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Empört zeigen sich viele Politikerinnen und Politiker nach dem Nein der UEFA, das Münchner EM-Stadion in Regenbogenfarben erleuchten zu lassen.

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"Schwach!": Söder und Reiter kritisieren UEFA-Regenbogenverbot

Empört zeigen sich viele Politikerinnen und Politiker nach dem Nein der UEFA, das Münchner EM-Stadion in Regenbogenfarben erleuchten zu lassen. Münchens Oberbürgermeister Reiter kündigte an, dass sich seine Stadt "alternativ positionieren" will.

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Von
  • Vera Cornette
  • BR24 Redaktion

Mit Verständnislosigkeit hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf das Verbot der UEFA reagiert, wonach die Münchner Fußball-Arena nicht in Regenbogenfarben leuchten darf: "Ich finde es enttäuschend und eigentlich auch nicht angemessen", sagte er dem BR. Es gehe um eine Haltungsfrage, Europa stehe für Freiheit und gegen Diskriminierung. "Die Regenbogenfarbe gerade in diesem Zusammenhang ist ein Signal für Freiheit und für eine moderne Demokratie."

Auch Münchens OB Reiter kritisiert die Entscheidung

Die Entscheidung der UEFA bezeichnete Söder als "Zurückziehen, als Ängstlichkeit" vor einer klaren Haltung. Das sei schade und "ehrlich gesagt auch schwach", so der Ministerpräsident.

Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter zeigte sich enttäuscht: "Ich glaube nicht, dass sich die UEFA mit einer solchen Entscheidung als weltoffener und moderner und toleranter Verband zeigt", sagte Reiter.

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Münchens Oberbürgermeister Reiter hat die Entscheidung der UEFA, dass das Stadion nicht in Regenbogenfarben erstrahlen darf, scharf kritisiert.

Mistol: Nein der UEFA ist "politisches Zeichen"

Nach Ansicht des Grünen-Abgeordneten Jürgen Mistol widerspricht sich die UEFA mit ihrem Nein zur Münchner Arena in Regenbogenfarben selbst. Für ihn sei der Regenbogen "ein Zeichen der Vielfalt, auch des toleranten Umgangs miteinander. Und insofern ist es auch ein Zeichen des gesellschaftlichen Zusammenhalts". Wenn die UEFA jetzt die Aktion verbiete, weil es aus ihrer Sicht ein politisches Zeichen sei, "dann ist es umso mehr ein politisches Zeichen, wenn die UEFA sagt: Die Allianz Arena darf nicht bunt leuchten", erklärte Mistol.

Mistol, der Mitglied der Schwulen Parlamentariergruppe im Bayerischen Landtag ist, findet nicht, dass sich die Politik aus dem Sport heraushalten solle. Sport sei auch Teil der Gesellschaft. Und insofern sei es Aufgabe der Politik, sich auch dort einzumischen. "Es geht tatsächlich um den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Und da ist es immer wichtig, dass auch Politik ein Zeichen setzt", so Mistol.

DFB verteidigt Verbot

Die UEFA hatte einen Antrag von Oberbürgermeister Reiter abgelehnt, das Stadion beim EM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn in Regenbogenfarben erstrahlen zu lassen. Damit sollte ein Zeichen für Toleranz und Gleichstellung gegen die Politik des ungarischen Ministerpräsidenten Orban gesetzt werden.

Rainer Koch, Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), verteidigte das Verbot. "Da die Beleuchtung vom Münchner Stadtrat als eine gezielte Aktion gegen die Entscheidung des ungarischen Parlaments begründet worden ist, handelt es sich nicht mehr um ein bloßes Statement im gemeinsamen Kampf gegen jede Form von Diskriminierung, sondern um eine politische Aktion", schrieb das deutsche Mitglied der Exekutive der Europäischen Fußball-Union am Dienstag bei Facebook.

Reiter: Wir werden uns nicht abhalten lassen

Dieter Reiter übte Kritik am DFB. Münchens Oberbürgermeister hätte sich mehr Unterstützung für die Toleranzaktion gewünscht. Auch wenn das Münchner Stadion nicht in den Farben des Regenbogens leuchten wird, könnte es dennoch andere Aktionen geben. Reiter kündigte an: "Wir werden uns in München alternativ positionieren." Denn München würde sich, so Reiter, nicht abhalten, ein deutliches Signal nach Ungarn und in die Welt zu senden. Er brachte eine Beflaggung des Rathauses, ein Anstrahlen des Windrades in unmittelbarer Nähe und ein Beleuchten des Olympiaturmes ins Spiel.

Der ehemalige englische Stürmer Gary Lineker fände eine solche Aktion gut. "Tu es München (...) Lass es leuchten, sodass es die Welt sieht", sagte er auf Twitter.

Umstrittenes Gesetz in Ungarn

Hintergrund des Protests ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität einschränkt und das erst am vergangen Dienstag vom ungarischen Parlament gebilligt wurde.

Der ehemalige Fußballprofi mit oberbayerischen Wurzeln, Thomas Hitzlsperger, appellierte an die UEFA. "Denkt an die, die immer noch diskriminiert werden. Sie brauchen Unterstützung. Eure Unterstützung auch!", schrieb Hitzlsperger bei Twitter. Der 39-Jährige hatte 2014 nach Abschluss seiner Karriere öffentlich gemacht, dass er homosexuell ist.

Regenbogenfahne in anderen Städten groß sichtbar?

Andere deutsche Stadionbetreiber soldarisieren sich mit München und wollen ein deutliches Zeichen für Toleranz und Gleichstellung setzen. Während der EM-Partie der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sollen die Fußball-Arenen in Berlin, Frankfurt, Köln, Wolfsburg und Augsburg bunt erstrahlen. Andere Bundesligaclubs wie der FSV Mainz 05, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach oder der VfL Bochum erklärten sich ebenfalls solidarisch, können aus technischen Gründen aber nicht an der Aktion teilnehmen.

"Wenn München nicht darf, müssen andere Farbe bekennen"

Zu der Aktion aufgerufen hatte Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann. "Wenn München am Mittwoch nicht darf, dann müssen eben die anderen Stadien im Land Farbe bekennen. Auf jetzt, Kollegen in der Liga", twitterte er bereits in der Nacht zum Dienstag und kündigte an: "Der Deutsche Bank Park schaltet zum Spiel gegen Ungarn den Regenbogen an. Das Waldstadion bleibt bunt."

Ähnliches wird in Köln passieren. Die Entscheidung sei auf Initiative verschiedener Gruppen aus der Kölner Stadtgesellschaft gefallen. Der Bundesligist FC Augsburg macht ebenfalls mit. "Wir nutzen unsere Stadionbeleuchtung immer wieder, um auf wichtige gesellschaftliche Themen aufmerksam zu machen", sagte FCA-Geschäftsführer Michael Ströll.

Vor dem Bremer Weserstadion wurden am Dienstag Regenbogenfahnen gehisst. Dazu teilte der Bundesliga-Absteiger via Twitter mit: "SELBSTVERSTÄNDLICH sind wir auch dabei! Volle Solidarität!" Auch in Mönchengladbach werden entsprechende Fahnen gehisst. In Dortmund soll zwar nicht das Stadion des BVB in Regenbogenfarben getaucht werden, dafür aber unter anderem das Deutsche Fußballmuseum.

Video: Pressekonferenz mit Münchens Oberbürgermeister Reiter im BR24Live

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Tobias Hase

Die UEFA macht München einen Strich durch die Rechnung. Die geplante Aktion, im EM-Spiel gegen Ungarn die Arena in Regenbogenfarben leuchten zu lassen, wird nicht zugelassen. Die Reaktion von Münchens Oberbürgermeister Reiter.

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