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Reaktionen auf Kopftuchverbot an Grundschulen in Österreich | BR24

© Dirk Rodenkirch/BR

Diskussion über Kopftuchverbot für Schulkinder

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Reaktionen auf Kopftuchverbot an Grundschulen in Österreich

Österreich hat am Mittwoch ein Verbot von Kopftüchern an Grundschulen beschlossen. Sollte es eine solche Regel auch in Deutschland geben? Der österreichische Beschluss ruft in Deutschland geteilte Reaktionen hervor.

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Nach dem österreichischen Beschluss, Kopftücher an Grundschulen zu verbieten, haben sich auch in Deutschland Politiker und Betroffenen zu Wort gemeldet.

Integrationsbeauftragte der Bundesregierung fordert Überprüfung

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung forderte die Prüfung eines Kopftuchverbots für Kinder an Schulen. Es sei absurd, dass kleine Mädchen Kopftuch tragen, sagte Annette Widmann-Mauz (CDU) der "Bild"-Zeitung. "Das sehen auch die meisten Muslime so. Alle Maßnahmen, die Mädchen davor schützen - vom Elterngespräch bis zum Verbot - sollten geprüft und angegangen werden", so Widmann-Mauz.

SPD-Familienpolitikerin für Kopftuchverbot an Grundschulen

Zuspruch für ein Kopftuchverbot an Schulen gibt es auch aus der SPD. "Ich bin für ein Kopftuchverbot für Kinder. Das ist für mich keine religiöse, sondern eine gesellschaftliche Frage, eine Frage der Gleichstellung. Darüber sollen Erwachsene selbst entscheiden", sagte SPD-Familienpolitikerin Leni Breymaier.

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach twitterte dagegen, die Kinder in einen Konflikt mit ihren Eltern zu zwingen, sei "unehrenhaft".

Islamwissenschaftlerin: Kopftuchverbot bringt Kinder in Entscheidungsnot

Auch die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor befürchtet, dass ein Verbot polarisieren würde. Dadurch zwinge man die Kinder zu einer Entscheidung zwischen Elternhaus und Schule, sagte sie im Deutschlandfunk. Besser wäre es, die Eltern mit pädagogischen Mitteln zu erreichen und zum Beispiel Moscheevereine einzuladen, die gegen Kopftücher für junge Mädchen argumentierten.

Lehrerverband: Kopftücher tragen zur Abgrenzung bei

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, vermutet, dass von den Eltern schon auf kleine Kinder Druck ausgeübt wird, das Kopftuch zu tragen. "Kopftücher in der Schule sind integrationsfeindlich, weil sie bereits in Kindergärten und Grundschulen zur äußerlichen Abgrenzung beitragen."

CDU/CSU: Pauschales Kopftuchverbot kritisch

Der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg, sieht ein Kopftuchverbot nach österreichischem Vorbild kritisch. "Das pauschale Verbot eines Kopftuches - wie in Österreich - benachteiligt auch die Mädchen, die sich freiwillig für das Tragen eines Kopftuches als Zeichen ihrer Religion entschieden haben", sagte Weinberg. Er verwies auf "das im Grundgesetz verankerte Recht, seine Religion frei ausüben zu können."

Österreichs Koalitionsregierung hatte sich am Mittwoch mit ihrer strikten Linie gegen den traditionalistischen Islam erneut durchgesetzt. Mit den Stimmen der konservativen ÖVP und der rechten FPÖ beschloss das Parlament ein Kopftuchverbot an Grundschulen.