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Regensburger Seenotretter bauen neues Schiff um | BR24

© Sea-Eye

Die "Sea-Eye 4" wird zum Rettungsschiff umfunktioniert.

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    Regensburger Seenotretter bauen neues Schiff um

    Die Regensburger Seenotrettungsorganisation "Sea Eye" will bald mit einem vierten Schiff Flüchtlinge aus dem Mittelmeer vor dem Ertrinken retten. Noch liegt das Schiff im Rostocker Hafen. Freiwillige rüsten es zum Rettungsschiff um.

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    Von
    • BR24 Redaktion

    Noch sieht die "Sea-Eye 4" ziemlich abgerockt und unspektakulär aus. Sie liegt im Rostocker Hafen eingekeilt zwischen Kaimauer und Schwimmkran - und es ist schwer erkennbar, was für ein Schiff das genau ist.

    Frachter wird zum Rettungsschiff

    Zwei Dutzend Freiwillige arbeiten seit vier Wochen daran, das bisherige Versorgungsschiff zum Rettungsschiff umzubauen, das ab Frühjahr 2021 Menschen aus dem Mittelmeer retten soll. Für die kommende Woche haben sich noch mal genauso viele Helfer zusätzlich angekündigt.

    Der Plan sei, dass das Schiff Ende Januar, Anfang Februar fertig ist und ins Mittelmeer überführt werden kann, sagt Gorden Isler, der Vorsitzende der Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea-Eye. "Im März oder April könnte die 'Sea-Eye 4' dann zu ihrer ersten Mission starten."

    Umbau dank Spendengeldern

    Insgesamt werden Anschaffung, Umbau und Überführung etwa eine Million Euro Spendengelder kosten. Die Kampagne #WirSchickenNochEinSchiff soll dabei helfen, dieses Geld zusammenzubekommen.

    Das 55 Meter lange Schiff ist 48 Jahre alt und hat bisher Baumaterialien auf der Ostsee transportiert. Für den Einsatz im Mittelmeer sei es besonders gut geeignet, weil es zwei große Decks hat, sagt Jörg Beiler, der die technische Leitung hat. "Dieses Schiff ist genau das, was wir suchten und brauchten."

    Krankenstation an Bord

    In den kommenden Tagen werden zwei riesige Seilwinden auf dem Achterdeck abgebaut. Stattdessen kommen dort zwei große Container als Notunterkunft für aufgenommene Menschen hin. Es wird eine große Krankenstation aufgebaut. Im Rumpf, wo bisher Zement gelagert wurde, soll Stauraum für Kleidung, Wasserflaschen und Rettungswesten geschaffen werden.

    In die bisherigen Einzelkabinen werden Doppelstockbetten gebaut. Die Messe wird vergrößert, damit es einen Ort gibt, an dem die Crew sich in Ruhe versammeln kann - für Briefings, Besprechungen und Mahlzeiten. An Bord wird immer eine Crew von neun Hauptamtlichen sein - plus bis zu 17 Freiwillige, Ärzte und Journalisten.

    Freiwillige Helfer sind gefragt

    Derzeit stehen noch überall Kisten und Eimer, liegen Arbeitsgeräte und Pläne, es riecht nach Öl und Diesel. Über das ganze Schiff verteilen sich die freiwilligen Helfer und schweißen, sägen, messen und planen. Sie kämen aus ganz Deutschland und aus allen möglichen Berufen, sagt Isler. Schiffbauer seien ebenso dabei wie Menschen aus Bürojobs. "Die machen dann halt Hilfsarbeiten, da brauchen wir auch viele Hände."

    Wenn das Schiff einsatzbereit ist, werden Helfer mit zwei festen Schlauchbooten, sogenannten Ribs, Menschen aus dem Mittelmeer holen. Von zwei festen Kränen aus können diese innerhalb von fünf Minuten ins Wasser gelassen werden. An Bord der Ribs werden immer jeweils ein Einsatzfahrer, ein Kommunikator und ein medizinischer Helfer sein. Durch eine Rettungspforte an Bord der "Sea-Eye 4" werden die Geflüchteten in Empfang genommen.

    Heimathafen an der Donau

    Das umgebaute Schiff soll den Heimathafen Regensburg bekommen, wo der Verein "Sea-Eye" seinen Sitz hat. Beim ersten Schiff, der "Alan Kurdi", ist es Hamburg.

    Die "Sea-Eye 4" ist das zweite Schiff, das United4Rescue ins Mittelmeer schickt. Das Bündnis wurde maßgeblich von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiiert. Seit November 2019 gibt es den Trägerverein "Gemeinsam Retten e.V.", im August 2020 startete das erste Bündnisschiff "Sea-Watch 4" zu seiner ersten Mission.

    © Sea Eye/Maik Lüdemann

    Die "Sea-Eye 4" soll als weiteres Schiff der Seenotrettungsorganisation Menschen vor dem Ertrinken retten.

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