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Reisebranche: "Finca-Urlaub nicht gefährlicher als S-Bahn" | BR24

© pa/dpa/Ashley Cooper

Reisebranche: "Finca-Urlaub nicht gefährlicher als S-Bahn"

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    Reisebranche: "Finca-Urlaub nicht gefährlicher als S-Bahn"

    Lanzarote hat vergleichsweise wenige Corona-Fälle, ist aber Risikogebiet. Laut deutscher Reisewirtschaft nur ein Beispiel für zu Unrecht verhängte Reisewarnungen. Sie kritisiert: Die Regierung belaste die Reisewirtschaft unverhältnismäßig.

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    Angesichts der wachsenden Zahl an Reisewarnungen durch die Bundesregierung sieht die Tourismusbranche in Deutschland ihr Überleben gefährdet. "Die Situation in der Reisebranche ist existenzbedrohend", sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Umsätze seien auf einer Viertel des Vorjahres geschrumpft und "eine Besserung ist nicht in Sicht".

    Der Verbandschef kritisierte besonders, dass etliche Regionen zu Unrecht zu Risikogebieten erklärt worden seien. In Spanien beispielsweise gebe es zahlreiche Inseln wie Lanzarote, Formentera und Menorca, auf denen es keinen einzigen Corona-Hotspot gebe, trotzdem würden sie als Risikogebiete geführt. "Das ist absurd", kritisierte Fiebig. "Finca-Urlaub ist in keiner Weise gefährlicher als eine S-Bahn-Fahrt in Berlin", sagte der Verbandschef.

    Reisewarnung für Kleinwalsertal in Vorarlberg

    Auch andere als Risikogebiete ausgewiesene Regionen weisen aktuell keine oder nur wenige Infektionsfälle aus: So etwa gilt für das österreichische Bundesland Vorarlberg eine Reisewarnung. Zum Vorarlberg gehört auch das bei deutschen Touristen beliebte Kleinwalsertal - es hat aber kaum Corona-Fälle und ist zudem ausschließlich von Deutschland aus erreichbar.

    DRV-Chef Fiebig betonte, dass Reisen per se nicht gefährlich sei - vorausgesetzt, die Menschen hielten sich an die Corona-Regeln. Die Bundesregierung ignoriere diese Fakten und belaste die Reisewirtschaft damit unverhältnismäßig.

    Mit Blick auf die bevorstehenden Herbstferien sprach er von einer überaus schwierigen Lage. Mit immer neuen Reisewarnungen steuere die Bundesregierung die Reisewirtschaft in einen zweiten sektoralen Lockdown. Außerdem setze die Regierung auf Quarantäne-Regelungen statt Corona-Tests. "Das ist definitiv der falsche Weg", kritisierte Fiebig.

    Den Warnungen der Bundesregierung entsprechend appellierte Gesundheitsminister Jens Spahn erneut an die Bürger, in den Herbst- und Winterferien keine Auslandsreisen zu unternehmen. "Man kann ja auch Urlaub im Inland machen", sagte der CDU-Politiker im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Es habe sich in der Corona-Pandemie immer wieder gezeigt, dass Reiserückkehrer verstärkt das Virus einschleppten. "Ich finde, für Herbst-, Winter-, Weihnachtsurlaub sollten wir daraus gemeinsam lernen", sagte Spahn. Das sei zwar hart für die Reiseveranstalter, aber in der derzeitigen Lage nicht zu ändern.

    Mehrheit der Reiseunternehmen hat Existenzängste

    Laut einer DRV-Umfrage sehen knapp 70 Prozent der befragten Reisebüros ihre Existenz als massiv bedroht an, bei den Reiseveranstaltern sind es laut Fiebig mehr als die Hälfte.

    Erst am Mittwoch hatte Deutschland weitere Regionen in elf EU-Ländern zu Risikogebieten erklärt und entsprechende Reisewarnungen ausgesprochen. Betroffen sind unter anderem Regionen in Tschechien, Österreich und den Niederlanden sowie die Hauptstädte Kopenhagen, Dublin und Lissabon. Damit gibt es inzwischen in jedem zweiten EU-Land Risikogebiete, für die Reisewarnungen gelten.

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