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Regierung will gegen Retouren-Vernichtungen durchgreifen | BR24

© pa/dpa/Christian Charisius

Retouren

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Regierung will gegen Retouren-Vernichtungen durchgreifen

Schuhe, Hosen, Fernseher: Jedes sechste Paket, das in Deutschland online bestellt wird, geht zurück. Vieles landet dann auf dem Müll. Die Bundesregierung will das ändern. Händler sollen künftig transparent machen, ob und wie viel Ware sie vernichten.

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Von
  • Andreas Neukam

Deutschland ist die Republik der Rücksendungen: Ein riesiger Haufen Neuware, die zu den Versandhändlern zurückkommt, wird jedes Jahr aber verbrannt. Parfüms, Pullover, Schuhe: Im Jahr 2018 sind 20 Millionen zurückgeschickte Artikel im Müll gelandet, schätzt die Universität Bamberg. Damit werden rund vier Prozent der Retouren vernichtet.

Bei über der Hälfte dieser Artikel sei es nicht möglich, sie wiederaufzubereiten, zum Beispiel weil sie kaputt gegangen sind. In einigen Fällen verbietet der Marken- oder Patentinhaber den Händlern, Ware wieder zu verkaufen.

Was ändert sich mit dem Gesetz?

Die Bundesregierung will das Kreislaufwirtschaftsgesetz anpassen. Für Verbraucher und Händler ändert sich allein dadurch erst einmal nichts. Die Änderung ist nur die Grundlage dafür, dass Bundesregierung oder Ministerien Verordnungen erlassen dürfen. Erst die Verordnungen sollen dann Details regeln. Das Bundesumweltministerium arbeitet schon an der sogenannten Transparenzverordnung. Hersteller und Händler müssten danach dokumentieren, wie sie mit nicht verkauften Waren umgehen. Das Ministerium will, dass Händler retournierte Produkte günstiger verkaufen oder spenden. Im Gesetz heißt das "Obhutspflicht".

Wie sind die Reaktionen auf die Gesetzesänderung?

Der Handelsverband Deutschland hält die Obhutspflicht für überflüssig, weil "die Branche schon aus Kostengründen alles daransetzt, die Zahl der Rücksendungen so gering wie möglich zu halten".

Die Bamberger Grüne Lisa Badum, Mitglied des Umweltausschusses im Bundestag, hält das Gesetz für zu lasch. Es sei "nicht mehr als eine freundliche Erinnerung an die Hersteller, ihrer Produktverantwortung gerecht zu werden".

Selbst Bundesumweltministerin Svenja Schulze meint, dass die Änderungen nicht das ganze Problem lösen. Sie sagt: "Die Verbraucher müssen sich auch fragen, ob es gut ist, viele Artikel zu bestellen und die Hälfte wieder zurückzusenden."

Wann soll das Gesetz in Kraft treten?

Die Bundesregierung hat das Gesetz am Mittwoch beschlossen. Jetzt muss der Bundestag darüber abstimmen. Das soll spätestens im Sommer passieren. Anschließend könnten Verordnungen erlassen werden.

Was wären andere Lösungen?

Wissenschaftler der Uni Bamberg würden schon früher ansetzen. Sie stellen fest, dass Rücksendungen generell verringert werden könnten. Derzeit sind es in Deutschland 490 Millionen Artikel jedes Jahr, jedes sechste Paket geht zurück. Im Online-Handel mit Textilien beispielsweise könnte künstliche Intelligenz helfen: Handykameras, die den Körper vermessen, damit die Hose nachher wirklich passt.

Zusätzlich sollten sich Markenhersteller an genormten Größenangaben orientieren. Angaben zur Größe seien bislang bedingt aussagekräftig und zum Teil irreführend. Die Studienmacher schätzen, dass mit diesen Änderungen 120 Millionen Artikel (25 Prozent) nicht mehr zurückgeschickt würden.

Eine weitere Maßnahme: eine Gebühr auf Rücksendungen, am besten pro Artikel statt pro Paket. Dadurch würden sich Kunden stärker überlegen, ob sie den Artikel wirklich bestellen wollen. Die Studienmacher schätzen, dass durch diese Gebühr 80 Millionen Artikel (16 Prozent) nicht mehr zurückgeschickt würden.

Händler fürchten allerdings, dass ihr Umsatz dadurch deutlich zurückginge. Deswegen sehen die Bamberger Studienmacher eine Lösung darin, gleiche Spielregeln für alle zu schaffen und die Gebühr deutschland- oder EU-weit zu regeln.

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