum Beispiel die EU-Behörde für Luftfahrtsicherheit EASA) empfehlen nämlich, "wenn möglich" einen Sitz pro Reihe freizulassen. Nicht nötig, findet man nicht nur bei der Lufthansa. Auch tuiFLY-Sprecher Aage Dünhaupt sagt, die Luft im Flieger sei so sauber wie in einem Operationssaal:

"Die Luftzirkulation geht von oben nach unten in der Kabine. Und dann wird das alles zusätzlich nochmal über die Filter geleitet. Innerhalb von 2 Minuten ist die gesamte Luft im Flugzeug ausgetauscht und gereinigt." Aage Dünhaupt, Sprecher von TUIfly

Wirtschaftliche Interessen kollidieren mit strenger Auslegung der Abstandsregeln

Zusätzlich, sagt Dünnhaupt dem ARD-Hauptstadtstudio, gebe es ja noch Maskenpflicht an Bord. Die gilt für alle Flüge - und zwar sowohl für die Passagiere als auch für das Personal. Halte sich jemand nicht daran, werde zwischengelandet und der Regelbrecher aus der Maschine geleitet. TuiFLY lehnt wie viele andere Airlines die strenge Auslegung der Abstandsregeln im Flieger auch aus wirtschaftlichen Gründen ab.

"Wenn man’s in einer Milchmädchen-Rechnung umrechnet, würde das heißen, dass wir die Ticketpreise um 20-30% erhöhen würden, wenn man auf die freien Sitze eingehen würde." Aage Dünhaupt, Sprecher von TUIfly

"Ritt auf der Rasierklinge"

Während die Fluglinien ächzen, starrt ein Busunternehmen wie "Wörlitz Tourist" in den finanziellen Abgrund. Sämtliche Fahrten der letzten drei Monate habe er stornieren, 32.000 Reisenden absagen müssen, erzählt Geschäftsführer Ulrich Basteck. Jetzt fährt er wieder erste Touren. Dort, wo die Regularien das zulassen, auch ohne Mindestabstand:

"Das ist jetzt schon ein Ritt auf der Rasierklinge. Wenn wir jetzt nicht in Normalität zurückfinden, überleben die meisten Firmen in der Branche nicht mehr." Ulrich Basteck, Geschäftsführer Wörlitz Tourist

Auf Gleichberechtigung pocht der Busunternehmer. Schließlich würden die Passagiere ja im Flieger und der Bahn auch dicht an dicht sitzen dürfen.

Erhöhtes Infektionsrisiko in Innenräumen

"Wir wissen ja, dass man im Innenraum sich 20 Mal so schnell infiziert wie draußen. Ein voller Bus, eine lange Reise – ich würd's nicht machen." Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte

So lautet die ganz persönliche "Reisewarnung" des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Nun kann es einem mit etwas Pech passieren, dass man auch in einem Zug der Deutschen Bahn einen Sitznachbarn direkt neben sich hat – und eben nicht in 1,50 Meter Entfernung.

Auch mit regelmäßigen Durchsagen auf Bahnhöfen wie "Tragen Sie ihre Mund-Nasen-Bedeckung und nutzen Sie die gesamte Länge des Zuges zum Ein- und Aussteigen" wird versucht, alle Reisenden gleichmäßig im Zug zu verteilen. Maskenpflicht gilt ohnehin auf allen Fahrten. In der Bahn-App erscheint ein roter Warnhinweis, sobald ein Zug bereits zur Hälfte ausgebucht ist.

"Die Bahn hat das sehr gut gemacht. Die haben das Angebot nicht ausgedünnt, sind zum Teil mit hohem Verlust gefahren. Im Herbst kann das anders sein, aber bis jetzt war das Bahnfahren sicherer." Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte

Doch in vollen Zügen genießen das Bahnfahren in Corona-Zeiten wohl die wenigsten. Egal, für welches Fortbewegungsmittel man sich also entscheidet: Ein Reise-Restrisiko lässt sich wohl kaum vermeiden.

© BR

Nach monatelangen Corona-Reisebeschränkungen ist am Morgen in Düsseldorf ein erster Flug nach Palma de Mallorca gestartet.

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