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Razzien: Geld für Hamas statt für Hilfe? | BR24

© BR / Michael Götschenberg

Mit angeblichen Spendensammlungen soll ein islamistisches Netzwerk die terroristische Hamas unterstützt haben. Die Polizei hat nun in neun Bundesländern Objekte zweier Vereine durchsucht.

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Razzien: Geld für Hamas statt für Hilfe?

Mit angeblichen Spendensammlungen soll ein islamistisches Netzwerk die terroristische Hamas unterstützt haben. Die Polizei hat nun in neun Bundesländern Objekte zweier Vereine durchsucht.

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Ab dem frühen Morgen wurden in neun Bundesländern insgesamt 90 Objekte durchsucht. Schwerpunkt war Nordrhein-Westfalen, außerdem fanden Durchsuchungen auch in Berlin, Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein statt.

Im Fokus steht die Organisation Ansaar International und der mit ihr eng verbundene Verein World Wide Resistance Help. Beiden Vereinen und ihrem Netzwerk werfen die Ermittler vor, die palästinensische Hamas zu unterstützen, die von der EU, Israel und den USA als islamistische Terrororganisation eingestuft wird.

Humanitäre Projekte, Shops und Pilgerreisen

Ansaar steht bei den Sicherheitsbehörden außerdem seit längerem im Verdacht, enge Kontakte zur salafistischen Szene in Deutschland zu unterhalten. Im Internet wirbt die Organisation für Spenden, um humanitäre Projekte auf der ganzen Welt zu unterstützen. Die dort genannten Projekte sind unter anderem der Bau von Brunnen, die Finanzierung von Krankenhäusern, Waisenhäusern und Witwenheimen in zahlreichen Ländern weltweit.

Auch sogenannte Ramadan-Pakete können erworben werden. Dabei gehe es darum, notleidenden Muslimen in verschiedenen Ländern das Fastenbrechen durch die Finanzierung von Lebensmittelpaketen zu ermöglichen, heißt es auf der Internetpräsenz von Ansaar International.

Darüber hinaus vertreibt der Verein über seine Internetpräsenz eine eigene Bekleidungsmarke namens Ansaar Clothing, und betreibt einen Shop in Düsseldorf für Bekleidung, Bücher und Kosmetik, sowie ein Second-Hand-Geschäft in Duisburg. Und schließlich bietet Ansaar International über eine eigene Agentur Pilgerreisen an. Die Einnahmen, so gibt der Verein an, kämen zu 100 Prozent den geförderten Projekten zugute.

Geld auch an andere islamistische Terrororganisationen?

Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden geht es jedoch nicht nur um die Finanzierung von Hilfsprojekten. Anlass für die Durchsuchungen ist der Vorwurf, dass das Netzwerk die Hamas sowohl finanziell als auch propagandistisch unterstützte. In Sicherheitskreisen heißt es, man erhoffe sich mit Hilfe der Durchsuchungen auch Aufschluss darüber, inwieweit auch Geld bei anderen islamistischen Terrororganisationen, wie beispielsweise beim "Islamischen Staat", angekommen ist. Beweise gibt es dafür bisher nicht.

Enge Kontakte zur salafistischen Szene

Ansaar International wurde 2012 gegründet, hat seinen Sitz in Düsseldorf und wird vom Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen beobachtet. Insgesamt rechnet der NRW-Verfassungsschutz Ansaar International und sein Netzwerk dem extremistischen Salafismus zu. Tatsächlich sei dieses Netzwerk, so heißt es in Sicherheitskreisen, das aktuell größte radikal islamistische Netzwerk in Deutschland, das mit seinen Veranstaltungen auch immer wieder neue Mitglieder für die salafistische Szene gewinne. So gebe es enge Kenn- und Kontaktverhältnisse zur salafistischen Szene.

Zum Verein Worlwide Resistance Help, der ebenfalls im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen erwähnt wird, gebe es enge Verbindungen, sowohl verwandtschaftlich als auch organisatorisch. Der Verein wird als Teilorganisation von Ansaar International angesehen.

Material für Vereinsverbot sammeln

Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass Ansaar International die Lücke ausgefüllt hat, die mit dem Verbot des salafistischen Vereins "Die Wahre Religion/Lies!" entstanden ist. Ziel der Durchsuchungen heute ist es dem Vernehmen nach auch, Material zu sammeln, das für ein Vereinsverbot von Ansaar International und Worldwide Resistance Help genutzt werden könnte.