25.06.2022, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Passagiere stehen im Flughafen Düsseldorf in Schlangen und warten auf ihre Abfertigungen.

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Regierung kündigt Einsatz ausländischer Helfer an Flughäfen an

Regierung kündigt Einsatz ausländischer Helfer an Flughäfen an

Flugstreichungen, Verspätungen, Warteschlangen: Die Bundesregierung will eine befristete Anstellung ausländischer Hilfskräften an deutschen Flughäfen ermöglichen, um Personalengpässe zu überbrücken. Sozialdumping und Ausbeutung soll es nicht geben.

Im Kampf gegen die Personalengpässe an deutschen Flughäfen haben Innen-, Arbeits- und Verkehrsministerium eine gemeinsame Aktion zur befristeten Anstellung von ausländischen Hilfskräften an deutschen Flughäfen angekündigt. "Die Bundesregierung plant, die Einreise von dringend benötigtem Personal aus dem Ausland für eine vorübergehende Tätigkeit in Deutschland zu ermöglichen", sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) der "Bild am Sonntag".

Tariflohn vorgeschrieben

Dabei solle jede Form von Sozialdumping und Ausbeutung ausgeschlossen werden. "Die Arbeitgeber müssen Tariflohn zahlen und für die befristete Zeit anständige Unterkünfte bereitstellen", sagte Heil. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) ergänzte: "Wir werden ermöglichen, dass Hilfskräfte aus dem Ausland zum Beispiel bei der Gepäckabfertigung eingesetzt werden." Der "Bild am Sonntag" zufolge ist das Ziel, eine vierstellige Zahl an Fachkräften aus der Türkei nach Deutschland zu holen, die bestenfalls schon von Juli an für einige Monate eingesetzt werden könnten.

Flugstreichungen, Verspätungen und Warteschlangen

Die Luftfahrt steckt im Dilemma. Mit dem Wegfall der weitreichenden Corona-Einschränkungen, die den Wirtschaftszweig lange lahmgelegt hatten, will die Branche endlich wieder durchstarten und hat sogar das Vorkrisenniveau im Blick. Doch stattdessen kommt es zu Flugstreichungen, Verspätungen und Warteschlangen. Als Knackpunkt gelten Personalmangel und Engpässe bei Sicherheitskontrollen, Check-in und Flugzeugabfertigung. Nach Angaben des Flughafenverbands ADV ist dort etwa jede fünfte Stelle unbesetzt. Verschiedene Verbände wollen rund 2.000 Leiharbeiter aus der Türkei holen, um Personallücken zu füllen.

Chaos zum Ferienbeginn in NRW

Wie kritisch die Personallage ist, zeigte kürzlich der Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen. Am Düsseldorfer Flughafen war es zu langen Warteschlangen gekommen. Reisende mussten teils Stunden vor ihren Flug an den Flughafen kommen. Auch kurzfristig gestrichene Flüge sorgten für Frust unter den Reisenden. Mehrere Airlines strichen in den vergangenen Tagen immer wieder zahlreiche Flüge, weil es wegen des Coronavirus zu erheblichen Personalausfällen komme.

Bundesverbraucherschutzministerin: "Heftiges Ärgernis"

Unterdessen nannte Bundesverbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Grüne) das Chaos an deutschen Flughäfen ein "heftiges Ärgernis" und forderte die Fluggesellschaften zu einem fairen Umgang mit ihren Kunden auf. "Ich erwarte, dass die Fluggesellschaften ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen und die berechtigen Ansprüche der Fluggäste schnell und unbürokratisch erfüllen", sagte Lemke der "Bild am Sonntag". Die Airlines seien auch in der Pflicht, Reisende über ihre Rechte zu informieren. Die Fluggäste hätten bei kurzfristigen Ausfällen und Verspätungen ein Recht auf Entschädigung, betonte Lemke.

Die Ampel-Koalition plant in dieser Legislaturperiode eine Novellierung der Fluggastrechteverordnung. Der wirtschaftspolitischen Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Reinhard Houben, sagte der "Bild am Sonntag": "Bereits in den Koalitionsverhandlungen haben wir das Problem erkannt und werden die Fluggastrechteverordnung überarbeiten."

Mit Material von dpa

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