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Regierungsbericht: Bedrohte Arten leiden unter Landwirtschaft | BR24

© Jo Schöller/BR/corvusFilm

Der Schwalbenschwanz gilt in Deutschland, wie viele andere Insektenarten, als gefährdet.

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    Regierungsbericht: Bedrohte Arten leiden unter Landwirtschaft

    Überdüngung, Pestizide, Tourismus: In deutschen Agrarregionen werden viele gefährdete Arten immer mehr zurückgedrängt. Das geht aus einem Bericht hervor, den Umweltministerin Schulze am Dienstag vorgestellt hat. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

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    Es klingt nicht überraschend - und gibt doch Anlass zur Sorge: In landwirtschaftlich genutzten Gebieten wird die Lebenssituation vieler Tierarten immer schwieriger. Das ist das Ergebnis des "Berichts zur Lage der Natur", den Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat.

    Insekten besonders stark betroffen

    Laut dem Bericht geht es der Natur in Deutschland insgesamt nicht gut genug. Besonders gravierend sei etwa die Situation vieler Schmetterlings-, Käfer- oder Libellen-Arten. Aber auch Vögel litten unter den veränderten Lebensbedingungen. "Etwa ein Drittel der Brutvogelarten sind in den letzten zwölf Jahren in ihrem Bestand zurückgegangen, wobei insbesondere Arten des landwirtschaftlich genutzten Offenlandes betroffen sind", heißt es im Bericht. Der Bestand von Rebhühnern und Kiebitzen etwa ist auf ein Zehntel des Bestandes vor 25 Jahren gesunken.

    63 Prozent der Tiere und Pflanzen sowie 69 Prozent der Lebensraum-Typen, die in der EU nach der sogenannten FFH-Richtlinie geschützt sind, seien in unzureichendem oder schlechtem Erhaltungszustand - vor allem Grünland, Seen, Feuchtgebiete, Meere und Küsten. Die FFH-Richtlinie schützt Tiere, Pflanzen und Lebensräume. Für Vögel gibt es eine eigene Richtlinie. Bei 33 Prozent aller Tierarten stehe die Ampel auf Rot, sagte Schulze. Nur für ein Viertel besteht keine Gefahr.

    Als wesentliche Ursachen nennt der Bericht Dünger und Pestizide, intensive Nutzung der Flächen, Entwässerung, Veränderungen an Gewässern, aber teils auch Sport, Tourismus und Freizeitaktivitäten. Die Bundesumweltministerin kündigte an, noch in diesem Jahr ein Insektenschutzgesetz auf den Weg bringen zu wollen, das unter anderem artenreiches Grünland und Streuobstwiesen besser schützt.

    Zustand der Natur wird alle sechs Jahre bewertet

    Doch es gibt auch positive Entwicklungen: Gut geht es demnach etwa der Kegelrobbe an der Nordsee oder dem Steinbock in den Alpen. Buchenwälder erholten sich, in Wäldern und Siedlungen gebe es wieder mehr Vögel, und auch die Renaturierung von Flüssen und Auen trage zur Erholung der Natur bei, erklärte Schulze.

    Alle sechs Jahre bewerten Bund und Länder, wie gut der Erhaltungszustand der Natur ist und in welche Richtung er sich entwickelt, denn sie müssen der EU über die Umsetzung von Naturschutz-Richtlinien Rechenschaft ablegen. Dafür werden Daten von Behörden verwendet, aber auch Informationen, die ehrenamtliche Naturschützer sammeln. Die Daten kommen größtenteils aus den Jahren 2013 bis 2018.

    💡 Was sind FFH-Gebiete?

    FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete im Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitaten) dienen. FFH-Gebiete sind Teil des Natura-2000-Netzwerkes, das aus zusammenhängenden Schutzgebieten in Europa aufgebaut werden soll, um die einheimische Natur zu bewahren.

    Das Projekt ist ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung des "Übereinkommens über die Biologische Vielfalt", das 1992 während der Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro unterzeichnet wurde. Alle Mitgliedstaaten, damit auch Deutschland, haben sich verpflichtet, an Natura 2000 mitzuwirken und damit das Naturerbe Europas zu sichern. Es handelt sich damit um eines der weltweit größten Projekte zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Das bayerische Umweltministerium gibt auf seiner Website Auskunft, wo sich im Freistaat FFH-Gebiete befinden: https://www.stmuv.bayern.de/themen/naturschutz/schutzgebiete/ffh_gebiete.htm.

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