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Regenbogen-Madonna: Aktivistin drohen zwei Jahre Haft | BR24

© Reuters

Plakate mit "Regenbogen-Madonna" von Tschenstochau

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    Regenbogen-Madonna: Aktivistin drohen zwei Jahre Haft

    Eine polnische Menschenrechtsaktivistin muss möglicherweise für zwei Jahre wegen Verletzung religiöser Gefühle ins Gefängnis. Sie hat auf Plakaten der Madonna von Tschenstochau einen regenbogenfarbenen Heiligenschein verpasst.

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    Laut Medienberichten waren die Plakate von der Schwarzen Madonna von Tschenstochau mit dem regenbogenfarbenen Heiligenschein im April in der Stadt Plock zu sehen. Aufgehängt haben soll sie die Politikaktivistin Elzbieta Podlesna - unter anderem an Mülleimern und an mobilen Toilettenkabinen. Damit habe sie auf das symbolische Ostergrab in einer dortigen Kirche reagiert. Es war mit dem Spruch "Behüte uns vor dem Feuer des Unglaubens" versehen. Aufgelistet wurden unter anderem "LGBT" (Homo-, Bi- und Transsexuelle) und "Gender".

    Der Regenbogen: LGBT-Symbol oder Friedenszeichen?

    Der Regenbogen steht symbolisch für die Schwulen- Lesben und Transgenderbewegung (LGTB). Auch die "Peace"-Fahnen der Friedensbewegung sind regenbogenfarben. Im Alten Testament taucht der Regenbogen als Symbol des Friedens und des Gottvertrauens beispielsweise bei der Erzählung über die Sintflut und die Arche Noah auf.

    Wohnungsdurchsuchung und Verhaftung in den Morgenstunden

    In Polen droht bei Beleidigung religiöser Gefühle eine Strafe von bis zu zwei Jahren Haft. Verhaftet wurde die 51-jährige Aktivistin nach einer Wohnungsdurchsuchung in den Morgenstunden, bei der ihr Computer, Handy und weitere Plakate beschlagnahmt worden waren. Nach fünf Stunden Verhör kam sie unter Auflage wieder frei.

    Millionen Pilger ziehen jährlich zur Madonna

    Zum Bild der Gottesmutter mit dem Jesuskind, Polens Nationalikone im Kloster von Tschenstochau, pilgern jedes Jahr vier Millionen Menschen. Abbildungen von ihr hängen in so gut wie jeder katholischen Kirche und an den Wänden vieler Wohnungen in Polen. Kirchenvertreter bezeichneten das Plakat als "Schändung" und "Gotteslästerung". Der Sprecher der Polnischen Bischofskonferenz, Pawel Rytel-Andrianik, rief zum Respekt für die religiösen Gefühle der Gläubigen auf. Polens Innenminister, Joachim Brudzinski, hatte die Bilder bei ihrem Auftauchen als "kulturelle Barbarei" bezeichnet. Auch der Chef der Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, setzt im Europawahlkampf auf das Thema: Die Kirche werde "sehr brutal angegriffen", beklagte er am Wochenende in einer Rede.

    Aktivistin weist Vorwurf der Gotteslästerung zurück

    Die Aktivistin Podlesna wies am Dienstag den Vorwurf zurück, sie habe die Religion oder den Glauben attackiert: "Das ist überhaupt kein Angriff. Wie kann jemand mit einem Bild angegriffen werden?" Unterstützt wird sie von Amnesty International und der Warschauer Helsinki-Stiftung für Menschenrechte. Sie verurteilten die Polizeiaktion gegen die Frau als unverhältnismäßig und verwiesen auf die Kunstfreiheit. Barbora Cernusakova, bei Amnesty International für Europa zuständig, nannte die Aktion "friedlichen Protest" und forderte die polnische Regierung auf, aufzuhören Menschen einzuschränken, die für ihre Meinung einträten.